Für Anleger stellt sich weniger die Frage „aktiv oder passiv“, sondern „wo und zu welchem Preis“

Vergleich mit Passiv-Pendants Lohnen sich aktive ETFs wirklich?

Aktiv ist nicht automatisch besser – sorgfältige Auswahl bleibt entscheidend.

Aktive ETFs gelten als das „Beste aus beiden Welten“. Sie versprechen die Kosten- und Handelseffizienz passiver ETFs, kombiniert mit der Flexibilität aktiver Fondsstrategien. Die Finanzbranche nutzt dieses Narrativ offensiv – und der Markt wächst. In Europa ist das verwaltete Vermögen aktiver ETFs bis Oktober 2025 auf rund 100,7 Milliarden Euro gestiegen. Ihr Marktanteil bleibt mit knapp 4 Prozent zwar überschaubar, die Dynamik ist jedoch auffällig.

Relativ zu ihrem Bestand verzeichnen aktive ETFs deutlich höhere Zuflüsse als passive Produkte. Während passive ETFs zuletzt auf Zuflussquoten von rund 1,15 Prozent kamen, lagen aktive ETFs bei etwa 4 Prozent. Die zentrale Frage bleibt jedoch: Rechtfertigt aktives Management im ETF-Mantel diese Nachfrage – oder handelt es sich vor allem um ein attraktives Verkaufsargument?


Warum aktive ETFs Anleger anziehen

Das Interesse an aktiven ETFs speist sich aus mehreren Quellen. Sie adressieren eine verbreitete Unzufriedenheit mit rein passiven Strategien, ohne die Kostenstruktur klassischer aktiver Fonds vollständig zu übernehmen.

Typische Erwartungen an aktive ETFs sind:

  • Flexibilität: Abweichungen vom Index sollen Chancen in volatilen Märkten nutzen.
  • Kostenersparnis: Geringere Gebühren als bei klassischen aktiven Fonds.
  • Transparenz: Tägliche Offenlegung der Positionen wie bei ETFs üblich.

Gerade in Marktphasen mit hoher Unsicherheit erscheint die Idee verlockend, nicht starr an einem Index festzuhalten. Aktive ETFs versprechen selektive Entscheidungen, ohne die ETF-typischen Vorteile aufzugeben.


Die zentrale Schwäche: Outperformance ist selten

Die entscheidende Hürde bleibt unverändert. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Mehrheit aktiver Fondsmanager den Markt langfristig nicht schlägt. Diese empirische Realität verschwindet nicht, nur weil das Vehikel ein ETF ist. Auch aktive ETFs unterliegen denselben strukturellen Herausforderungen.

Zwar sind die Kosten niedriger als bei klassischen aktiven Fonds, sie liegen jedoch klar über denen passiver ETFs. Damit verschiebt sich die Messlatte. Outperformance muss nicht nur vor, sondern vor allem nach Kosten erzielt werden. Genau hier zeigt sich das Kernproblem.

Ein Vergleich der größten aktiven ETF-Strategien ergibt ein gemischtes Bild. In einigen Segmenten gelingt es, passive Vergleichsindizes zu schlagen. In anderen bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Ein systematischer Vorteil lässt sich daraus nicht ableiten.


Abhängigkeit von Anlageklasse und Kostenstruktur

Aktives Management kann Mehrwert liefern, ist aber stark abhängig von Anlageklasse, Umsetzung und Gebühren. Aktiv ist nicht automatisch besser – sorgfältige Auswahl bleibt entscheidend."

Die Analyse zeigt, dass der Erfolg aktiver ETFs stark vom Einsatzgebiet abhängt. In sehr effizienten Märkten ist Mehrwert schwer zu erzielen. In weniger effizienten Segmenten kann aktives Management Vorteile haben – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Entscheidend sind dabei:

  • Anlageklasse: Nischenmärkte bieten eher Spielraum als breit abgedeckte Standardindizes.
  • Kosten: Schon geringe Gebührenunterschiede wirken langfristig stark.
  • Umsetzung: Häufige Umschichtungen können Kosten- und Steuerwirkungen verstärken.

Aktive ETFs sind daher kein pauschaler Ersatz für passive Produkte. Sie sind Werkzeuge, deren Nutzen stark vom Kontext abhängt.


Einordnung für Anleger

Für Anleger stellt sich weniger die Frage „aktiv oder passiv“, sondern „wo und zu welchem Preis“. Aktive ETFs können in bestimmten Marktsegmenten sinnvoll sein, etwa als gezielte Beimischung. Als Kerninvestment bleibt passives Investieren jedoch schwer zu schlagen.

Das Wachstumsinteresse an aktiven ETFs erklärt sich auch psychologisch. Die Aussicht auf gezielte Steuerung vermittelt Kontrolle. Ob diese Kontrolle tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt, ist eine andere Frage. Marktmechanisch gelten für aktive ETFs dieselben Gesetzmäßigkeiten wie für alle aktiven Strategien.


Fazit

Aktive ETFs vereinen Eigenschaften aktiver Fonds und passiver ETFs, lösen aber kein Grundproblem des aktiven Managements. Niedrigere Kosten sind ein Fortschritt, garantieren jedoch keine Outperformance. Der Vergleich mit passiven Pendants zeigt ein gemischtes Bild. Aktives Management kann Mehrwert liefern, ist aber stark abhängig von Anlageklasse, Umsetzung und Gebühren. Für Anleger gilt: aktiv ist nicht automatisch besser – sorgfältige Auswahl bleibt entscheidend.

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