Viel zu kompliziert? Blockchain, die digitale Revolution?

Die kommerzielle Anwendung des Internets kann kaum auf eine längere Historie als zwei Jahrzehnte zurückblicken. Das Smartphone ist gerade mal gut zehn Jahre alt. Beides bestimmt heute in ungeahnter Weise unser Leben. Eine solche grundlegende Umwälzung könnte auch die Blockchain bedeuten.

Unter Finanz- und IT-Experten werden die Möglichkeiten und Perspektiven der Blockchain-Technologie derzeit intensiv diskutiert. Die Zahl der Anwendungen hält sich allerdings bisher in Grenzen. Insofern ist Blockchain noch mehr Vision als Realität. Aber das könnte sich ändern. Internet und Smartphone haben es vorgemacht. 

Bitcoins als erste praktische Anwendung 

Doch was ist die "Blockkette" - so die deutsche Übersetzung - überhaupt? Das kann an dieser Stelle nur kurz dargestellt werden. Eine ausführlichere Erklärung gibt es hier. Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Liste von Datensätzen, die über Verschlüsselungstechniken - kryptographische Verfahren - miteinander verkettet sind und dezentral gespeichert werden. Die Datensätze werden dabei als "Blöcke" bezeichnet, durch die Verkettung entsteht die "Blockchain". 

Die Blockchain-Theorie ist bereits in den 1990er Jahren entwickelt worden. Die erste praktische Anwendung stellt die Krypto-Währung Bitcoin dar. Deren Prinzip wurde erstmals 2008 beschrieben, die praktische Einführung startete 2009. Seither haben Bitcoins eine erstaunliche Erfolgsgeschichte geschrieben und sind zu einem wahren Spekulationsobjekt geworden. Unabhängig davon, was man von virtuellem Geld halten mag - Bitcoins beweisen, dass das Blockchain-Prinzip funktioniert. 

Revolutionär - Vermittler werden überflüssig 

Was ist nun das Besondere daran? Die Antwort ist einfach: die Krypto-Währung benötigt weder eine Zentralbank noch sonstige Finanzinstitute. Der Austausch findet stets unmittelbar zwischen beteiligten Akteuren statt. Die Blockchain-Technologie sorgt dabei dafür, dass die Transaktionen praktisch fälschungssicher stattfinden können. Die Buchungsdaten werden verschlüsselt auf allen an den Transaktionen beteiligten Computern abgelegt und die so entstehende Blockchain kann von außen kaum angegriffen werden. Das Fehlen einer "Zwicheninstanz" sorgt außerdem dafür, dass jede Transaktion praktisch in Echtzeit realisiert wird. So schnell ist keine Bank - selbst mit modernster Technik. 

Die Schnelligkeit und der ermöglichte Verzicht auf einen Intermediär, der Transaktionen durchführt und absichert, ist denn auch das Revolutionäre an der Blockchain-Technologie. Das erklärt, warum man sich in der Finanzbranche besonders intensiv mit dem Thema beschäftigt. Denn die "Vermittler-Tätigkeit" ist letztlich der Kern ihres Geschäftsmodells. Dort wo Vermittlung überflüssig wird, fällt sozusagen die Geschäftsgrundlage weg. Dabei sind nicht nur Zahlungs-Transaktionen betroffen, sondern viele Geschäftsfelder. Die Bandbreite reicht vom Wertpapierhandel über Kredite bis zu Versicherungen. 

Blockchain betrifft potentiell alle Tätigkeiten, bei denen es um Vermittlung geht - vom Makler bis zum Reisebüro. 

Blockchain als Prozessbeschleuniger

Selbst viele Internet-Geschäftsmodelle sind betroffen, denn etliche Plattformen basieren auf dem Vermittlungsprinzip. Die Blockchain bietet aber auch noch andere Potentiale. Sie kann als Prozess-Beschleuniger dienen und dafür sorgen, dass Daten schneller dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden, ohne dass das zu Lasten der Sicherheit geht. Das Anwendungsspektrum reicht von der Logistik bis zum Gesundheitswesen. 

Allerdings müssen auch noch einige Hürden überwunden werden, die einer Breitenanwendung im Wege stehen. Es gibt bisher keine hinreichend ausgebaute technische Infrastruktur für Blockchain-Anwendungen und der Entwicklungs-Aufwand ist hoch. Von daher braucht die nächste digitale Revolution vielleicht doch noch etwas Zeit.