Finanzlexikon Vergangenheitsrenditen bei Aktienanlagen
Was frühere Entwicklungen zeigen – und welche Schlüsse daraus nicht gezogen werden sollten.
Vergangenheitsrenditen spielen in der Aktienanlage eine zentrale Rolle. Sie helfen, Erwartungen zu kalibrieren und Risiken greifbar zu machen. Ohne konkrete Zahlen bleiben Aussagen jedoch theoretisch. Für Anleger mit wenig Erfahrung ist es entscheidend zu sehen, wie Aktien sich tatsächlich entwickelt haben – inklusive Schwankungen und Rückschläge. Im Folgenden geht es bewusst nicht um Einzelaktien oder Spezialmärkte, sondern um breite Aktienmärkte als Referenz für eine typische Aktienanlage.
Wie hoch waren Aktienrenditen tatsächlich?
Über lange Zeiträume erzielten breite Aktienmärkte durchschnittlich rund 7–8 % pro Jahr, allerdings mit erheblichen Schwankungen. Zwischenzeitliche Verluste, lange Durststrecken und ungleichmäßige Entwicklungen gehören dazu."
Betrachtet man große, breit gestreute Aktienmärkte (z. B. Industrieländer), zeigen sich über längere Zeiträume relativ stabile Größenordnungen – allerdings mit erheblichen Abweichungen unterwegs.
Typische jährliche Durchschnittsrenditen lagen historisch ungefähr bei:
- über 5 Jahre: stark schwankend, von deutlichen Verlusten bis zweistellige Gewinne möglich
- über 10 Jahre: häufig im Bereich von 6–9 % pro Jahr
- über 20 Jahre: meist 7–8 % pro Jahr, trotz Krisen
Diese Werte sind keine Garantie, sondern rückblickende Durchschnittswerte. Entscheidend ist: Kaum ein Zeitraum verlief gleichmäßig.
Warum der Weg wichtiger ist als der Durchschnitt
Ein durchschnittlicher Wert suggeriert Stabilität, die es so nicht gibt. Selbst in Zeiträumen mit langfristig guten Ergebnissen lagen die zwischenzeitlichen Verluste teils deutlich höher.
Typische Erfahrungen waren:
- einzelne Jahre mit –20 % oder mehr
- mehrjährige Phasen mit kaum oder keiner Wertsteigerung
- schnelle Erholungen, aber auch lange Geduldsphasen
Wer beispielsweise über 20 Jahre investiert war, erzielte oft eine solide Durchschnittsrendite. Wer jedoch nach 5 oder 7 Jahren verkaufen musste, konnte trotz langfristig guter Zahlen deutlich schlechter dastehen.
Der Einfluss des Einstiegszeitpunkts
box
Vergangenheitsrenditen zeigen auch, wie unterschiedlich Ergebnisse ausfallen können – je nach Startpunkt.
Beispiele aus der Praxis:
- Einstieg vor einer Krise: mehrere Jahre Verlust oder Stagnation möglich
- Einstieg nach starken Rückgängen: oft überdurchschnittliche Folgejahre
- Einstieg in „ruhigen Zeiten“: solide, aber unspektakuläre Entwicklung
Diese Unterschiede erklären, warum persönliche Renditen stark vom Durchschnitt abweichen können – selbst bei identischer Strategie.
Was Anleger aus den Zahlen lernen können
Konkrete Renditen helfen nicht beim Vorhersagen, aber beim Einordnen:
- Aktien haben langfristig reale Ertragschancen
- Schwankungen von 20–40 % gehören zum normalen Spektrum
- Zeit reduziert Risiko, eliminiert es aber nicht vollständig
Vergangenheitsrenditen zeigen vor allem eines: Geduld wurde häufig belohnt – Ungeduld fast nie.
Fazit
Vergangenheitsrenditen bei Aktienanlagen liefern wertvolle Orientierung, wenn sie konkret betrachtet werden. Über lange Zeiträume erzielten breite Aktienmärkte durchschnittlich rund 7–8 % pro Jahr, allerdings mit erheblichen Schwankungen. Zwischenzeitliche Verluste, lange Durststrecken und ungleichmäßige Entwicklungen gehören dazu. Aktien belohnen Zeit – aber nur jene, die Schwankungen aushalten können.
Erst der Mensch, dann das Geschäft



