Eine vermeintlich sichere Sache

Unvorstellbares Ausmaß Der Skandal um P&R

Als im März die P&R Firmengruppe in München Insolvenz anmelden musste, mochten sich viele der rund 54.000 Anleger Hoffnungen machen, doch noch einen guten Teil ihres Geldes wieder zu sehen. Schließlich hatte man in Sachwerte - nämlich Schiffscontainer - investiert, die durch die Insolvenz nicht einfach untergingen.

Heute  - fast ein halbes Jahr später - sind diese Hoffnungen weitgehend zerstoben. Denn von den vermeintlich 1,6 Millionen Behältern, die P&R vermarktet hat, existieren wohl real nur etwas mehr als 600.000 Stück. Eine Million Container waren eine Luftbuchung. Die beiden Insolvenzverwalter Michael Jaffé und Philip Heinke haben jetzt in mehreren Gutachten die Hintergründe der Insolvenz näher beleuchtet.

Eine vermeintlich sichere Sache 

Über Jahrzehnte galt das Geschäft mit der Containervermietung eigentlich als eine recht sichere Sache. P&R verkaufte seit den 1970ern an die Anleger Container, mietete diese aber sogleich wieder zurück, um sie an Reedereien weiterzuvermieten. Aus diesem Vermietungsgeschäft flossen kontinuierlich Erträge an die Anleger. P&R nahm die Container nach einigen Jahren zum Restwert wieder zurück. Der Zahlungsstrom war ähnlich wie bei einer Anleihe, aber mit deutlich höherer Rendite. 

Das Modell funktionierte bis zur Finanzkrise 2007. Dann brach die internationale Container-Schifffahrt infolge der weltweiten Rezession dramatisch ein. Obwohl das Geschäft wesentlich schlechter lief, zahlte P&R weiter die versprochenen Erträge und warb um Anleger. Allerdings wurden die Ertragsausschüttungen immer weniger aus der Container-Vermietung finanziert, sondern durch nachströmendes Geld neuer Anleger. Durch diese "Umwidmung" war es natürlich nicht möglich, wie zugesagten Container zu erwerben. Das führte zu einem Fehlbestand, der sich im Lauf der Jahre immer mehr aufsummierte - bis zur Millionen-Zahl zum Insolvenz-Zeitpunkt.  

Von den vermeintlich 1,6 Millionen Behältern, die P&R vermarktet hat, existieren wohl real nur etwas mehr als 600.000 Stück." 

Schneeballsystem und gezielte Insolvenzverschleppung

Das Gebaren erinnert an ein klassisches Schneeball-System, das betrügerisch ist und den Keim des Untergangs zwangsläufig in sich trägt. Firmengründer Heinz Roth muss sich denn auch immer kritischere Fragen zu seiner Rolle gefallen lassen. Es liegt mindestens der Verdacht der Insolvenzverschleppung nahe. 

Denn nach Erkenntnissen der Insolvenzverwalter war P&R bereits Ende der 2000er Jahre nicht mehr überlebensfähig. Heinz Roth reagiert auf seine Weise - zeigte er sich anfangs kooperativ, geht er jetzt zunehmend auf Konfrontationskurs. Die P&R-Aufarbeitung ist noch längst nicht zu Ende.

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