Euroclear-Chefin Valerie Urbain Kapitalflucht Richtung Europa
Warum Anleger den USA den Rücken kehren.
Globale Kapitalströme gelten lange als träge. Umso bemerkenswerter ist die Entwicklung, die sich seit 2025 zunehmend abzeichnet: Internationale Investoren reduzieren ihre Engagements in den USA und richten ihren Blick verstärkt auf Europa. Auslöser sind nicht einzelne Marktereignisse, sondern eine Kombination aus politischer Unsicherheit, handelspolitischen Risiken und strukturellen Bewertungsfragen. Europa rückt damit wieder stärker als eigenständiger Anlage- und Stabilitätsraum in den Fokus.
Einen klaren Hinweis auf diesen Trend liefert die Marktinfrastruktur. Nach Einschätzung von Euroclear verändern sich die Kapitalbewegungen spürbar – und zwar nicht nur bei kurzfristigen Anlagen, sondern auch bei strategischen Allokationen.
Politische Unsicherheit als Katalysator
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Ein zentraler Treiber der Umschichtungen ist die politische Lage in den USA.
Die erneute Präsidentschaft von Donald Trump geht mit einer unberechenbaren Zoll- und Wirtschaftspolitik einher.
Handelskonflikte, die Infragestellung internationaler Abkommen und Eingriffe in institutionelle Strukturen haben das Vertrauen vieler Investoren belastet.
Diese Unsicherheit wirkt sich nicht nur auf Aktienmärkte aus.
Auch Anleihen, Währungen und langfristige Investitionsentscheidungen werden davon beeinflusst.
Politische Risiken lassen sich kaum diversifizieren – sie betreffen ganze Märkte.
Entsprechend wächst die Bereitschaft, Klumpenrisiken zu reduzieren.
Beobachtungen aus der Marktinfrastruktur
Valerie Urbain, Chefin von Euroclear, beschreibt eine klare Entwicklung. Investoren aus unterschiedlichen Regionen – darunter China, der Nahe Osten und der asiatisch-pazifische Raum – verlagern Teile ihrer Anlagen weg von den USA. Diese Aussage bezieht sich nicht auf kurzfristige Umschichtungen, sondern auf strukturelle Veränderungen in der Portfolioausrichtung.
Die Aussagen erfolgten gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg und unterstreichen, dass der Trend breit getragen ist. Euroclear verwahrt und verwaltet Vermögenswerte für institutionelle Anleger weltweit. Veränderungen auf dieser Ebene gelten als belastbarer Indikator für langfristige Kapitalbewegungen.
Europa als Ziel der Diversifikation
Die zunehmende Umschichtung von Kapital aus den USA nach Europa ist Ausdruck einer veränderten Risikowahrnehmung. Politische Unsicherheiten, handelspolitische Spannungen und Bewertungsfragen führen dazu, dass Anleger ihre Portfolios breiter aufstellen."
Europa profitiert derzeit von mehreren Faktoren. Zum einen gilt der Kontinent im Vergleich zu den USA als politisch berechenbarer. Zum anderen erscheinen viele europäische Anlageklassen moderater bewertet. Diese Kombination macht Europa aus Sicht vieler Investoren wieder attraktiver.
Besonders gefragt sind:
- europäische Staatsanleihen stabiler Länder
- Unternehmensanleihen mit solider Bonität
- Aktien großer, international aufgestellter Konzerne
- Infrastruktur- und Realwertinvestitionen
Diese Anlagen erfüllen unterschiedliche Funktionen im Portfolio, bieten aber gemeinsam eine geringere Abhängigkeit von US-spezifischen Risiken.
Inflation, Zinsen und Bewertungsfragen
Ein weiterer Aspekt betrifft die makroökonomische Lage. Inflationssorgen und hohe Haushaltsdefizite belasten die USA stärker als viele europäische Volkswirtschaften. Gleichzeitig sind US-Märkte in einzelnen Segmenten hoch bewertet, was das Rückschlagpotenzial erhöht.
Europa erscheint im Vergleich weniger anfällig für abrupte politische Eingriffe. Auch geldpolitisch wird eine größere Kontinuität erwartet. Diese Faktoren erhöhen die Attraktivität europäischer Vermögenswerte als Stabilitätsanker in globalen Portfolios.
Keine Abkehr, sondern Neugewichtung
Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine vollständige Abkehr von den USA. Vielmehr passen Investoren ihre Gewichtungen an. Die USA bleiben ein zentraler Kapitalmarkt, verlieren jedoch ihren Status als nahezu alternativloser Schwerpunkt.
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass Diversifikation wieder stärker geografisch gedacht wird. Europa wird nicht als Ersatz, sondern als notwendiges Gegengewicht wahrgenommen.
Fazit
Die zunehmende Umschichtung von Kapital aus den USA nach Europa ist Ausdruck einer veränderten Risikowahrnehmung. Politische Unsicherheiten, handelspolitische Spannungen und Bewertungsfragen führen dazu, dass Anleger ihre Portfolios breiter aufstellen. Aussagen aus der Marktinfrastruktur bestätigen, dass dieser Trend international und strukturell getragen ist. Europa profitiert dabei von relativer Stabilität, moderateren Bewertungen und wachsendem Vertrauen. Die globale Kapitalallokation wird damit weniger einseitig – und wieder stärker ausgewogen.
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