Die EZB versorgt die Märkte mit sehr viel Liquidität

Draghi schafft Abhängigkeiten Wirtschaft muss auf Entzug

Der Name von EZB-Präsident Mario Draghi wird vermutlich einmal mit einer Ära des billigen Geldes verbunden sein, wie sie Europa noch selten erlebte. Ob damit ein positives oder ein negatives Urteil in den Geschichtsbüchern einhergeht, steht noch in den Sternen.

Doch momentan scheint die expansive Geldpolitik an ihre Grenzen gelangt zu sein. Der Erfolg will und will sich nicht einstellen, stattdessen verführt das billige Geld zu riskantem Verhalten und zeigt zunehmend seine Schattenseiten. Dabei ist Draghi keineswegs der einzige Notenbank-Chef, der die schwächelnde Wirtschaft mittels Geldmengenausweitung zu therapieren versucht. 

Nicht nur Mario Draghi 

Die USA haben dies lange vorgemacht, Japan übt sich seit Jahren erfolglos darin und Chinas Abwertungen sind das jüngste Beispiel, dass Geldverbilligung das Mittel der Wahl ist, um die Konjunktur anzukurbeln. Dabei ist unter Ökonomen höchst umstritten, ob dies ein taugliches Instrument darstellt. 

Die Überlegungen zur expansiven Geldpolitik sind einfach. Wenn das Geld billig ist und die Zinsen niedrig sind, fällt die Kreditaufnahme leichter. Gleichzeitig lohnt sich Sparen weniger. Beides soll Konsum wie Investitionen gleichermaßen anregen und zu mehr Wachstum führen. Dies mag in gewissem Rahmen und über eine begrenzte Zeit funktionieren, doch als Dauerzustand ist die Wirkung fraglich. Es ist wie bei einem Patienten, der ein Medikament lange Zeit über Gebühr einnimmt und schließlich davon abhängig wird - auch die Wirtschaft hat sich an billiges Geld gewöhnt und meint, nicht mehr ohne auszukommen. 

Ein zweifelhaftes Instrument 

Dabei hat schon John Maynard Keynes das Phänomen der sogenannten Liquiditätsfalle beschrieben - eine Situation, in der die Zentralbank die Zinsen nahe Null treibt und es trotzdem nicht zu mehr Investitionstätigkeit kommt, weil das auf den Markt geschwemmte Geld gehortet anstatt investiert wird. Unsere heutige Lage ähnelt dieser Konstellation sehr.

Der Name von EZB-Präsident Mario Draghi wird vermutlich einmal mit einer Ära des billigen Geldes verbunden sein."

Mag die Niedrigzinspolitik in der Finanzkrise das Bankensystems gerettet haben, als Konjunkturspritze ist der Draghi-Kurs offensichtlich weniger geeignet. Im Gegenteil - das billige Geld führt verstärkt zu ökonomischem Fehlverhalten. Bei niedrigen Zinsen werden Investitionen getätigt, die sich unter normalen Umständen niemals rechnen würden. Außerdem verleitet es zu riskanten Operationen. Geld fließt verstärkt in Anlageformen mit geringerer Sicherheit. Die Börsen erleben in Ermangelung lohnender Anlagealternativen einen Liquiditätszufluss, der die Kurse ohne Substanz in die Höhe treibt. Die Gefahr der Blasenbildung wächst - und die Abhängigkeit. 

Denn jedes Anziehen der geldpolitischen Zügel droht das künstliche Gebilde zum Einsturz zu bringen. Es ist die Angst davor, die Draghi und seine Kollegen so zögerlich sein lässt, von dem Pfad der lockeren Geldpolitik abzuweichen und neue Wege zu beschreiten.

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