Finanzlexikon Floater, variabel verzinste Anleihen
Im Bereich der Kapitalmärkte gibt es eine Vielzahl von Anleihenformen, die Investoren unterschiedliche Chancen und Risiken bieten. Eine besonders interessante Kategorie sind sogenannte Floater – variabel verzinsliche Anleihen.
Anders als klassische festverzinsliche Wertpapiere haben Floater einen Zinssatz, der sich regelmäßig an die aktuellen Marktzinsen anpasst. Dies macht sie besonders attraktiv für Anleger, die sich bei steigenden Zinsen gegen Kursverluste absichern wollen oder die von steigenden Zinsen profitieren möchten.
Definition und grundlegende Merkmale von Floatern
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Ein Floater ist eine Anleihe mit variabler Verzinsung. Anstatt einen festen Zinssatz über die gesamte Laufzeit beizubehalten, wird der Zinssatz in regelmäßigen Abständen an einen Referenzzinssatz gekoppelt. Dadurch schwankt die Höhe der Zinszahlungen während der Laufzeit der Anleihe.
Die Funktionsweise eines Floaters
Die Verzinsung eines Floaters basiert auf einem festgelegten Referenzzinssatz. Typischerweise werden folgende Referenzzinssätze verwendet:
- Euribor (Euro Interbank Offered Rate) – der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen
- LIBOR (London Interbank Offered Rate) – ehemals häufig genutzt, inzwischen durch den SOFR ersetzt
- SOFR (Secured Overnight Financing Rate) – ein in den USA verbreiteter Zinssatz, der den LIBOR ersetzt
- Bundesobligationen-Rendite oder andere Staatsanleihezinsen
Zusätzlich zum Referenzzinssatz enthält der Floater eine Zinsmarge, die als fester Aufschlag definiert ist. Die Verzinsung eines Floaters wird daher in folgender Form angegeben:
- Beispiel: Euribor + 0,5 %
- Das bedeutet: Falls der Euribor zum Zeitpunkt der Zinsanpassung bei 2,0 % liegt, beträgt die Zinszahlung für diesen Zeitraum 2,5 %.
Die Zinssätze werden in regelmäßigen Abständen angepasst, üblicherweise alle drei, sechs oder zwölf Monate. Dadurch können sich die Erträge der Anleihe dynamisch an das aktuelle Zinsniveau anpassen.
Arten von Floatern
Je nach Struktur gibt es verschiedene Arten von Floatern, die sich in ihren Zinsanpassungsmechanismen unterscheiden.
1. Klassische Floater
- Der Zinssatz wird in festgelegten Intervallen (z. B. alle drei Monate) an den aktuellen Referenzzinssatz angepasst.
- Die Zinsmarge bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert.
- Geeignet für Anleger, die von steigenden Zinsen profitieren möchten.
2. Inverse Floater
- Der Zinssatz entwickelt sich entgegengesetzt zum Referenzzinssatz.
- Steigt der Referenzzinssatz, sinkt die Verzinsung des Floaters, und umgekehrt.
- Diese Variante ist für Anleger attraktiv, die von fallenden Marktzinsen profitieren wollen.
3. Capped Floater
- Der Zinssatz kann nicht unendlich steigen, sondern ist durch eine Zinsobergrenze (Cap) begrenzt.
- Dies schützt den Emittenten vor übermäßigen Zinskosten.
- Nachteilig für Anleger, da die Renditechancen bei stark steigenden Zinsen eingeschränkt sind.
4. Floored Floater
- Der Zinssatz hat eine Mindestgrenze (Floor), unter die er nicht fallen kann.
- Schützt den Anleger vor extrem niedrigen oder negativen Zinsen.
- Wird häufig in Zeiten niedriger Zinsen genutzt.
5. Step-Up und Step-Down Floater
- Der Zinssatz kann sich nicht nur durch den Referenzzinssatz ändern, sondern auch durch eine festgelegte Anpassung im Zeitverlauf.
