Das Beste aus zwei Welten Aktive ETFs als Ergänzung
Die ETF-Welt ist längst nicht mehr auf reine Indexfonds beschränkt. Neben klassischen, passiv gemanagten Produkten, die etwa den DAX oder den MSCI World nachbilden, treten zunehmend aktive ETFs ins Rampenlicht. Diese neue Gattung börsengehandelter Fonds verspricht das Beste aus zwei Welten: die Flexibilität und Transparenz von ETFs, kombiniert mit der strategischen Steuerung aktiver Fondsmanager.
In der Theorie klingt das nach einer logischen Weiterentwicklung. In der Praxis aber zeigen sich schnell Zweifel an der Tragfähigkeit dieses Konzepts. Der Branchenexperte Wesselin Kruschev von Capco, einer global tätigen Unternehmensberatung für Finanzdienstleister, bringt es auf den Punkt: „In der Breite wird es nicht möglich sein, aktive Fonds durch aktive ETFs zu ersetzen.“
Aktive ETFs – ein kurzer Überblick über das Konzept
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Sie erfreuen sich insbesondere bei Privatanlegern großer Beliebtheit – und dominieren seit Jahren die Mittelzuflüsse in der Fondsbranche.
Aktive ETFs gehen nun einen Schritt weiter. Sie bilden keinen Index stur nach, sondern werden – wie klassische Investmentfonds – von einem Fondsmanager gesteuert, der auf Basis eigener Analysen Kauf- und Verkaufsentscheidungen trifft.
Gleichzeitig behalten sie die ETF-typischen Vorteile:
- Tägliche Handelbarkeit an der Börse.
- Transparente Preisbildung in Echtzeit.
- In der Regel niedrigere Kosten als bei herkömmlichen aktiven Fonds.
- Strukturierte Verwaltung über ETF-Plattformen.
Das Ziel: Anlegern eine flexible, kosteneffiziente Alternative zu aktiven Fonds zu bieten – ohne auf individuelle Steuerung zu verzichten.
Theoretische Vorteile – praktische Einschränkungen
Die Idee hinter aktiven ETFs ist schlüssig, aber ihre Umsetzung stößt an Grenzen. Kruschev und andere Branchenkenner nennen eine Reihe von strukturellen Hürden:
- Transparenz als strategisches Problem: Aktive Manager bauen oft über Wochen oder Monate diskret Positionen auf. Die tägliche Offenlegung von Beständen – wie sie bei vielen ETFs üblich ist – würde ihre Strategie für den Markt sichtbar machen. Das birgt die Gefahr von Front Running, also dem gezielten Ausnutzen dieser Informationen durch andere Marktteilnehmer.
- Liquiditätsanforderungen schränken Spielraum ein: ETFs müssen laufend handelbar sein. Das funktioniert nur mit ausreichend liquiden Titeln. Viele aktive Strategien setzen jedoch auf Nebenwerte, Sondersituationen oder marktferne Segmente – die sich nicht ohne Weiteres in einem ETF-Format abbilden lassen.
- Kostenvorteil oft geringer als erwartet: Zwar sind aktive ETFs günstiger als klassische aktive Fonds, doch sie sind in der Regel teurer als passive ETFs. Für kostenbewusste Anleger stellt sich die Frage: Warum mehr zahlen, wenn viele aktive Manager ihre Benchmarks ohnehin nicht schlagen?
- Eingeschränkte Flexibilität bei Derivaten und Spezialstrategien: Komplexere aktive Ansätze – etwa mit Derivaten, illiquiden Instrumenten oder Long/Short-Strategien – lassen sich regulatorisch oft nicht in ETF-Form gießen, da ETFs bestimmten Transparenz- und Diversifikationsregeln unterliegen.
Zielgruppen und Hoffnung der Anbieter
Wer heute in aktive ETFs investiert, sollte genau prüfen, welche Strategie verfolgt wird, welche Flexibilität tatsächlich gegeben ist und wie hoch die Gesamtkosten ausfallen. Für viele Anleger mag ein aktiver ETF eine interessante Ergänzung sein – doch für die Branche bleibt klar: Die Revolution bleibt aus, die Erweiterung beginnt."
Trotz dieser Einschränkungen sehen viele ETF-Anbieter ein strategisches Wachstumsfeld in den aktiven Produkten. Sie wollen damit gezielt Kundengruppen erreichen, die mit klassischen aktiven Fonds vertraut sind, aber gleichzeitig ETF-Vorteile nutzen möchten – etwa:
- Digitalaffine Privatanleger mit Fokus auf Flexibilität.
- Vermögensverwalter, die aktive Steuerung mit ETF-Strukturen verbinden wollen.
- Kostenbewusste institutionelle Kunden, die klassische Fonds meiden.
Auch der Vertrieb spielt eine Rolle: Während klassische Fonds oft über Banken oder Berater verkauft werden, setzen aktive ETFs auf Direktvertrieb über Börse und Plattformen – was neue Zugangskanäle eröffnet.
Warum die breite Substitution unwahrscheinlich bleibt
Trotz punktueller Erfolge und wachsendem Interesse dürfte die Zahl der aktiven ETFs auch langfristig deutlich hinter der der traditionellen Fonds bleiben. Wesselin Kruschev formuliert das nüchtern: „Die strategischen Einschränkungen und strukturellen Unterschiede zwischen aktivem Fonds und ETF sind einfach zu groß, um den klassischen Fonds flächendeckend zu verdrängen.“
Es sei realistisch, dass einzelne Strategien – etwa fokussierte Aktienselektionen oder konservative Mischmodelle – im ETF-Format erfolgreich sein können. Aber das breite Spektrum aktiver Fondsstrategien, insbesondere im Bereich der flexiblen Allokation, der Derivatenutzung oder illiquider Assets, werde sich nicht in ETF-Strukturen abbilden lassen.
Fazit: Aktive ETFs als Ergänzung – nicht als Ersatz
Die Entwicklung aktiver ETFs ist ein spannendes Kapitel in der Evolution der Fondsbranche. Sie bieten Anlegern neue Möglichkeiten, Strategien aktiv zu steuern und gleichzeitig ETF-Vorteile zu nutzen. Doch sie sind – zumindest auf absehbare Zeit – kein Ersatz für das breite Spektrum klassischer Fonds.

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