Wenn es um die Boni in den Chefetagen großer Konzerne geht, handelt es sich in der Regel um Millionensummen

Die Boniexzesse nerven zunehmend Angemessenes Gehalt?

Wenn es um die Boni in den Chefetagen großer Konzerne geht, handelt es sich in der Regel um Millionensummen, die noch zusätzlich auf ein schon nicht knapp bemessenes Grundgehalt kommen. Immer wieder sorgen hohe Bonuszahlungen für Diskussionen - insbesondere dann, wenn sie in krassem Widerspruch zu Performance und Leistung zu stehen scheinen. Spätestens dann stellt sich die Frage nach der Angemessenheit.

Dabei ist es gar nicht so leicht zu definieren, was angemessen ist und was nicht. Beim Gerechtigkeitsempfinden in puncto Geld und Einkommen spielen psychologische Grundregeln eine Rolle, die sich so zusammenfassen lassen: Gerechtigkeit ist relativ. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, das die Zufriedenheit mit dem Einkommen nicht unbedingt steigt, wenn alle ungefähr gleich viel mehr verdienen. Erst wenn man sich bei Gehaltssprüngen von anderen abhebt, bedeutet mehr Geld auch mehr Zufriedenheit. 

Autorenbox (bitte nicht verändern)

Geld kann süchtig machen 

Auch ein gleichbleibendes gutes Gehalt macht uns nicht zufrieden. Nur wenn im Zeitablauf Steigerungen stattfinden, sehen wir das als angemessen an. Hier vergleichen wir uns nicht mit anderen, sondern mit unserem eigenen Einkommen in der Vergangenheit. Weniger geht in diesem Zusammenhang gar nicht. Diese Denkweisen sind tief in uns angelegt und gelten sowohl für die Akteure an Konzernspitzen als auch für durchschnittliche Arbeitnehmer. Oder um es negativ auszudrücken: Neid und Gier sind zwei urmenschliche Triebfedern. Der Unterschied zwischen Konzernlenkern und normalen Angestellten liegt vor allem in den Möglichkeiten. 

Tatsächlich kann Geld süchtig machen. Die Aussicht auf einen Gewinn aktiviert unser Belohnungssystem im Gehirn und verschafft uns im Erfolgsfall Wohlbefinden - ein Gefühl, das schnell vergeht und das wir gerne wiederhaben wollen. Daher suchen wir erneut die Gewinnchance. Dies erklärt, warum manche Vorstände trotz üppiger Gehälter offenbar nicht genug bekommen können und sich wenig nachgiebig zeigen, wenn es um die Beschneidung von Bonuszahlungen geht

Dass Vorstandsgehälter und Boni zusammen mehr als das Hundertfache eines Angestelltengehaltes ausmachen, leuchtet nur wenigen ein."

Deckelungen können Selbstbereicherung bremsen 

Dass Vorstandsgehälter und Boni zusammen mehr als das Hundertfache eines Angestelltengehaltes ausmachen, leuchtet dabei nur wenigen ein. Denn bei aller Kompetenz, Expertise und Leistungsbereitschaft eines Vorstands - dass er mehr als das Hundertfache eines normalen Mitarbeiters leistet, dürfte menschliches Vermögen wohl übersteigen. Auch die häufige Begründung hoher Vorstandsgehälter mit der Marktlage - extrem knappes Angebot an guten Leuten - bietet nur eine teilweise Erklärung. Tatsächlich dürfte die menschliche Neigung zur Selbstbereicherung einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Gehalts- und Bonusentwicklung geleistet haben. 

 

Von daher scheint es durchaus begrüßenswert, wenn Konzerne - wie kürzlich VW - jetzt Vorstandsgehälter deckeln wollen. Es unterstützt deren Reputation, lässt sie mit gutem Beispiel vorangehen und verpflichtet nachhaltig zu Grundsätzen guter Unternehmensführung. Diese Bestrebungen könnten von Seiten des Gesetzgebers unterstützt werden, um so im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen und gleichzeitig sozialen Frieden zu sichern. Eins ist jedenfalls sicher, solange es weiterhin so hohe Bonuszahlungen gibt, wird die gesellschaftlich Diskussion um deren Angemessenheit weitergehen.

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