Trump und Turbulenzen Europas Chance im Chaos
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus sorgt US-Präsident Donald Trump wieder für weltweite Unruhe. Bereits während seiner ersten Amtszeit galt seine Politik als unkonventionell, polarisierend und wirtschaftlich riskant.
In seiner zweiten Amtszeit geht Trump nun noch entschlossener seinen Weg – mit einer wirtschaftspolitischen Linie, die auf nationale Interessen, Abschottung und kurzfristige Effekte setzt. Die Folge: Eine wachsende Unsicherheit an den globalen Märkten, politische Spannungen mit traditionellen Partnern und eine zunehmend erratische Außen- und Handelspolitik.
Was für viele Länder und Investoren eine Bedrohung darstellt, könnte sich für Europa als historische Gelegenheit entpuppen. Robert Halver, Chefanalyst der Baader Bank, sieht im amerikanischen Chaos auch eine strategische Chance: Europa könnte sich neu erfinden – als Stabilitätsanker in einer aus den Fugen geratenen Weltordnung.
Eine chaotische US-Wirtschaftspolitik mit globalen Folgen
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Seit Trumps Rückkehr ins Amt verfolgt die US-Regierung eine wirtschaftspolitische Agenda, die an alte Muster aus seiner ersten Amtszeit anknüpft – jedoch mit verschärftem Ton und aggressiverer Umsetzung.
- Die Schutzzölle auf Importe aus China, Europa und anderen Handelspartnern wurden nicht nur beibehalten, sondern ausgeweitet.
- Die USA haben mehrere internationale Abkommen entweder aufgekündigt oder massiv in Frage gestellt.
- Trumps Steuerpolitik zielt weiterhin auf kurzfristige Konjunkturimpulse ab, blendet jedoch langfristige Haushaltsrisiken aus.
Zudem greift Trump zunehmend in die Arbeit unabhängiger Institutionen ein, etwa in die Geldpolitik der Federal Reserve, und scheut auch vor konfrontativen Maßnahmen gegenüber multinationalen Konzernen nicht zurück.
Die Folge ist eine wirtschaftliche Verunsicherung, die weit über die US-Grenzen hinausreicht. Internationale Investoren reagieren nervös, Lieferketten geraten unter Druck, und das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner nimmt ab.
Europa als ruhiger Gegenpol in stürmischen Zeiten
Während Amerika politisch und wirtschaftlich immer unberechenbarer agiert, könnte Europa die Gelegenheit nutzen, sich als ruhiger, verlässlicher und langfristig orientierter Akteur zu positionieren. Genau hier liegt die Chance, die Robert Halver hervorhebt.
In einer Welt, in der Stabilität zur Ausnahme wird, könnten europäische Staaten mit einem gemeinsamen wirtschafts- und handelspolitischen Kurs an Gewicht gewinnen. Statt selbst in den nationalen Egoismus zu verfallen, sollte die EU:
- Multilaterale Bündnisse festigen und neue Freihandelsabkommen abschließen, etwa mit Schwellenländern oder südostasiatischen Staaten.
- Standortfaktoren stärken, um Investitionen nach Europa zu lenken – durch Digitalisierung, Bildung, Energieunabhängigkeit und Steuertransparenz.
- Souveränität in strategischen Bereichen ausbauen, etwa in Verteidigung, Industriepolitik und Technologie.
Europa hat das Potenzial, zur neuen globalen Ordnungsmacht zu werden – nicht als Gegenmodell zu den USA, sondern als eigenständige Kraft, die auf Berechenbarkeit, Nachhaltigkeit und Partnerschaft setzt.
Geopolitische Unabhängigkeit – nicht nur Rhetorik, sondern Pflicht
In der Welt von „Trump II“ liegt die Zukunft nicht in Anpassung, sondern in eigenständigem Handeln. Die Frage ist nicht, ob Europa gebraucht wird. Die Frage ist, ob es bereit ist, Verantwortung zu übernehmen."
Trumps außenpolitischer Kurs, der sich zunehmend auf bilaterale Deals und politische Drohgebärden stützt, schwächt den Zusammenhalt westlicher Bündnisse. Die NATO wurde wiederholt in Frage gestellt, die Beziehungen zu Europa sind distanziert, die Kooperation in internationalen Organisationen liegt brach.
Für Europa heißt das: Die Zeit strategischer Abhängigkeit von den USA ist vorbei.
Robert Halver fordert in diesem Zusammenhang mehr als symbolische Reden: Europa müsse endlich lernen, sich selbst zu behaupten – wirtschaftlich, sicherheitspolitisch und moralisch.
Ein gestärktes Europa kann:
- Eine ausbalancierte China-Politik betreiben, die wirtschaftliche Interessen und Menschenrechte gleichermaßen berücksichtigt.
- In Afrika und im Nahen Osten aktiver werden, um Fluchtursachen zu bekämpfen und strategische Allianzen zu formen.
- Globale Standards mitprägen, sei es im Klimaschutz, in der Datenregulierung oder bei ethischen Leitlinien für neue Technologien.
Finanzmärkte zwischen Misstrauen und Neuorientierung
Die Börsen zeigen bereits erste Reaktionen auf Trumps zweite Amtszeit. Während amerikanische Aktien zunächst von Steuersenkungen und Deregulierungen profitieren, ist das Vertrauen in die langfristige Stabilität der US-Wirtschaft angekratzt.
Viele institutionelle Anleger richten ihren Blick deshalb verstärkt auf europäische Märkte – nicht nur wegen der attraktiveren Bewertungen, sondern auch wegen der politischen Berechenbarkeit.
- Europäische Leitindizes verzeichnen verstärkt Kapitalzuflüsse.
- Der Euro gewinnt als Alternative zum US-Dollar in der internationalen Handelsfinanzierung an Bedeutung.
- Europäische Unternehmen profitieren von ihrer Exportstärke und globalen Marktvernetzung – besonders in Asien und Lateinamerika.
Fazit: Europas Stunde schlägt – wenn es will
Trump regiert wieder – und er tut es mit der gleichen Unberechenbarkeit wie zuvor, nur noch konsequenter. Für Europa ist das kein Grund zur Panik, sondern eine historische Chance zur Neuausrichtung und Selbstbehauptung.
Robert Halver bringt es auf den Punkt: Nicht Trotz, sondern kluge Strategie, Geschlossenheit und Weitblick machen den Unterschied. Wenn Europa jetzt handelt – mit Reformen nach innen und Mut nach außen –, dann könnte aus dem amerikanischen Chaos tatsächlich eine europäische Aufbruchsstimmung erwachsen.

Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt