Wirtschaft im Zitat - Gedanken, Märkte, Haltungen

Aphorismen: Howard Marks (1946) Sicherheit als Illusion

Warum Risikovermeidung selbst zum Risiko wird.

In der Geldanlage gilt Sicherheit als hohes Gut. Viele Entscheidungen zielen darauf ab, Schwankungen zu vermeiden, Verluste auszuschließen und Stabilität zu bewahren. Diese Haltung erscheint vernünftig und verantwortungsvoll. Howard Marks stellt sie jedoch infrage. Er richtet den Blick auf eine paradoxe Dynamik: Das Streben nach Sicherheit kann selbst zur größten Gefahrenquelle werden. Nicht weil Sicherheit an sich falsch wäre, sondern weil sie häufig missverstanden wird.

Marks' Denken ist geprägt von Zyklen, Bewertungen und Wahrscheinlichkeiten. Er betrachtet Risiko nicht als etwas, das sich vollständig eliminieren lässt, sondern als etwas, das verstanden und bewusst getragen werden muss. Sicherheit entsteht in seiner Perspektive nicht durch Vermeidung, sondern durch Einordnung. Wer glaubt, Risiken vollständig umgehen zu können, übersieht oft jene Gefahren, die sich leise und langfristig aufbauen.

Der zentrale Gedanke

Howard Marks fasst diese Einsicht in dem Satz "Mehr Geld geht durch das Streben nach Sicherheit verloren als durch das Akzeptieren von Risiko." zusammen.

Mehr Geld geht durch das Streben nach Sicherheit verloren als durch das Akzeptieren von Risiko."

Der Aphorismus wirkt provokant, weil er eine verbreitete Annahme umkehrt. Sicherheit erscheint hier nicht als Schutz, sondern als potenzielle Quelle von Verlusten. Marks verweist darauf, dass sichere Anlagen häufig niedrige Erträge liefern, während reale Risiken wie Inflation, Kaufkraftverlust oder verpasste Chancen unterschätzt werden.

Der Satz ist kein Aufruf zur Spekulation. Marks plädiert nicht für Leichtsinn, sondern für Bewusstsein. Er unterscheidet zwischen sichtbaren Risiken, die gefürchtet werden, und unsichtbaren Risiken, die ignoriert werden. Sicherheit wird zur relativen Größe, nicht zum absoluten Zustand.

Die innere Logik des Aphorismus

Marks' Gedanke folgt einer risikotheoretischen Logik. Risiko ist nicht eindimensional, sondern vielschichtig. Wer einen Risikotyp vermeidet, erhöht oft einen anderen.

  • Niedrige Schwankung bedeutet nicht niedrigen Verlust.
  • Kaufkraftverlust wirkt schleichend, aber dauerhaft.
  • Verzicht auf Risiko erzeugt Opportunitätskosten.

Diese Struktur erklärt, warum vermeintlich sichere Strategien langfristig enttäuschen können. Kapital, das nominal stabil bleibt, kann real an Wert verlieren. Sicherheit wird damit zur kurzfristigen Beruhigung, nicht zur langfristigen Lösung. Marks lenkt den Blick auf diese zeitliche Dimension.

Bedeutung für heutige Geldanlage und Märkte

In der aktuellen Kapitalmarktsituation ist Marks' Gedanke besonders relevant. Phasen niedriger Zinsen haben gezeigt, dass klassische Sicherheitsanlagen reale Verluste erzeugen können. Inflation entwertet nominale Stabilität. Der Aphorismus hilft, diese Erfahrung einzuordnen. Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Abwägen verschiedener Risiken.

Für Anleger bedeutet dies eine Verschiebung der Perspektive. Die Frage lautet nicht, wie Risiko vermieden werden kann, sondern welches Risiko tragfähig ist. Volatilität ist sichtbar und emotional belastend. Kaufkraftverlust ist unsichtbar, aber strukturell gefährlicher. Marks' Satz erklärt, warum langfristige Strategien oft bewusst Schwankungen in Kauf nehmen.

Auch institutionell besitzt der Gedanke Gewicht. Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen stehen vor ähnlichen Zielkonflikten. Nominale Sicherheit kann reale Verpflichtungen untergraben. Marks' Perspektive zwingt dazu, Risiko umfassender zu definieren. Sicherheit wird nicht an Stabilität gemessen, sondern an Zielerreichung.

Darüber hinaus wirkt der Aphorismus als Korrektiv gegen einseitige Regulierung. Vorschriften, die Sicherheit ausschließlich über Volatilität definieren, greifen zu kurz. Sie können Kapital in vermeintlich sichere Anlagen lenken, die langfristig nicht tragfähig sind. Marks' Gedanke zeigt, dass Risiko nicht verschwindet, sondern sich verlagert.

Fazit

Howard Marks formuliert mit seinem Aphorismus eine zentrale Einsicht moderner Geldanlage. Sicherheit ist kein absoluter Schutz, sondern eine Abwägung konkurrierender Risiken. Wer Risiko vollständig vermeiden will, nimmt oft größere, weniger sichtbare Gefahren in Kauf. Der Satz verschiebt den Fokus von Angst zu Verständnis und erinnert daran, dass langfristige Stabilität aus bewusstem Risikomanagement entsteht - nicht aus dessen Verdrängung.

Merksätze:

  1. Risikovermeidung kann selbst zum Risiko werden.
  2. Unsichtbare Risiken wirken oft stärker als sichtbare.
  3. Sicherheit entsteht durch Verständnis, nicht durch Ausschluss von Schwankung.

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