Experten sehen Wirtschaftswunder in Vietnam
Vom verlängerten Werkbankmodell zum strategischen Produktionsstandort
Vietnam rückt zunehmend in den Fokus internationaler Investoren und Industrieunternehmen. Was lange als kostengünstiger Produktionsstandort galt, entwickelt sich sichtbar zu einem strategischen Knotenpunkt globaler Lieferketten. Multinationale Konzerne verlagern oder erweitern ihre Kapazitäten, um Abhängigkeiten zu reduzieren und ihre Produktion breiter aufzustellen. Diese Bewegung ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck einer strukturellen Neuordnung der Weltwirtschaft.
Unternehmen wie BYD, Samsung, Adidas und Lego haben Vietnam in den vergangenen Jahren fest in ihre Produktionsstrategien integriert. Der Standort profitiert dabei nicht nur von Kostenfaktoren, sondern zunehmend von Infrastruktur, Qualifikation und politischer Stabilität.
Ausländische Direktinvestitionen als Wachstumsmotor
box
Die Dynamik lässt sich klar an den Kapitalströmen ablesen.
Nach Angaben von Marktbeobachtern flossen im vergangenen Jahr rund 28 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen nach Vietnam – ein Plus von etwa neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Diese Zuflüsse spiegeln das Vertrauen internationaler Investoren in die langfristige wirtschaftliche Entwicklung des Landes wider.
Direktinvestitionen unterscheiden sich grundlegend von kurzfristigem Kapital.
Sie binden Unternehmen an den Standort, schaffen Arbeitsplätze und führen zu Know-how-Transfer.
Für Vietnam bedeutet das eine schrittweise Verschiebung von einfacher Fertigung hin zu komplexeren industriellen Prozessen.
Strukturwandel im Export
Besonders deutlich wird der Wandel in der Zusammensetzung der vietnamesischen Exporte. Während das gesamte Exportvolumen von rund 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf über 400 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 gestiegen ist, veränderte sich zugleich die Qualität der ausgeführten Güter.
Der Anteil von Elektronik und Maschinen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 14 Prozent auf 55 Prozent. Vietnam exportiert damit zunehmend höherwertige Industriegüter statt arbeitsintensiver Basiserzeugnisse. Dieser Strukturwandel gilt als entscheidende Voraussetzung für nachhaltiges Einkommens- und Produktivitätswachstum.
Vietnam im Fokus institutioneller Investoren
Vietnam befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Steigende Direktinvestitionen, ein klarer Strukturwandel im Export und die bevorstehende Integration in zentrale Kapitalmarktindizes verändern die Rolle des Landes spürbar."
Ein weiterer Impuls kommt aus dem Kapitalmarkt. Vietnam steht vor der Aufstufung vom Frontier Market zum Emerging Market. Der Indexanbieter FTSE Russell hat diesen Schritt für das laufende Jahr angekündigt. Marktbeobachter erwarten, dass auch MSCI in den kommenden Jahren nachzieht.
Eine solche Neubewertung hat konkrete Folgen. Viele institutionelle Investoren dürfen Emerging Markets stärker oder ausschließlich berücksichtigen. Passiv verwaltete Fonds orientieren sich strikt an Indexzugehörigkeiten. Eine Hochstufung kann daher erhebliche Mittelzuflüsse auslösen, unabhängig von kurzfristigen Markteinschätzungen.
Attraktivität vietnamesischer Aktien
Auch aus fundamentaler Sicht spricht einiges für den Markt. Im regionalen Vergleich weisen vietnamesische Unternehmen derzeit eines der höchsten Gewinnwachstumsprofile auf. Gleichzeitig liegt die Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis unter dem Durchschnitt vieler asiatischer Vergleichsländer.
Diese Kombination aus Wachstum und moderater Bewertung ist selten. Sie erklärt, warum Vietnam zunehmend nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als eigenständiger Kapitalmarkt wahrgenommen wird. Die steigende Bedeutung institutioneller Investoren könnte zudem zu mehr Liquidität und höherer Marktdisziplin beitragen.
Chancen und strukturelle Grenzen
Trotz der positiven Entwicklung bleiben Herausforderungen bestehen. Der Finanzmarkt ist noch vergleichsweise klein, die Markttransparenz begrenzt, und regulatorische Anpassungen benötigen Zeit. Auch geopolitische Abhängigkeiten und globale Konjunkturschwankungen wirken sich auf eine exportorientierte Volkswirtschaft unmittelbar aus.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass Vietnam in vielen Bereichen schneller aufholt als andere Länder der Region. Der gezielte Ausbau industrieller Wertschöpfung und die Einbindung in globale Produktionsnetzwerke stärken die wirtschaftliche Basis nachhaltig.
Fazit
Vietnam befindet sich in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Steigende Direktinvestitionen, ein klarer Strukturwandel im Export und die bevorstehende Integration in zentrale Kapitalmarktindizes verändern die Rolle des Landes spürbar. Vietnam entwickelt sich vom kostengünstigen Fertigungsstandort zu einem strategisch relevanten Produktions- und Investitionsstandort. Für globale Unternehmen und Investoren ist das weniger ein kurzfristiges Wachstumsnarrativ als eine langfristige Verschiebung wirtschaftlicher Gewichte.
Maßgeschneiderte Anlagelösungen mit zuverlässigem Risikomanagement. Dabei stets transparent, ehrlich & fair.








