Wirtschaftsdenkerin: Elinor Ostrom (1933–2012) Selbstorganisation gemeinsamer Ressourcen
Wie Gemeinschaften nachhaltige Nutzung jenseits staatlicher Vorgaben gestalten.
Gemeinsame Ressourcen – Wasser, Weideland, Fischbestände, Bewässerungssysteme – gelten häufig als besonders anfällig für Übernutzung. Klassische Modelle unterstellen, dass ohne staatliche Kontrolle oder Privatisierung der „Tragödie der Allmende“ kaum zu entkommen ist. Elinor Ostrom stellte diese Sicht grundlegend infrage. Sie zeigte, dass Menschen komplexe Regeln entwickeln können, um gemeinsame Güter langfristig zu schützen. Ihre Forschung macht sichtbar, dass nachhaltiges Verhalten nicht nur durch Hierarchie oder Marktmechanismen entsteht, sondern durch kooperative Ordnung. Weitere Aphorismen und Konzepte sind hier.
Gemeinschaften als Architekten ihrer eigenen Regeln
Ostroms Kernidee lautet, dass Gruppen lokaler Nutzer in der Lage sind, robuste Governance-Strukturen zu entwickeln. Diese Strukturen entstehen nicht zufällig, sondern folgen Mustern, die Ostrom in vielen Fallstudien identifizierte.
Gemeingüter lassen sich durch kooperative Regeln langfristig stabilisieren."
Sie arbeitete heraus, dass erfolgreiche Systeme nicht auf ein einzelnes Element zurückgehen, sondern aus einem Zusammenspiel klarer Regeln, Überwachung, Sanktionen und gemeinsamer Entscheidungsverfahren bestehen.
Verdichtung der strukturellen Logik:
- Regeln müssen lokal entwickelt und anerkannt sein.
- Nutzer überwachen sich gegenseitig und schaffen Vertrauen.
- Sanktionen sind abgestuft und dienen der Stabilität, nicht der Strafe.
Damit wird Governance zu einem Prozess, der aus Beteiligung und gegenseitiger Verantwortung entsteht.
Die Forscherin einer neuen Ordnungsperspektive
Elinor Ostrom verband politische Ökonomie mit empirischer Feldforschung. Während traditionelle Theorien häufig von idealtypischen Modellen abstrahierten, arbeitete Ostrom konsequent vor Ort: in Bewässerungssystemen Nepals, Forstgemeinschaften in den USA oder Fischereiregionen in Indonesien. Sie untersuchte reale Entscheidungsabläufe und erkannte Muster, die über Regionen und Kulturen hinweg erstaunlich stabil waren.
Ihre Rolle bestand nicht darin, ein einziges Modell zu formulieren, sondern die Vielfalt funktionierender Ordnungen sichtbar zu machen. Ostroms Ansatz widersprach der Vorstellung, dass zentrale Instanzen zwingend überlegen seien. Stattdessen zeigte sie, dass Ressourcenmanagement eine Frage kollektiver Intelligenz ist. Ihre Forschung erhielt 2009 den Wirtschaftsnobelpreis – als erste Frau überhaupt –, weil sie ein Fundament für eine alternative Sicht auf Institutionen schuf.
Neue Relevanz im Umgang mit globalen Systemen
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Ostroms Ideen erhalten heute besondere Aufmerksamkeit. Viele zentrale Herausforderungen – Wasserknappheit, Klimawandel, nachhaltige Landwirtschaft, digitale Plattformökonomien – betreffen Ressourcen, die von vielen Akteuren gleichzeitig genutzt werden. Staatliche Regulierung bleibt wichtig, doch sie allein reicht oft nicht aus, um komplexe Systeme zu stabilisieren.
Ostroms Perspektive macht deutlich, dass dezentrale Lösungen ein entscheidender Bestandteil moderner Governance sind. Sie zeigt, wie lokale Akteure Strukturen entwickeln können, die sich flexibel anpassen und durch Beteiligung legitimiert sind. In digitalen Räumen – etwa bei Dateninfrastrukturen oder digitalen Gemeingütern – gewinnt dieser Gedanke weiter an Bedeutung: Selbstorganisation und gemeinsame Regeln können effizienter sein als zentrale Kontrolle.
Fazit
Ostrom zeigt, dass nachhaltige Ordnung dort entsteht, wo Menschen Verantwortung teilen und Regeln gemeinsam gestalten. Ihre Forschung erweitert das Verständnis von Governance über staatliche Strukturen hinaus.
Merksätze
- Gemeingüter lassen sich durch kooperative Regeln langfristig stabilisieren.
- Selbstorganisation kann staatliche Steuerung sinnvoll ergänzen.
- Erfolgreiche Governance entsteht aus Beteiligung, Verlässlichkeit und klaren Erwartungen.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt











