DIA-Studie Vorsorgebereitschaft nimmt ab
Die Deutschen sorgen sich um ihren Lebensstandard im Alter, handeln aber zunehmend weniger.
Die Sorge um den Lebensstandard im Alter ist in Deutschland weit verbreitet. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft ab, finanziell gegenzusteuern. Dieses Spannungsverhältnis zeigt eine aktuelle Untersuchung deutlich. Angst vor Einbußen führt nicht automatisch zu mehr Vorsorge. Im Gegenteil: Trotz wachsender Unsicherheit sinkt die aktive Vorsorgebereitschaft.
Grundlage ist der „DIA Deutschland-Trend Vorsorge 2025“. Für die Studie hat das Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA) gemeinsam mit dem Markt- und Sozialforschungsinstitut INSA Consulere im Dezember 1.000 Erwerbsfähige zwischen 18 und 64 Jahren befragt.
Große Sorge, geringe Zuversicht
Die Erwartungen an den Ruhestand fallen nüchtern aus. Zwei Drittel der Befragten rechnen damit, ihren Lebensstandard im Alter senken zu müssen. Für viele ist das keine abstrakte Befürchtung, sondern eine konkrete Erwartung.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Abstufung:
- 67 Prozent erwarten insgesamt Einschränkungen im Ruhestand
- 37 Prozent rechnen mit deutlichen Einschnitten
- Nur rund ein Drittel geht davon aus, den Lebensstandard halten oder steigern zu können
Diese Einschätzung zieht sich durch nahezu alle Altersgruppen. Die Unsicherheit ist damit kein Randphänomen einzelner Generationen, sondern ein breites gesellschaftliches Stimmungsbild.
Vorsorgebereitschaft geht dennoch zurück
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Bemerkenswert ist der Gegensatz zwischen Sorge und Handeln.
Obwohl viele Menschen von finanziellen Einbußen ausgehen, nimmt die Bereitschaft zur zusätzlichen Vorsorge ab.
Die Studie zeigt einen Rückgang gegenüber früheren Erhebungen.
Diese Entwicklung widerspricht der klassischen Annahme, dass steigende Risiken automatisch zu höherer Eigeninitiative führen.
Offenbar reicht die Erwartung von Einschränkungen allein nicht aus, um Vorsorgeentscheidungen auszulösen.
Zwischen Wissen und Handlungsblockade
Ein möglicher Erklärungsansatz liegt in der Überforderung. Altersvorsorge ist komplex, langfristig und von politischen wie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig. Viele empfinden die eigenen Handlungsmöglichkeiten als begrenzt.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt. Wer fest damit rechnet, den Lebensstandard nicht halten zu können, senkt unbewusst auch die Erwartungen an den Nutzen zusätzlicher Vorsorge. Aufwand und Verzicht in der Gegenwart erscheinen dann wenig lohnend.
Vertrauen in Systeme schwindet
Altersvorsorge bleibt eine der zentralen ungelösten Fragen der wirtschaftlichen Zukunft."
Die Ergebnisse deuten auch auf ein strukturelles Vertrauensproblem hin. Gesetzliche, betriebliche und private Vorsorge werden zwar als notwendig erkannt, aber nicht als verlässlich wahrgenommen. Politische Debatten über Rentenniveau, demografischen Wandel und Finanzierung verstärken diese Skepsis.
Vorsorgeentscheidungen verlangen Vertrauen in lange Zeiträume. Fehlt dieses Vertrauen, steigt die Neigung, Entscheidungen aufzuschieben oder ganz zu vermeiden. Die sinkende Vorsorgebereitschaft ist damit weniger Ausdruck von Sorglosigkeit als von Unsicherheit.
Altersvorsorge als gesellschaftliche Zumutung
Die Studie macht deutlich, dass Altersvorsorge für viele Menschen keine aktive Gestaltungsaufgabe mehr ist, sondern eine Belastung. Sie wird als notwendig, aber kaum beherrschbar empfunden. Das verändert den Blick auf Eigenverantwortung.
Nicht mangelndes Problembewusstsein ist das Kernproblem, sondern die Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung. Diese Lücke wächst, obwohl Informationsangebote zunehmen.
Fazit
Die Deutschen sorgen sich um ihren Lebensstandard im Alter, handeln aber zunehmend weniger. Die DIA-Studie zeigt eine wachsende Diskrepanz zwischen Erwartung und Vorsorgebereitschaft. Angst ersetzt keine Strategie, Unsicherheit keine Entscheidung. Altersvorsorge bleibt damit eine der zentralen ungelösten Fragen der wirtschaftlichen Zukunft.
Freiräume schaffen für ein gutes Leben.










