Finanzlexikon Handelbarkeit von Investmentfonds
Liquidität ist nicht gleich Kurs.
Investmentfonds gelten als gut handelbar. Anteile können in der Regel börsentäglich gekauft und verkauft werden. Diese Aussage ist grundsätzlich richtig, greift aber zu kurz. Handelbarkeit beschreibt nicht nur die Möglichkeit der Rückgabe, sondern auch den Mechanismus der Preisermittlung. Genau hier entstehen im Alltag häufig Missverständnisse.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Liquidität und Kurs. Während Liquidität die grundsätzliche Verfügbarkeit beschreibt, entscheidet die Kursfeststellung darüber, zu welchem Preis tatsächlich gehandelt wird. Beides folgt bei Investmentfonds festen Regeln.
Klassische Investmentfonds: Rückgabe zum Nettoinventarwert
Bei klassischen Investmentfonds erfolgt der Handel nicht fortlaufend, sondern über die Fondsgesellschaft. Anleger geben ihre Anteile zurück, die Abrechnung erfolgt zum sogenannten Nettoinventarwert, dem NAV.
Typische Merkmale:
- Kursfeststellung meist einmal täglich
- Berechnung nach Börsenschluss der relevanten Märkte
- Rückgabe zum nächsten festgestellten Kurs
- kein Intraday-Handel
Der entscheidende Punkt ist der Zeitpunkt. Wer morgens einen Verkaufsauftrag erteilt, kennt den Abrechnungskurs noch nicht. Dieser ergibt sich erst später, wenn alle im Fonds enthaltenen Vermögenswerte bewertet wurden. Der Preis ist damit sachlich korrekt, aber nicht sofort sichtbar.
ETFs im Vergleich: Handel und Bewertung getrennt
Investmentfonds sind handelbar, aber nicht immer sofort preislich greifbar. Die Kursfeststellung folgt klaren Regeln und sorgt für faire Bewertungen, erfordert jedoch zeitliche Akzeptanz. Liquidität bedeutet bei Fonds Verfügbarkeit nach System, nicht nach Augenblick."
ETFs folgen einem anderen Prinzip. Sie sind börsengehandelt und können während der Handelszeiten fortlaufend gekauft und verkauft werden. Der Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage.
Wichtige Unterschiede:
- Börsenhandel mit Geld- und Briefkursen
- NAV dient als Referenz, nicht als Abrechnungspreis
- Spreads schwanken je nach Marktphase
- hohe Liquidität bei breiten Standardindizes
ETFs sind damit jederzeit handelbar, allerdings zu Preisen, die leicht vom inneren Wert abweichen können. Bei liquiden Märkten ist diese Abweichung gering, in Stressphasen kann sie zunehmen.
Kursfeststellung im Detail: Wie der Wert entsteht
Die tägliche Kursfeststellung klassischer Fonds folgt klaren Regeln. Bewertet werden alle Vermögenswerte im Fonds zum jeweils gültigen Marktpreis.
Typische Einflussfaktoren:
- Schlusskurse der enthaltenen Wertpapiere
- Wechselkurse bei Fremdwährungen
- Bewertung nicht börsennotierter Vermögenswerte
- Abzug laufender Kosten
Der so ermittelte NAV bildet den fairen Wert des Fondsvermögens ab. Er ist kein Schätzwert, sondern das Ergebnis eines standardisierten Prozesses. Gerade bei internationalen Fonds kann es jedoch zu zeitlichen Verschiebungen kommen, wenn Märkte zu unterschiedlichen Zeiten schließen.
Eingeschränkte Liquidität: Sonderfälle mit Regeln
Nicht alle Fonds sind jederzeit frei verfügbar. Besonders bei offenen Immobilienfonds gelten besondere Regelungen.
Wesentliche Punkte:
- Mindesthaltefrist von 24 Monaten
- Kündigungsfrist von 12 Monaten
- Rückgaben nur innerhalb festgelegter Volumina
Diese Einschränkungen sind bewusst eingeführt worden, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Sie erhöhen die Stabilität der Fonds, reduzieren aber die kurzfristige Verfügbarkeit.
Praxisrelevanz im Alltag
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Handelbarkeit wird häufig mit Flexibilität gleichgesetzt.
In der Praxis ist jedoch entscheidend, ob Liquidität geplant oder spontan benötigt wird.
Klassische Investmentfonds sind gut planbar, aber nicht intraday verfügbar.
ETFs bieten Flexibilität, reagieren dafür unmittelbarer auf Marktbewegungen.
Die Wahl hängt weniger vom Produkt als vom Einsatzzweck ab.
Wer langfristig investiert, spürt Unterschiede kaum.
Wer kurzfristig handeln möchte, sollte die Mechanik genau kennen.
Fazit
Investmentfonds sind handelbar, aber nicht immer sofort preislich greifbar. Die Kursfeststellung folgt klaren Regeln und sorgt für faire Bewertungen, erfordert jedoch zeitliche Akzeptanz. Liquidität bedeutet bei Fonds Verfügbarkeit nach System, nicht nach Augenblick.
Wer diese Mechanik versteht, vermeidet falsche Erwartungen. Handelbarkeit ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Eigenschaft mit klar definierten Grenzen. Richtig eingeordnet, fügt sie sich logisch in die Struktur langfristiger Geldanlagen ein.
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