Franklin Templeton Debatte über den Dollar wird lauter
Die Debatte über den Dollar wird lauter.
Der US-Dollar steht seit einiger Zeit stärker unter Beobachtung als früher. Geopolitische Spannungen, die erratische Wirtschaftspolitik in den USA und die Suche vieler Länder nach größerer finanzieller Unabhängigkeit haben die Diskussion über die künftige Rolle des Greenback neu belebt. Immer häufiger werden der Euro, Gold oder digitale Vermögenswerte als mögliche Gegenpole genannt. Franklin Templeton hält diese Debatte zwar für verständlich, sieht aber weiterhin keinen ernsthaften Konkurrenten für die Weltleitwährung.
Die Argumentation von Sonal Desai, Chief Investment Officer für Fixed Income bei Franklin Templeton, ist dabei nicht auf einen kurzfristigen Marktblick beschränkt. Sie verweist auf drei strukturelle Säulen, die den Dollar weiterhin tragen: die Größe der US-Wirtschaft, die Tiefe und Liquidität der amerikanischen Finanzmärkte sowie die institutionelle Glaubwürdigkeit des Systems. Aus ihrer Sicht fehlt es derzeit schlicht an einer Alternative, die diese drei Faktoren in vergleichbarer Form vereint.
Die wirtschaftliche Größe der USA bleibt ein Machtfaktor
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Der erste Punkt ist die schiere wirtschaftliche Masse. Die Vereinigten Staaten stellen weiterhin die größte Volkswirtschaft der Welt. Diese Größe schafft nicht nur politischen Einfluss, sondern auch eine enorme Nachfrage nach Dollar als Handels-, Finanzierungs- und Reservewährung.
Solange ein so großer Teil der Weltwirtschaft in irgendeiner Form mit den USA verflochten bleibt, behält der Dollar eine starke Stellung.
Hinzu kommt, dass die Größe der US-Wirtschaft nicht isoliert wirkt. Sie ist eng mit der Rolle der amerikanischen Kapitalmärkte verbunden. Unternehmen, Staaten und Investoren weltweit bewegen sich in einem System, das auf Dollarliquidität, US-Staatsanleihen und amerikanischen Finanzinstrumenten aufbaut.
Genau diese Verbindung macht den Dollar schwer ersetzbar. Franklin Templeton sieht darin einen der Gründe, warum Zweifel an der US-Politik nicht automatisch zu einem Verlust der Dollar-Dominanz führen.
Die Tiefe der Finanzmärkte ist kaum kopierbar
Der zweite Pfeiler ist die Tiefe der amerikanischen Finanzmärkte. Franklin Templeton verweist darauf, dass der US-Treasury-Markt mit 30,6 Billionen US-Dollar ausstehenden Papieren per Februar 2026 der tiefste Pool sicherer Vermögenswerte weltweit ist. Laut SIFMA lag der durchschnittliche tägliche Sekundärmarktumsatz bei rund 1,29 Billionen Dollar. Kein anderer Staatsanleihemarkt kommt in diese Größenordnung.
Genau das ist für eine Reservewährung entscheidend. Es reicht nicht, eine große Wirtschaft zu haben. Es braucht auch Märkte, die so liquide, breit und tief sind, dass Regierungen, Notenbanken, Versicherungen und institutionelle Investoren dort in großem Stil Kapital parken können. Aus Sicht von Desai liegt hier die größte Schwäche möglicher Rivalen.
Die zentralen Punkte sind:
- Die USA bieten den größten Markt für sichere und liquide Vermögenswerte.
- Die notwendige Infrastruktur für eine Ersatzwährung lässt sich nicht kurzfristig aufbauen.
Diese Marktstruktur ist nicht nur eine Frage von Größe, sondern auch von Vertrauen, Handelbarkeit und globaler Verfügbarkeit.
Euro und Yuan bleiben aus strukturellen Gründen zurück
Die aktuelle Schwäche des Greenback muss nicht als Beginn eines strukturellen Bedeutungsverlusts interpretiert werden. Solange Euro und Yuan an ihren jeweiligen Konstruktionsgrenzen scheitern und keine gleichwertige Reserve- und Handelswährung entsteht, dürfte die Dollar-Dominanz eher unter Druck diskutiert als tatsächlich verdrängt werden."
Franklin Templeton sieht vor allem beim Euro und beim Renminbi die Grenzen möglicher Konkurrenz. Beim Euroraum nennt Desai das Fehlen eines einheitlichen sicheren Vermögenswerts in ausreichendem Umfang. Der Euro verfügt zwar über große Volkswirtschaften und entwickelte Kapitalmärkte, aber eben nicht über einen einzigen, großen, homogenen Staatsanleihemarkt, der dem US-Treasury-Markt nahekäme.
Beim Renminbi verweist sie auf ein anderes Hindernis: Kapitalverkehrskontrollen und fehlende volle Konvertibilität. Solange China die freie Beweglichkeit seines Finanzsystems nicht vollständig zulässt, bleibt der Yuan als globale Reservealternative begrenzt. Auch aktuelle Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich stützen diese Einordnung. In der dreijährlichen Erhebung 2025 war der Dollar an 89,2 Prozent des außerbörslichen Devisenhandels beteiligt. Der Yuan kam dagegen nur auf 8,5 Prozent. )
Damit wird deutlich, wie groß der Abstand noch ist. Die Dollar-Dominanz zeigt sich nicht nur in Reservebeständen oder Anleihemärkten, sondern auch im täglichen Gebrauch an den globalen Devisenmärkten. Genau dort entscheidet sich, wie tief eine Währung tatsächlich im Weltfinanzsystem verankert ist.
Die aktuelle Schwäche gilt als zyklisch, nicht als strukturell
Franklin Templeton bewertet die jüngste Dollarschwäche deshalb nicht als Zeichen eines grundsätzlichen Niedergangs. Desai sieht sie als zyklisches Phänomen. In real handelsgewichteter Betrachtung liege der Dollar weiterhin deutlich über seinen Tiefständen der Mitte der 1990er Jahre und der späten 2000er Jahre. Eine gewisse Abschwächung sei sogar mit dem Status einer globalen Reservewährung vereinbar.
Diese Sichtweise passt auch zu den Marktstatistiken der BIS. Trotz wiederkehrender Debatten über Entdollarisierung blieb der Dollar 2025 die mit Abstand wichtigste Handelswährung im globalen Devisenmarkt. Das spricht dafür, dass politische Irritationen und Marktschwächen zwar Zweifel nähren können, aber den institutionellen Kern der Dollar-Dominanz bislang nicht aufbrechen.
Fazit
Franklin Templeton argumentiert nicht, dass der Dollar unangreifbar oder frei von Schwächen sei. Die eigentliche Aussage ist nüchterner: Die Kritik an den USA und die Suche nach Alternativen sind real, aber keine der diskutierten Optionen bietet bislang dieselbe Kombination aus wirtschaftlicher Größe, liquiden Finanzmärkten und institutioneller Infrastruktur. Genau deshalb bleibt der Dollar aus Sicht von Sonal Desai die bevorzugte Währung im globalen System.
Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Die aktuelle Schwäche des Greenback muss nicht als Beginn eines strukturellen Bedeutungsverlusts interpretiert werden. Solange Euro und Yuan an ihren jeweiligen Konstruktionsgrenzen scheitern und keine gleichwertige Reserve- und Handelswährung entsteht, dürfte die Dollar-Dominanz eher unter Druck diskutiert als tatsächlich verdrängt werden.
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