Finanzlexikon Infrastrukturfonds – Langfristige Sachwerte
Straßen, Netze und Versorgungsanlagen als Renditequelle mit struktureller Kapitalbindung.
Geschlossene Infrastrukturfonds investieren in reale Basisstrukturen einer Volkswirtschaft. Dazu zählen Strom- und Gasnetze, Mautstraßen, Bahnprojekte, Glasfasernetze, Rechenzentren oder soziale Infrastruktur wie Krankenhäuser. Anleger beteiligen sich unternehmerisch an einzelnen Projekten oder Projektportfolios. Die Attraktivität liegt in stabilen, oft langfristig vertraglich gesicherten Einnahmen. Gleichzeitig sind diese Investitionen eng mit politischen Rahmenbedingungen verbunden.
Typische Struktur und Rahmendaten
Geschlossene Infrastrukturfonds verbinden planbare Erlösstrukturen mit langfristiger Kapitalbindung. Sie bieten höhere Zielrenditen als viele offene Immobilienfonds, jedoch bei regulatorischer Abhängigkeit und eingeschränkter Liquidität."
Infrastrukturfonds ähneln strukturell anderen geschlossenen Fonds, weisen jedoch meist größere Projektvolumina auf.
Praxisüblich sind:
- Mindestbeteiligungen häufig ab 20.000 Euro
- Laufzeiten zwischen 12 und 18 Jahren
- prognostizierte Ausschüttungen von 5 bis 8 Prozent pro Jahr
- Gesamtrenditen in ähnlicher Größenordnung
Ein Beispiel: Ein Fonds finanziert ein regionales Stromnetz mit langfristig regulierten Netzentgelten. Die Einnahmen sind über Jahre kalkulierbar. Am Ende der Laufzeit erfolgt der Verkauf an institutionelle Investoren oder Versorger.
Die tatsächliche Rendite hängt von Auslastung, Regulierung und Refinanzierungskosten ab.
Stabilität durch vertragliche Strukturen
Infrastrukturprojekte zeichnen sich durch langfristige Verträge oder regulierte Erlösmodelle aus. Das reduziert operative Schwankungen. Viele Projekte verfügen über:
- feste Konzessionsverträge
- indexierte Gebührenmodelle
- staatlich regulierte Entgelte
- hohe Eintrittsbarrieren für Wettbewerber
Diese Eigenschaften sorgen für relativ stetige Zahlungsströme. Die Rendite basiert weniger auf Marktzyklen als auf Nutzungsgebühren.
Vergleich mit offenen Infrastruktur-ETFs
Offene Infrastruktur-ETFs investieren meist in börsennotierte Unternehmen wie Versorger, Mautstraßenbetreiber oder Telekommunikationsfirmen. Diese Aktien unterliegen täglichen Kursschwankungen und reagieren stark auf Zinsänderungen.
Langfristige Aktienrenditen im Infrastrukturbereich liegen häufig im Bereich von 6 bis 9 Prozent pro Jahr, allerdings mit spürbarer Volatilität. Geschlossene Infrastrukturfonds zielen dagegen auf 5 bis 8 Prozent bei geringerer sichtbarer Schwankung, jedoch mit langer Kapitalbindung.
Der Unterschied liegt in der Struktur:
- Börsennotierte Infrastruktur ist liquide, aber marktgetrieben.
- Geschlossene Fonds sind illiquide, aber projektorientiert.
- ETFs reagieren unmittelbar auf Zinsänderungen.
- Projektfonds spüren Zinsen primär über Finanzierungskosten.
Die höhere Stabilität im Projektverlauf wird durch eingeschränkte Liquidität erkauft.
Politischer Einfluss als zentrales Risiko
Infrastruktur ist systemrelevant. Entsprechend stark ist die politische Einflussnahme. Änderungen von Netzentgelten, Umweltauflagen oder Konzessionsbedingungen können die Wirtschaftlichkeit verändern.
Typische Risikofaktoren sind:
- regulatorische Eingriffe
- politische Tarifdeckelungen
- Verlängerung oder Nichtverlängerung von Konzessionen
- steigende Bau- oder Instandhaltungskosten
Politische Stabilität und verlässliche Regulierung sind daher zentrale Erfolgsfaktoren.
Kosten und Kapitalbindung
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Wie bei anderen geschlossenen Fonds fallen initiale Struktur- und Vertriebskosten an.
Ein Agio von rund 5 Prozent ist nicht ungewöhnlich.
Zusätzlich entstehen Projektstrukturierungskosten.
Die Laufzeiten sind meist zweistellige Jahreszahlen.
Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur über einen Zweitmarkt möglich, häufig mit Abschlägen von 10 bis 30 Prozent.
Liquidität ist daher stark eingeschränkt.
Renditeprofil und Einordnung
Infrastrukturfonds bieten ein Renditeprofil zwischen Immobilien- und Private-Equity-Fonds. Sie sind weniger konjunkturabhängig als Unternehmensbeteiligungen, aber sensibler gegenüber Regulierung.
Realistische Zielrenditen bewegen sich im Bereich von 5 bis 8 Prozent pro Jahr. Diese spiegeln die Kombination aus planbaren Cashflows und politischem Risiko wider.
Rolle im Gesamtportfolio
Als Beimischung können Infrastrukturfonds Stabilität bringen, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen verlässlich bleiben. Gleichzeitig erhöhen sie die Illiquidität und binden Kapital langfristig.
Eine Integration ist sinnvoll, wenn:
- ausreichende liquide Reserven vorhanden sind
- politische Risiken bewusst akzeptiert werden
- das Gesamtportfolio breit diversifiziert ist
Fazit
Geschlossene Infrastrukturfonds verbinden planbare Erlösstrukturen mit langfristiger Kapitalbindung. Sie bieten höhere Zielrenditen als viele offene Immobilienfonds, jedoch bei regulatorischer Abhängigkeit und eingeschränkter Liquidität. Die Stabilität der Cashflows steht politischer Einflussnahme gegenüber. Wer diese Struktur versteht und langfristig plant, kann Infrastruktur als ergänzenden Baustein im Portfolio nutzen.
Erst der Mensch, dann das Geschäft


