Der Gender Pay Gap in Deutschland stagniert

Stabiler Wert trotz struktureller Veränderungen Gender Pay Gap in Deutschland stagniert

Der Gender Pay Gap von 16 Prozent bestätigt eine hartnäckige strukturelle Realität.

Der Gender Pay Gap in Deutschland stagniert. Trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren liegt die bereinigte Lücke bei 16 Prozent – und verharrt damit auf einem Niveau, das die strukturellen Herausforderungen klar sichtbar macht. Der Wert ist mehr als eine statistische Kennzahl; er beschreibt langfristige Muster im Arbeitsmarkt, die sich nur langsam verändern.


Strukturelle Ursachen hinter der Lohnlücke

Die Ursachen sind bekannt, aber nicht schnell zu beheben.

Frauen arbeiten häufiger in Branchen und Berufen, in denen Löhne traditionell niedriger sind.

Führungspositionen sind weiterhin ungleich verteilt, und Erwerbsbiografien unterscheiden sich stärker durch Teilzeit, Auszeiten und Care-Arbeit.

Drei Faktoren prägen das Muster:

  • Branchenstruktur: Gesundheits-, Bildungs- und Sozialberufe zahlen geringer als technische oder industrielle Tätigkeiten.
  • Karriereverläufe: Unterbrechungen und Teilzeit wirken sich deutlich auf Lohnentwicklung und Beförderungswege aus.
  • Hierarchieebenen: Je höher die Managementebene, desto größer die Unterschiede in Gehalt und Bonus.

Der Gender Pay Gap ist damit Ausdruck struktureller Arbeitsmarktmechaniken, nicht individueller Entscheidungen.


Warum der Wert stagniert

Der Rückgang von 18 auf 16 Prozent innerhalb eines Jahres zeigte Potenzial. Dass der Wert nun konstant bleibt, deutet auf Grenzen kurzfristiger Verbesserungen hin. Arbeitsmarktfakten spielen dabei eine Rolle: Der Personalmangel führt zwar zu mehr Nachfrage in vielen Branchen, verändert aber nicht automatisch die Lohnrelationen zwischen Sektoren. Zudem wirken gesetzliche Maßnahmen – wie Entgelttransparenz – nur langsam.

Die Stagnation zeigt zwei Dinge:
Reformen wirken, aber schrittweise. Und strukturelle Unterschiede bleiben langfristig stabil, wenn sie nicht gezielt adressiert werden.


Wo Veränderungen sichtbar werden – und wo nicht

Der Gender Pay Gap von 16 Prozent bestätigt eine hartnäckige strukturelle Realität."

Eine genauere Betrachtung zeigt, dass Fortschritte ungleich verteilt sind. In einigen Branchen verkleinert sich die Lücke, vor allem in Bereichen mit stärker formalisierten Vergütungssystemen. In anderen Bereichen – etwa im Dienstleistungssektor oder im Vertrieb – bleibt sie stabil oder steigt sogar leicht.

Erkennbar ist:

  • Gehälter in tarifgebundenen Branchen entwickeln sich gleichmäßiger.
  • Flexible Arbeitsmodelle helfen beim Wiedereinstieg, aber nicht automatisch beim Lohnniveau.
  • Bonus- und Variablenvergütung bleibt ein Feld großer Unterschiede.

Vor allem im oberen Einkommenssegment ist die Diskrepanz besonders groß – ein Bereich, in dem informelle Strukturen und Verhandlungsmacht eine große Rolle spielen.


Fazit

Der Gender Pay Gap von 16 Prozent bestätigt eine hartnäckige strukturelle Realität. Fortschritte sind möglich, aber sie erfordern langfristige Maßnahmen: transparente Lohnsysteme, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Frauen in Führungspositionen und eine gerechtere Bewertung gesellschaftlich relevanter Berufe. Die Stagnation ist damit weniger Stillstand als Hinweis auf den notwendigen Umbau des Arbeitsmarktes – ein Umbau, der erst am Anfang steht.

Kontakt zu mir

Hallo!
Schön, dass Sie mich kennenlernen möchten.