Wirtschaftsdenker: Robert E. Lucas (1937) Neue Klassik – Erwartungen und Modelle
Ein makroökonomischer Ansatz, der wirtschaftliche Entwicklungen aus rationalen Erwartungen und konsistenten Modellen erklärt.
In den 1970er-Jahren geriet die Wirtschaftspolitik vieler Länder in eine Krise. Inflation und Arbeitslosigkeit traten gleichzeitig auf, obwohl bestehende Modelle etwas anderes erwarten ließen. Robert Lucas reagierte darauf mit einer grundlegenden Neuorientierung der Makroökonomik. Die Neue Klassik stellte die Frage, ob wirtschaftliche Modelle das Verhalten der Akteure überhaupt korrekt abbilden, wenn Erwartungen nur rückblickend betrachtet werden. Weitere Aphorismen und Konzepte sind hier.
Der Ansatz setzt an einem zentralen Punkt an: Wirtschaftliche Akteure lernen. Sie passen ihr Verhalten an politische Maßnahmen und wirtschaftliche Erfahrungen an. Erwartungen sind daher nicht zufällig oder träge, sondern systematisch. Modelle müssen dieses Erwartungsbild widerspiegeln, um konsistent zu sein.
Erwartungen als integraler Bestandteil
Lucas ging davon aus, dass Menschen verfügbare Informationen nutzen, um Erwartungen über die Zukunft zu bilden. Diese Erwartungen fließen unmittelbar in Entscheidungen ein. Wirtschaftspolitische Maßnahmen verlieren dadurch ihre Wirkung, wenn sie vorhersehbar sind. Akteure reagieren, bevor die Maßnahme greift.
Erwartungen beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen unmittelbar."
Charakteristisch ist die Kritik an traditionellen makroökonomischen Zusammenhängen. Beziehungen, die in der Vergangenheit beobachtet wurden, gelten nicht automatisch für die Zukunft. Sobald Politik oder Rahmenbedingungen sich ändern, ändern sich auch die Erwartungen. Modelle müssen diesen Anpassungsprozess berücksichtigen.
Diese Sichtweise verleiht Erwartungen eine zentrale Rolle. Wirtschaftliche Entwicklung wird weniger durch Impulse gesteuert als durch antizipiertes Verhalten.
Grundstruktur des Ansatzes
Die Neue Klassik folgt einer stringenten Modelllogik:
- Akteure bilden rationale Erwartungen.
- Erwartungen beeinflussen Entscheidungen unmittelbar.
- Systematische Politik wird antizipiert.
- Modelle müssen mikroökonomisch konsistent sein.
Makroökonomische Ergebnisse entstehen damit aus individuellen Entscheidungen, nicht aus aggregierten Zusammenhängen. Modelle sollen erklären, nicht nur beschreiben.
Einordnung in die heutige Wirtschaft
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Der Einfluss der Neuen Klassik auf die moderne Makroökonomik ist erheblich. Die Betonung konsistenter Modelle und rationaler Erwartungen prägt bis heute viele theoretische Ansätze. Wirtschaftspolitik wird häufig unter dem Gesichtspunkt bewertet, wie glaubwürdig und vorhersehbar sie ist.
Gleichzeitig hat sich die Forschung weiterentwickelt. Verhaltensannahmen wurden ergänzt, Unsicherheit und Friktionen stärker berücksichtigt. Dennoch bleibt die Grundidee relevant: Erwartungen sind kein Nebenprodukt, sondern ein zentraler Wirkungsmechanismus.
Die Neue Klassik hilft, die Grenzen wirtschaftspolitischer Steuerung zu verstehen. Sie macht sichtbar, warum gut gemeinte Maßnahmen wirkungslos bleiben können, wenn sie das Erwartungsverhalten nicht berücksichtigen.
Fazit
Die Neue Klassik rückt Erwartungen in den Mittelpunkt makroökonomischer Analyse. Ihr Beitrag liegt in der Forderung nach konsistenten Modellen, die Lernprozesse berücksichtigen. Als Denkansatz erklärt sie, warum wirtschaftliche Politik oft weniger bewirkt als beabsichtigt.
Merksätze:
- Erwartungen beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen unmittelbar.
- Vorhersehbare Politik wird von Akteuren antizipiert.
- Makroökonomische Modelle müssen konsistent aus individuellem Verhalten abgeleitet sein.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












