Erkenntnisse aktueller Studien Online-Dienste und Finanzverhalten
Online-Dienste sind längst ein fester Teil unseres Alltags und beeinflussen direkt einen Großteil unserer finanziellen Entscheidungen.
Im 2024 kauften 77% der Internetnutzerinnen und -nutzer in der EU Waren oder Dienstleistungen online – das ist längst ein normaler Teil des täglichen Lebens und nichts Besonderes mehr. In der Eurozone entfallen 21% aller alltäglichen Zahlungen nach Anzahl und 36% nach Volumen auf Online-Zahlungen, und dieser Anteil wächst stetig.
Die meisten Ausgabenentscheidungen treffen wir nicht mehr an der Ladenkasse mit Bargeld in der Hand. Wir treffen sie innerhalb digitaler Dienste - in der Banking-App, im Onlineshop oder im mobilen Wallet. Genau diese Dienste prägen unser Finanzverhalten immer stärker.
Online-Zahlungen als neue Norm
Die Erhebung SPACE 2024 der Europäischen Zentralbank zeigt, dass in der Eurozone bereits etwa jede fünfte Alltagszahlung online erfolgt. Der Anteil solcher Transaktionen hat sich in wenigen Jahren vervielfacht. Viele Menschen holen selbst für den Kaffee oder kleine Einkäufe kaum noch Bargeld aus der Tasche und zahlen stattdessen mit Karte oder Handy.
Daraus sind feste Gewohnheiten geworden:
- Wir hinterlegen die Karte einmal im Dienst und zahlen danach mit einem Fingertipp;
- Abos für Dienste werden einmal im Monat automatisch abgebucht;
- Im Laufe des Monats laufen viele kleine, "unsichtbare" Abbuchungen.
Bargeld beschreiben viele als eine Art, Ausgaben besser zu spüren, während Karten und Apps vor allem Zeit sparen sollen. Entsprechend halten manche ganz bewusst einen Teil ihres Geldes "in bar", andere steigen komplett auf Online-Zahlungen um - und riskieren, die vielen kleinen, regelmäßigen Abbuchungen kaum wahrzunehmen.
Online-Freizeit und Bezahlung von Unterhaltung
Studien zu digitalen Gewohnheiten zeigen, dass Nutzerinnen und Nutzer täglich mehrere Stunden in sozialen Netzwerken und auf Unterhaltungsplattformen verbringen. Ein Teil dieser Zeit ist gratis, doch immer mehr Formen der Freizeit werden kostenpflichtig: Videostreaming, Musikdienste, Videospiele, In-Game-Käufe und kostenpflichtige Abos für Lieblings-Creatorinnen und -Creator.
Die Bezahlung für Unterhaltung läuft fast nebenbei. Plattform-Abos werden im Hintergrund abgebucht. Im Game wirkt der Kauf eines "kleinen Bonus" wie ein einziger Klick. Eine Spende an eine Streamerin oder einen Streamer geht über die hinterlegte Karte. Analysen aus Berichten von 2025 zeigen, dass viele Menschen auf Anhieb nicht sagen können, wie viele kostenpflichtige Dienste sie tatsächlich nutzen und wie viel sie pro Monat für Unterhaltung ausgeben - die Gesamtsumme zerfällt in viele kleine Zahlungen.
Ein eigener Bereich der kostenpflichtigen Unterhaltung sind Online-Casinos und andere Glücksspielplattformen. Laut einem Analysebericht von 2026 hat der weltweite Markt für Online-Gambling bereits 130 Milliarden US-Dollar überschritten und wächst weiter. Am schnellsten legen Online-Casinos und Wetten auf E-Sport zu. Für ihre Entwicklung sind Online-Finanzdienste besonders wichtig, denn alle Zahlungen laufen über das Internet.
Gerade die Möglichkeit, Geld einfach und schnell zu überweisen, ist zu einem der Treiber für das Wachstum von Online-Casinos geworden. Online-Zahlungsdienste machen es leicht, das Spielkonto aufzuladen und Gewinne auszuzahlen. Gleichzeitig lassen sie sich nutzen, um das eigene Spielverhalten zu steuern - etwa, indem man persönliche Limits setzt.
Mobiles Banking - Hilfe oder Versuchung
Mobiles Banking ist für die meisten Bankkundinnen und -kunden zum Standard geworden. Mit der App können Sie jederzeit Ihren Kontostand einsehen, Ausgaben und Gebühren überprüfen, Rechnungen bezahlen oder Überweisungen tätigen. Viele sagen, dass ihnen erst die Banking-App zum ersten Mal einen vollständigen Überblick über ihre Ausgaben nach Kategorien gegeben hat. Das hilft, unnötige Käufe zu erkennen und Ordnung ins Budget zu bringen.
In denselben Apps stecken aber auch andere Funktionen. Kreditlinien, "Geld bis zum Gehalt", Sofortfinanzierungen für Einkäufe im Handel - all das wird heute direkt im Smartphone angeboten. Der schnelle Zugriff auf zusätzliches Geld verleitet zu Entscheidungen, die ohne Smartphone vielleicht als zu riskant wahrgenommen würden.
Das Fazit der Forschenden - mobiles Banking verstärkt das, was bereits da ist. Wer gewohnt ist, Ausgaben zu planen und zu überprüfen, bekommt durch die App noch mehr Kontrolle. Wer diese Gewohnheit nicht hat, findet über dieselbe App leichter den Weg in die Verschuldung.
Ratenkauf als neuer Kredit
"Buy now, pay later"-Dienste sind in wenigen Jahren zu einem eigenen, großen Markt geworden. Analyseberichte für 2025 schätzen das jährliche Volumen dieser Angebote auf Hunderte Milliarden US-Dollar. Händler mögen BNPL, weil der durchschnittliche Warenkorb wächst. Kundinnen und Kunden schätzen, dass sich der Betrag in mehrere, zinsfreie Raten aufteilen lässt.
Das Problem: Viele achten nicht auf den Gesamtpreis, sondern nur auf die Höhe der einzelnen Rate. Ein Kauf wirkt "leicht", wenn der monatliche Betrag klein ist. Gleichzeitig geben in Umfragen aus verschiedenen Ländern 30-40 % der BNPL-Nutzenden an, im Laufe eines Jahres mindestens einmal zu spät gezahlt zu haben.
Deshalb gehen Aufsichtsbehörden in der EU und in Großbritannien inzwischen dazu über, BNPL wie einen klassischen Kredit zu behandeln. Die Anbieter müssen die Bonität ihrer Kundinnen und Kunden prüfen, die gesamte Rückzahlungssumme klar ausweisen und einen ähnlichen Verbraucherschutz bieten wie Banken.
Digitale Finanzkompetenz als Schlüssel zu sicheren Entscheidungen
Digitale Finanzkompetenz beeinflusst direkt, wie Menschen Online-Dienste nutzen. Wo es ein grundlegendes Verständnis von Zinsen, Gebühren, Kreditbedingungen und Betrugsrisiken gibt, haben Menschen häufiger Rücklagen und geraten seltener in Schuldenfalle. Wo dieses Verständnis fehlt, wird die Bequemlichkeit von Online-Angeboten schnell zum Problem. Besonders verletzlich sind drei Gruppen:
- Junge Leute, die neue Dienste schnell nutzen, aber die Folgen nicht immer bedenken;
- Altere Menschen, die aus Angst vor Betrug unsichere Angebote wählen oder ganz offline bleiben;
- Menschen mit wenig Geld, für die schon kleine Gebühren richtig wehtun.
Online-Dienste sind bereits zum Fundament unseres finanziellen Alltags geworden. Diese Technologien sind weder "gut" noch "schlecht". Sie verstärken vor allem die Gewohnheiten, die wir ohnehin haben. Wenn wir Limits setzen, die gesamte Schuldsumme im Blick behalten, unsere Abos regelmäßig prüfen und den Kreditrahmen nicht mit unserem eigenen Geld verwechseln, arbeiten diese Dienste für uns.
