KI vs. Manager Harvard-Studie rüttelt an Gebühren aktiver Fonds
Nicht jede Aktivität ist automatisch echte Mehrleistung. Ein Teil davon scheint eher routiniert, systematisch und damit maschinell nachbildbar zu sein.
Aktive Fonds werben mit einem zentralen Versprechen. Ein erfahrener Manager soll Chancen erkennen, Risiken steuern und dadurch besser abschneiden als ein rein regelgebundener Ansatz. Dieses Versprechen gerät unter Druck, wenn große Teile der Entscheidungen gar nicht so einzigartig sind, wie es oft klingt. Genau hier setzt eine neue Studie unter Leitung eines Professors der Harvard Business School an. Ihr Ergebnis ist brisant: Ein erheblicher Teil der Handelsentscheidungen aktiver Fondsmanager folgt offenbar Mustern, die Künstliche Intelligenz erkennen und vorhersagen kann.
Das bedeutet nicht, dass Fondsmanager überflüssig geworden sind. Es bedeutet aber, dass der Markt genauer unterscheiden muss. Nicht jede Aktivität ist automatisch echte Mehrleistung. Ein Teil davon scheint eher routiniert, systematisch und damit maschinell nachbildbar zu sein.
Muster statt Geheimwissen
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Die Studie nutzte ein neuronales Netz, also ein Verfahren des maschinellen Lernens. Das Modell wurde mit rollierenden Fünfjahreszeiträumen von 1990 bis 2023 trainiert. Berücksichtigt wurden unter anderem Fondsgröße, Mittelzuflüsse, Merkmale einzelner Aktien und gesamtwirtschaftliche Daten. Auf dieser Grundlage sollte das System vorhersagen, ob ein Fondsmanager eine bestimmte Aktie in einem Quartal kaufen, verkaufen oder halten würde.
Das zentrale Ergebnis ist klar: Rund 71 Prozent dieser Entscheidungen ließen sich vorhersagen. Für die Fondsbranche ist das mehr als eine technische Randnotiz. Es stellt die Frage, wie viel eines aktiven Fonds tatsächlich auf origineller Analyse beruht und wie viel auf Mustern, die auch ein Modell erkennen kann.
Für Anleger ergibt sich daraus ein unangenehmer Gedanke. Wenn ein großer Teil der Handelsaktivität regelhaft und vorhersagbar ist, dann verliert das klassische Gebührenargument an Kraft. Hohe laufende Kosten lassen sich schwerer rechtfertigen, wenn ein Großteil der Entscheidungen nicht einzigartig ist.
Der eigentliche Wert liegt im Unvorhersagbaren
Die Studie endet allerdings nicht mit einer Abwertung des aktiven Managements. Sie enthält eine zweite, fast noch wichtigere Aussage. Ausgerechnet die Handelsentscheidungen, die nicht gut vorhersagbar waren, lieferten häufiger die Outperformance. Genau dort lag also eher der Mehrwert.
Das ist ein entscheidender Punkt. Die Schlussfolgerung lautet nicht: KI ersetzt Fondsmanager vollständig. Die Schlussfolgerung lautet eher: KI trennt Routine von wirklicher Urteilskraft. Wenn ein Manager nur das tut, was sich aus bekannten Mustern ableiten lässt, gerät seine Leistung unter Preisdruck. Wenn er in besonderen Situationen bessere, nicht triviale Entscheidungen trifft, bleibt sein Beitrag wertvoll.
Damit verschiebt sich auch der Blick auf aktive Fonds. Nicht die bloße Aktivität zählt, sondern die Qualität jener Entscheidungen, die über Standardmuster hinausgehen.
Gebühren geraten unter neuen Druck
Die Harvard-Studie rüttelt nicht deshalb an aktiven Fonds, weil KI nun pauschal „besser“ wäre als der Mensch. Ihr Kern ist präziser. Sie zeigt, dass ein großer Teil aktiver Handelsentscheidungen offenbar festen Mustern folgt und deshalb maschinell vorhersagbar ist."
Gerade bei Gebühren hat die Studie Sprengkraft. Denn aktive Fonds sind deutlich teurer als passive Produkte. Dieser Preisunterschied wurde lange mit Research, Erfahrung und Marktkenntnis begründet. Wenn aber ein großer Teil der Portfolioanpassungen maschinell antizipierbar ist, wird die Latte höher.
Die Debatte verschiebt sich damit in drei Richtungen:
- Routineentscheidungen wirken weniger wie exklusive Managerleistung.
- Gebühren müssen stärker mit echter Mehrleistung begründet werden.
- Outperformance wird noch klarer an den wenigen wirklich eigenständigen Entscheidungen gemessen.
Für Anleger wird das Thema damit greifbarer. Die Frage lautet nicht mehr nur: aktiv oder passiv. Die wichtigere Frage lautet: Wofür genau wird bei einem aktiven Fonds bezahlt?
KI als Werkzeug und Prüfstein
Die Studie legt noch eine zweite Entwicklung nahe. KI ist nicht nur ein möglicher Konkurrent für Fondsmanager. Sie kann auch ein Werkzeug sein, um aktives Management besser zu verstehen und zu überprüfen. Wenn Maschinen Routine erkennen, wird sichtbarer, wo wirkliche Besonderheit beginnt.
Das könnte langfristig sogar zu einer Spaltung des aktiven Fondsmarktes führen. Auf der einen Seite stünden Produkte, deren Entscheidungen weitgehend systematisch und damit relativ leicht modellierbar sind. Auf der anderen Seite stünden Fonds, deren Stärke tatsächlich in schwer nachbildbaren Urteilen liegt. Für die Preisgestaltung wäre das ein großer Unterschied.
Fazit
Die Harvard-Studie rüttelt nicht deshalb an aktiven Fonds, weil KI nun pauschal „besser“ wäre als der Mensch. Ihr Kern ist präziser. Sie zeigt, dass ein großer Teil aktiver Handelsentscheidungen offenbar festen Mustern folgt und deshalb maschinell vorhersagbar ist. Genau das setzt Gebühren unter Druck. Denn was regelhaft und erwartbar ist, wirkt weniger wie teure Einzelleistung.
Gleichzeitig verteidigt die Studie den Kern echten aktiven Managements. Die nicht prognostizierbaren Entscheidungen lieferten häufiger die Outperformance. Das spricht dafür, dass der eigentliche Wert nicht in der Menge der Trades liegt, sondern in wenigen, wirklich eigenständigen Urteilen. Für Anleger wird damit ein alter Punkt neu formuliert: Nicht Aktivität ist teuer zu bezahlen, sondern nur echte Qualität.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












