Aktuelle Verbraucherumfrage ESG zwischen Anspruch und Vertrauen
Kunden erwarten mehr Klarheit bei nachhaltigen Finanzprodukten.
Nachhaltige Finanzprodukte haben sich vom Nischenthema zu einem festen Bestandteil des Marktes entwickelt. Gleichzeitig wächst die Skepsis vieler Kundinnen und Kunden gegenüber unklaren Nachhaltigkeitsaussagen. Eine aktuelle Verbraucherumfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zeigt: Rund zwei Drittel der Befragten interessieren sich für nachhaltige Finanzangebote. Dieses Interesse ist jedoch klar an Bedingungen geknüpft.
Im Zentrum steht nicht die bloße Existenz nachhaltiger Produkte, sondern deren Verständlichkeit und Glaubwürdigkeit. ESG wird zunehmend als Produkteigenschaft betrachtet, die erklärt und belegt werden muss. Marketing allein reicht nicht mehr aus, um Vertrauen zu schaffen.
Was Kundinnen und Kunden konkret erwarten
Die BaFin-Umfrage macht deutlich, dass Nachfrage und Anspruch Hand in Hand gehen. Nachhaltigkeit wird nicht mehr pauschal akzeptiert, sondern kritisch hinterfragt:
- Transparenz: Kunden wollen nachvollziehen können, nach welchen Kriterien investiert wird.
- Vergleichbarkeit: Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Produkten sollen klar erkennbar sein.
- Verlässlichkeit: Nachhaltigkeitsaussagen müssen mit der tatsächlichen Anlagestrategie übereinstimmen.
ESG wird damit weniger als Zusatznutzen wahrgenommen, sondern als Vertrauensversprechen. Unklare Begriffe oder widersprüchliche Informationen wirken zunehmend abschreckend.
Zwischen Marketing und Substanz
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Für Finanzinstitute entsteht ein Spannungsfeld.
Einerseits steigt der Wettbewerbsdruck, nachhaltige Produkte anzubieten und sichtbar zu platzieren.
Andererseits erhöht sich das Risiko, mit zu vagen Aussagen Erwartungen zu enttäuschen.
Greenwashing wird nicht mehr nur als ethisches Problem gesehen, sondern als Vertrauens- und Reputationsrisiko.
Nachhaltige Finanzprodukte müssen daher intern sauber verankert sein.
ESG-Kriterien, Investmentprozesse und Produktkommunikation dürfen nicht auseinanderfallen.
Kunden erwarten keine Perfektion, aber Konsistenz.
Wer Nachhaltigkeit bewirbt, muss erklären können, wie sie umgesetzt wird und wo ihre Grenzen liegen.
Diese Entwicklung verschiebt den Fokus.
ESG wird weniger als Kommunikationsfrage verstanden und stärker als Frage der Produktarchitektur.
Regulatorische Erwartungen verstärken den Druck
Die wachsenden Kundenerwartungen fallen mit einer zunehmenden regulatorischen Aufmerksamkeit zusammen. Aufsichtsbehörden beobachten nicht nur die Produktstruktur, sondern auch die Art der Kundenansprache. Unpräzise oder irreführende ESG-Aussagen können als Marktverzerrung gewertet werden.
Für Institute bedeutet das eine doppelte Herausforderung:
- Nach außen: verständliche, klare und konsistente Kommunikation.
- Nach innen: belastbare Prozesse, Daten und Dokumentation.
Regulierung und Markt ziehen damit in dieselbe Richtung. Nachhaltigkeit soll nicht nur behauptet, sondern überprüfbar gemacht werden. Vertrauen entsteht dort, wo Transparenz und Kontrolle zusammenwirken.
Einordnung für Banken und Versicherer
Einheitsbegriffe verlieren an Wirkung. Produkte müssen klar positioniert werden, mit verständlichen Kriterien und realistischen Aussagen. Nachhaltigkeit wird damit zum Qualitätsmerkmal, nicht zum Imagefaktor."
Die BaFin-Zahlen zeigen, dass nachhaltige Finanzprodukte strategisch an Bedeutung gewinnen. Interesse allein reicht jedoch nicht aus, um langfristige Kundenbindung zu schaffen. Entscheidend ist die Fähigkeit, ESG nachvollziehbar zu erklären und einzuordnen.
Für Banken und Versicherer bedeutet das, ihre ESG-Angebote stärker zu differenzieren. Einheitsbegriffe verlieren an Wirkung. Produkte müssen klar positioniert werden, mit verständlichen Kriterien und realistischen Aussagen. Nachhaltigkeit wird damit zum Qualitätsmerkmal, nicht zum Imagefaktor.
Fazit
Nachhaltige Finanzprodukte stoßen auf großes Kundeninteresse, aber nur unter klaren Voraussetzungen. Transparenz, Vergleichbarkeit und Konsistenz werden zu zentralen Erfolgsfaktoren. Die BaFin-Umfrage zeigt, dass ESG zunehmend über Vertrauen entscheidet. Für Finanzinstitute wird Glaubwürdigkeit damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
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