Der jüngste Kurseinbruch bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat viele Privatanleger verunsichert

Bitcoin ein spekulativer Baustein Bitcoin als Gold-Ersatz unter Kritik

Bewertungslogik, Volatilität und strukturelle Unterschiede zweier Vermögenswerte.

Der jüngste Kurseinbruch bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen hat viele Privatanleger verunsichert. Gerade jene, die digitale Assets als moderne Ergänzung oder gar als Ersatz für Gold verstanden haben, sehen sich mit erheblichen Wertschwankungen konfrontiert. Für professionelle Vermögensverwalter ist diese Entwicklung weniger überraschend. Sie verweisen auf grundlegende Unterschiede zwischen Kryptowährungen und klassischen Sachwerten, die sich nicht durch Narrative über Knappheit oder technologische Innovation überdecken lassen.

Einer dieser Kritiker ist Markus Richert, Vermögensverwalter bei Portfolio Concept. Seine Argumentation setzt nicht bei kurzfristigen Kursbewegungen an, sondern bei der Frage nach dem inneren Wert von Vermögensanlagen.


Innere Werte und erwartbare Zahlungsströme

In traditionellen Anlageklassen lässt sich der Wert eines Investments aus erwartbaren Zahlungsströmen ableiten.

Aktien stehen für Beteiligungen an Unternehmen, die Gewinne erwirtschaften und Dividenden ausschütten.

Anleihen liefern vertraglich fixierte Zinszahlungen.

Immobilien generieren Mieteinnahmen.

Diese Cashflows bilden die Grundlage klassischer Bewertungsmodelle.

Richert betont, dass sich aus diesen Zahlungsströmen ein fairer Wert berechnen lässt.

Selbst wenn Marktpreise schwanken, existiert ein ökonomischer Referenzrahmen.

Bewertungen können zu hoch oder zu niedrig sein, sie bleiben jedoch grundsätzlich verankerbar.


Kryptowährungen ohne Bewertungsanker

Bei Kryptowährungen fehlt dieser Referenzrahmen. Bitcoin und vergleichbare Assets erzeugen keine laufenden Erträge. Es gibt keine Bilanz, keine Gewinnbeteiligung und keine Ausschüttungen. Nach klassischen finanzwirtschaftlichen Bewertungsansätzen lässt sich daher kein innerer Wert ableiten.

Richert ordnet Kryptowährungen deshalb als „unproduktive“ Vermögenswerte ein. Der Kauf eines Bitcoin zielt nicht auf Erträge aus dem Asset selbst, sondern auf die Hoffnung, es später zu einem höheren Preis weiterzuverkaufen. Kritiker bezeichnen dieses Prinzip als Greater Fool Theory (die Erwartung, einen „größeren Käufer“ zu finden, der einen höheren Preis zahlt).

Diese Logik unterscheidet sich grundlegend von produktiven Anlagen, deren Wert aus wirtschaftlicher Aktivität entsteht.


Knappheit als zentrales Argument der Befürworter

Während Gold häufig als Stabilitätsanker oder Inflationsschutz eingesetzt wird, bleibt Bitcoin ein spekulativer Baustein mit hohem Risiko. Eine Gleichsetzung beider Assets verkennt ihre strukturellen Unterschiede."

Befürworter von Bitcoin verweisen häufig auf Parallelen zu Gold. Beide Assets zahlen keine Zinsen und basieren auf Vertrauen sowie begrenzter Verfügbarkeit. Die maximale Menge von Bitcoin ist auf 21 Millionen Einheiten limitiert. Diese feste Obergrenze wird als mathematisch verankerte Inflationsbremse interpretiert.

Dieses Argument ist aus Sicht Richerts nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz. Knappheit allein begründet noch keinen stabilen Wert. Sie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Werterhalt. Entscheidend ist, wie sich ein Vermögenswert in unterschiedlichen Marktphasen verhält.


Stabilität als entscheidender Unterschied

Hier sieht Richert den zentralen Unterschied zwischen Gold und Bitcoin. Gold hat sich über Jahrzehnte als Wertaufbewahrungsmittel etabliert. In Krisenzeiten zeigte es häufig stabilisierende Eigenschaften oder entwickelte sich zumindest unabhängig von Risikoanlagen.

Bitcoin hingegen verhielt sich historisch oft wie ein hochspekulativer Vermögenswert. In Phasen erhöhter Unsicherheit korrelierte der Kurs stärker mit Technologieaktien als mit defensiven Anlagen. Hohe Volatilität, abrupte Kursverluste und starke Abhängigkeit von Marktstimmung prägen das Bild.

Zentrale Unterschiede lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Gold besitzt eine lange Historie als Krisen- und Reserveasset
  • Bitcoin zeigt ausgeprägte Volatilität und kurze Marktzyklen
  • Gold dient häufig als Absicherung, Bitcoin eher als Risikoinvestment
  • Knappheit ersetzt keine Stabilität

Diese Eigenschaften sind für die Portfoliorolle entscheidend.


Bedeutung für die Vermögensallokation

Für die Vermögensstruktur bedeutet diese Einordnung, dass Bitcoin nicht die gleiche Funktion erfüllen kann wie Gold. Während Gold häufig als Stabilitätsanker oder Inflationsschutz eingesetzt wird, bleibt Bitcoin ein spekulativer Baustein mit hohem Risiko. Eine Gleichsetzung beider Assets verkennt ihre strukturellen Unterschiede.

Das schließt nicht aus, dass Kryptowährungen Teil eines Portfolios sein können. Entscheidend ist jedoch die korrekte Erwartung. Wer Bitcoin als Gold-Ersatz betrachtet, unterschätzt die Risiken und überschätzt die stabilisierende Wirkung.


Fazit

Bitcoin teilt mit Gold die Eigenschaft begrenzter Verfügbarkeit, nicht jedoch dessen Stabilität. Aus Sicht von Vermögensverwaltern wie Markus Richert fehlt Kryptowährungen ein innerer Bewertungsanker, der über reine Preisfantasie hinausgeht. Ohne Cashflows bleibt der Wert spekulativ und stark stimmungsgetrieben. Als Ersatz für Gold taugt Bitcoin daher nicht. Für Anleger ist diese Unterscheidung zentral, um Risiken realistisch einzuordnen und Fehlannahmen in der Portfoliostruktur zu vermeiden.

Kontakt zu mir

Hallo!
Schön, dass Sie mich kennenlernen möchten.