- Bei einem Step-Up Floater steigt die Zinsmarge über die Jahre an.
- Bei einem Step-Down Floater verringert sich die Zinsmarge über die Jahre.
Diese verschiedenen Varianten ermöglichen es Investoren, gezielt auf bestimmte Marktbedingungen zu reagieren und ihre Anlagestrategie flexibel anzupassen.
Vorteile von Floatern
Floater sind eine sinnvolle Ergänzung im Anlageportfolio, wenn sie gezielt und mit einer durchdachten Strategie eingesetzt werden."
Floater bieten Investoren eine Reihe von Vorteilen, die sie besonders in bestimmten Marktphasen attraktiv machen.
- Schutz vor steigenden Zinsen: Da sich der Zinssatz regelmäßig anpasst, bleibt die Verzinsung bei steigenden Marktzinsen konkurrenzfähig.
- Geringeres Zinsrisiko: Im Gegensatz zu klassischen festverzinslichen Anleihen verlieren Floater bei steigenden Zinsen weniger an Wert.
- Attraktive Ertragschancen in Hochzinsphasen: Wenn die Leitzinsen steigen, steigt auch die Rendite des Floaters.
- Flexibilität: Floater sind für Investoren interessant, die kurzfristig von Zinsbewegungen profitieren wollen, ohne sich langfristig an einen festen Zinssatz zu binden.
Risiken und Nachteile von Floatern
Trotz ihrer Vorteile haben Floater auch einige Nachteile, die Anleger berücksichtigen sollten.
- Geringe Attraktivität in Niedrigzinsphasen: Wenn die Zinsen sinken oder sehr niedrig bleiben, sind die Erträge aus einem Floater meist schlechter als bei klassischen Anleihen mit festem Kupon.
- Unvorhersehbare Zinsentwicklung: Da die Zinszahlungen variabel sind, ist die zukünftige Rendite nicht genau kalkulierbar.
- Begrenzte Zinssteigerung bei Capped Floatern: Falls der Floater eine Zinsobergrenze besitzt, können Anleger nicht unbegrenzt von steigenden Zinsen profitieren.
- Komplexere Struktur: Einige Floater-Varianten sind schwerer verständlich als klassische Anleihen und erfordern eine genauere Analyse.
Diese Risiken sollten Anleger bei ihrer Entscheidung berücksichtigen, insbesondere wenn sie sich für spezialisierte Floater-Arten entscheiden.
Einsatzmöglichkeiten von Floatern in der Anlagestrategie
Floater sind für verschiedene Anlagestrategien interessant und können gezielt eingesetzt werden.
- Zinsabsicherung: Anleger, die sich gegen steigende Zinsen absichern möchten, können Floater als Alternative zu festverzinslichen Anleihen nutzen.
- Kurzfristige Anlagen: Floater eignen sich für Investoren, die eine flexible Verzinsung suchen und kurzfristig von steigenden Zinsen profitieren wollen.
- Diversifikation: Im Portfolio können Floater als Ergänzung zu klassischen Anleihen das Zinsrisiko verringern.
- Institutionelle Investoren: Banken und Versicherungen nutzen Floater häufig, um ihre Zinsrisiken in einem sich verändernden Marktumfeld auszugleichen.
Fazit
Floater sind eine interessante Anlageklasse, die vor allem in Zeiten steigender Zinsen Vorteile bietet. Ihre variable Verzinsung sorgt dafür, dass sie weniger anfällig für Kursverluste durch Zinserhöhungen sind, macht sie aber auch schwerer kalkulierbar.
Anleger, die sich vor Kursverlusten aufgrund steigender Zinsen schützen oder flexibel auf Marktveränderungen reagieren möchten, können Floater als Teil ihrer Anlagestrategie nutzen. Gleichzeitig sollten sie sich der Risiken bewusst sein, insbesondere in Niedrigzinsphasen oder bei speziellen Floater-Varianten wie inversen oder gedeckelten Floatern.

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