Barmenia-Gothaer-Studie Jeder zweite junge Anleger kauft Fonds
Die Geldanlage in Deutschland wird digitaler, kapitalmarktnäher und stärker zur Generationenfrage.
Die Geldanlage in Deutschland verändert sich sichtbar. Jüngere Menschen greifen häufiger zu Fonds, ETFs und Aktien als ältere Generationen. Zugleich nutzen sie stärker digitale Plattformen und Online-Broker. Das zeigt die aktuelle Anlegerstudie der BarmeniaGothaer, die gemeinsam mit Forsa durchgeführt wurde. Befragt wurden vom 5. bis 8. Januar 2026 rund 1.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren.
Besonders auffällig ist der Blick auf die unter 30-Jährigen. In dieser Altersgruppe investieren 46 Prozent in Fonds einschließlich ETFs. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegt der Anteil bei 38 Prozent. Seit 2018 ist der Anteil der Personen, die in Fonds investieren, von 20 auf 38 Prozent gestiegen. Auch Aktien haben deutlich zugelegt: von 18 auf 35 Prozent.
Kapitalmarkt wird normaler
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Diese Zahlen zeigen eine wichtige Verschiebung. Fonds, ETFs und Aktien sind für jüngere Menschen nicht mehr nur Spezialthemen. Sie werden zunehmend als normale Bestandteile des Vermögensaufbaus wahrgenommen.
Besonders ETFs haben dabei eine starke Rolle übernommen. Laut BarmeniaGothaer hatte 2024 rund jeder dritte Fondsanleger ETFs im Portfolio. 2026 ist es bereits jeder zweite.
Das hat mehrere Gründe. ETFs sind leicht verständlich, kostengünstig und digital gut zugänglich. Viele junge Menschen lernen den Einstieg über Apps, Vergleichsportale, Finanzplattformen oder soziale Medien.
Der Zugang ist niedrigschwelliger als früher. Ein Depot lässt sich heute deutlich einfacher eröffnen als vor zwanzig Jahren.
Gleichzeitig verändert sich die Haltung zur Geldanlage. Sparbuch, Tagesgeld und klassische Lebensversicherung verlieren für viele junge Menschen an Selbstverständlichkeit. Sie suchen Renditechancen, auch wenn damit Schwankungen verbunden sind.
Das bedeutet nicht automatisch höhere Risikobereitschaft in jeder Lage. Es zeigt aber, dass der Kapitalmarkt stärker in der Breite ankommt.
Unterschiede zwischen den Generationen
Mit steigendem Alter nimmt der Anteil von Fonds und ETFs im Portfolio ab. Nach der Studie halten 43 Prozent der 30- bis 44-Jährigen Fondsanlagen. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es 40 Prozent. Bei den über 60-Jährigen liegt der Anteil bei 30 Prozent.
Diese Unterschiede sind nachvollziehbar. Jüngere Menschen haben meist längere Anlagezeiträume. Sie können Kursschwankungen eher aussitzen. Ältere Menschen legen häufig mehr Wert auf Verfügbarkeit, Sicherheit und planbare Entnahmen. Auch bestehende Verträge, Immobilienbesitz oder frühere Anlageerfahrungen prägen die Entscheidungen.
Typische Unterschiede zeigen sich vor allem in drei Bereichen:
- Junge Anleger nutzen häufiger Fonds, ETFs, Aktien und digitale Zugänge.
- Ältere Anleger setzen stärker auf Bankkontakt, Immobilien und klassische Anlageformen.
- Nachhaltigkeit und Renditechancen spielen bei jüngeren Befragten eine größere Rolle.
Auch das Sicherheitsbedürfnis bleibt wichtig. In einer weiteren Auswertung der BarmeniaGothaer-Studie nannten 47 Prozent der Befragten Sicherheit als wichtigsten Aspekt der Geldanlage. Flexibilität folgte mit 26 Prozent, Rendite mit 13 Prozent.
Digitale Kanäle verändern den Einstieg
Junge Menschen beteiligen sich stärker am Kapitalmarkt, nutzen häufiger Fonds und ETFs und greifen stärker auf digitale Kanäle zurück. Das ist grundsätzlich positiv, weil langfristiger Vermögensaufbau ohne Kapitalmarkt schwerer wird."
Der Zugang zur Geldanlage verschiebt sich ebenfalls. Bei den 18- bis 29-Jährigen nutzen 43 Prozent digitale Plattformen. 31 Prozent investieren über Online-Broker. In der Altersgruppe ab 60 Jahren bleibt dagegen die Bank mit 70 Prozent der wichtigste Zugang.
Diese Entwicklung ist bedeutsam. Digitale Angebote schaffen Transparenz, Geschwindigkeit und Vergleichbarkeit. Sie senken Hemmschwellen. Sie können aber auch dazu verleiten, Entscheidungen zu schnell zu treffen. Gerade junge Anleger brauchen daher nicht nur Zugang, sondern auch Einordnung.
Sinnvoll bleibt ein Zusammenspiel aus digitalen Werkzeugen und persönlicher Beratung. Apps können Produkte darstellen, Kosten vergleichen und Sparpläne einrichten. Sie ersetzen aber keine vollständige Betrachtung von Zielen, Risiken, Steuern, Liquidität und Altersvorsorge.
Nachhaltigkeit als Generationenthema
Auch Nachhaltigkeit spielt bei jüngeren Anlegern eine größere Rolle. 67 Prozent der unter 30-Jährigen bewerten nachhaltige Kriterien bei der Geldanlage als eher oder sehr wichtig. Zudem wären 65 Prozent dieser Altersgruppe bereit, zugunsten nachhaltiger Investments auf Rendite zu verzichten. Im Gesamtdurchschnitt liegt dieser Anteil bei 51 Prozent.
Das zeigt einen weiteren Wandel. Geldanlage wird nicht nur als Renditefrage verstanden. Sie wird stärker mit Haltung, Zukunftsthemen und gesellschaftlicher Verantwortung verbunden. Gleichzeitig bleibt eine sorgfältige Prüfung nötig. Nachhaltige Anlageprodukte unterscheiden sich stark. Nicht jedes Produkt mit grüner Sprache erfüllt auch strenge Nachhaltigkeitsmaßstäbe.
Fazit
Die BarmeniaGothaer-Studie zeigt einen klaren Trend. Junge Menschen beteiligen sich stärker am Kapitalmarkt, nutzen häufiger Fonds und ETFs und greifen stärker auf digitale Kanäle zurück. Das ist grundsätzlich positiv, weil langfristiger Vermögensaufbau ohne Kapitalmarkt schwerer wird.
Gleichzeitig entsteht daraus kein Selbstläufer. Digitale Zugänge erleichtern den Start, ersetzen aber keine Strategie. Wer Fonds oder ETFs nutzt, sollte Anlageziel, Laufzeit, Risikobereitschaft und Kosten kennen. Gerade junge Anleger können vom langen Anlagehorizont profitieren. Entscheidend bleibt aber, dass aus einfachem Zugang keine unüberlegte Entscheidung wird.
Die Zukunft der Geldanlage dürfte daher nicht rein digital und nicht rein persönlich sein. Wahrscheinlich wird sie hybrid: mit digitalen Werkzeugen für Transparenz und Umsetzung sowie Beratung für Struktur, Verantwortung und langfristige Orientierung.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt











