Effektivkosten umfassen sämtliche laufenden Gebühren eines Produkts, einschließlich Verwaltung, Vertrieb und weiterer Nebenkosten

Axel Kleinlein kritisiert Kostendeckel Junge Anleger benachteiligt

Altersvorsorge: Hohe Effektivkosten und ihre langfristigen Folgen.

Der Gesetzentwurf zur Reform der geförderten Altersvorsorge sieht vor, die sogenannten Effektivkosten eines staatlich geförderten Standarddepots auf 1,5 Prozent pro Jahr zu begrenzen. Auf den ersten Blick wirkt ein solcher Kostendeckel verbraucherfreundlich. Nach Einschätzung von Axel Kleinlein ist die Grenze jedoch deutlich zu hoch angesetzt – insbesondere für junge Sparer mit langen Laufzeiten.

Effektivkosten umfassen sämtliche laufenden Gebühren eines Produkts, einschließlich Verwaltung, Vertrieb und weiterer Nebenkosten. Sie wirken jedes Jahr auf das angesparte Kapital. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Höhe in einem einzelnen Jahr, sondern die kumulative Wirkung über Jahrzehnte.


Kosten als struktureller Renditefaktor

In der Altersvorsorge entscheidet die Differenz zwischen Brutto- und Nettorendite über das Endkapital. Wird eine durchschnittliche Marktrendite von 5 Prozent unterstellt, reduziert ein jährlicher Kostenabzug von 1,5 Prozent die effektive Rendite erheblich. Übrig blieben rechnerisch rund 3,5 Prozent vor Steuern.

Bei einer monatlichen Sparleistung von 100 Euro über 47 Jahre entsteht durch den Zinseszinseffekt eine deutliche Spreizung zwischen kostenarmen und kostenintensiven Lösungen. Kleinlein rechnet vor, dass einem 20-jährigen Sparer bei 1,5 Prozent Effektivkosten rund 78.500 Euro entgehen könnten – verglichen mit einer deutlich günstigeren Struktur.

Die wirtschaftliche Grundlage verschiebt sich damit spürbar. Während ein Kostendeckel als Schutzmaßnahme konzipiert ist, definiert er zugleich eine akzeptierte Obergrenze. Anbieter erhalten damit ein Signal, dass Gebühren bis zu diesem Niveau politisch legitimiert sind.


Junge Sparer besonders betroffen

Je länger die Laufzeit, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt. Für junge Anleger ist deshalb jeder Prozentpunkt Kosten überproportional relevant. Eine scheinbar moderate Differenz entfaltet über mehrere Jahrzehnte erhebliche Wirkung.

Langfristige Effekte hoher Kosten sind:

  • geringerer Kapitalstock im Ruhestand
  • niedrigere Flexibilität bei Entnahmephasen
  • geringere Spielräume für Renditeschwankungen
  • stärkere Abhängigkeit von zusätzlichen Sparleistungen

Gerade bei standardisierten Fördermodellen mit breiter Zielgruppe ist die Kostenstruktur ein zentrales Qualitätsmerkmal.


Politische Signalwirkung des Kostendeckels

Entscheidend ist nicht nur die Existenz eines Deckels, sondern dessen Höhe im Verhältnis zu realistisch erreichbaren Kostenstrukturen. In der Altersvorsorge wirken Gebühren dauerhaft und kumulativ. Gerade junge Anleger tragen deshalb die größten relativen Nachteile, wenn die regulatorische Obergrenze zu hoch angesetzt wird."

Ein Kostendeckel erfüllt zwei Funktionen. Er begrenzt exzessive Gebühren, setzt aber gleichzeitig eine normative Obergrenze. Liegt diese Grenze hoch, verschiebt sich die Marktlogik. Anbieter können sich am Maximalwert orientieren, ohne im Wettbewerb signifikant unterboten zu werden.

Kritiker argumentieren, dass moderne, indexnahe Anlagestrukturen deutlich unterhalb von 1 Prozent Gesamtkosten möglich sind. Ein Deckel von 1,5 Prozent liege daher nicht im Bereich minimaler Effizienz, sondern nahe dem oberen Ende dessen, was technisch erforderlich wäre.

Hinzu kommt, dass Fördermodelle häufig als Standardlösung wahrgenommen werden. Wer sich nicht aktiv informiert, nutzt das voreingestellte Produkt. Die Kosten wirken dann automatisch und dauerhaft.


Renditeannahmen und Realitätscheck

Die angenommene Marktrendite von 5 Prozent ist eine Modellgröße. Tatsächliche Renditen können höher oder niedriger ausfallen. Entscheidend ist jedoch die relative Wirkung der Kosten. Unabhängig vom Marktergebnis reduzieren Gebühren den Ertrag systematisch.

In Niedrigrenditephasen steigt der relative Kostenanteil zusätzlich. Erzielt ein Portfolio nur 3 Prozent, entsprechen 1,5 Prozent Kosten der Hälfte der Bruttorendite. In solchen Szenarien wird der Kosteneffekt noch deutlicher.

Die Diskussion um den Kostendeckel ist daher weniger eine Detailfrage der Regulierung als eine Grundsatzfrage zur Struktur staatlich geförderter Altersvorsorge.


Fazit

Der geplante Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr erscheint auf den ersten Blick verbraucherfreundlich. Über lange Laufzeiten entfalten solche Kosten jedoch erhebliche Wirkung. Nach Berechnungen von Axel Kleinlein können junge Sparer durch diese Gebührenstruktur einen beträchtlichen Teil ihres potenziellen Endkapitals verlieren.

Entscheidend ist nicht nur die Existenz eines Deckels, sondern dessen Höhe im Verhältnis zu realistisch erreichbaren Kostenstrukturen. In der Altersvorsorge wirken Gebühren dauerhaft und kumulativ. Gerade junge Anleger tragen deshalb die größten relativen Nachteile, wenn die regulatorische Obergrenze zu hoch angesetzt wird.

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