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Finanzlexikon Preisgewichteter Index

In der Welt der Börsenindizes gibt es unterschiedliche Methoden, um die Entwicklung eines Aktienmarkts oder eines bestimmten Marktsegments abzubilden. Eine davon ist das Prinzip der Preisgewichtung.

Während viele moderne Indizes heute nach Marktkapitalisierung gewichtet sind – also dem Gesamtwert eines Unternehmens an der Börse –, setzt der preisgewichtete Index allein auf den Aktienkurs als Maßstab für die Bedeutung eines Unternehmens im Index.

Diese Methode ist historisch gewachsen und wirkt auf den ersten Blick einfach und intuitiv. Doch sie bringt ganz eigene Dynamiken mit sich, die Anleger verstehen sollten, wenn sie sich mit preisgewichteten Indizes beschäftigen oder in darauf basierende Produkte investieren.

Funktionsweise eines preisgewichteten Index

Ein preisgewichteter Index berechnet seinen Stand auf Basis der einfachen Summe der Aktienkurse der im Index enthaltenen Unternehmen. Der Durchschnittskurs wird durch eine sogenannte „Divisor“-Zahl geteilt, die dafür sorgt, dass der Index konsistent bleibt – etwa bei Aktiensplits, Fusionen oder sonstigen Kapitalmaßnahmen.

Die Gewichtung eines Unternehmens im Index ergibt sich somit allein aus seinem Aktienkurs – unabhängig von der tatsächlichen Größe des Unternehmens, dem Börsenwert oder der Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien.

Das hat zur Folge:

  • Aktien mit hohem Kurs haben mehr Einfluss auf die Indexentwicklung als Aktien mit niedrigem Kurs.
  • Marktkapitalisierung spielt keine Rolle – ein Unternehmen mit hohem Börsenwert, aber niedrigem Kurs kann im Index unterrepräsentiert sein.
  • Ein Kursanstieg bei einem teuer gehandelten Titel bewegt den Index stärker als ein gleich hoher prozentualer Anstieg bei einem günstigen Wert.

Diese Methode ist einfach zu berechnen, kann aber zu Verzerrungen führen – vor allem dann, wenn Kursniveaus stark variieren.

Beispiel: Der Dow Jones Industrial Average

Das bekannteste Beispiel für einen preisgewichteten Index ist der Dow Jones Industrial Average (DJIA) – einer der ältesten Börsenindizes der Welt. Er wurde 1896 eingeführt und umfasst 30 große US-Unternehmen.

Obwohl diese Unternehmen zu den wichtigsten Akteuren der US-Wirtschaft zählen, ist die Auswahl nicht vollständig repräsentativ, da sie sich auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Unternehmen beschränkt. Doch entscheidend ist vor allem die Gewichtungsmethode:

Im Dow Jones spielt es keine Rolle, wie groß ein Unternehmen ist oder wie viel Umsatz es macht – ausschlaggebend ist allein der Kurs der Aktie. Das führt dazu, dass Aktien mit hohen Kursen wie beispielsweise UnitedHealth oder Goldman Sachs großen Einfluss auf die Indexbewegung haben, während Schwergewichte wie Apple oder Microsoft – trotz ihrer enormen Marktkapitalisierung – weniger stark ins Gewicht fallen, wenn ihre Aktienkurse nominell niedriger sind.

Kritik und Grenzen der Preisgewichtung

Wer einen preisgewichteten Index beobachtet oder in Produkte investiert, die sich darauf beziehen, sollte die Besonderheiten und Schwächen dieser Methode kennen. Denn nicht jeder Punktgewinn im Index entspricht einem realen wirtschaftlichen Gewinn – manchmal ist es schlicht das Ergebnis eines Kursanstiegs bei einem einzigen, teuer notierten Titel."

Die Preisgewichtung ist aus heutiger Sicht eine ungewöhnliche Methode, die nur noch bei wenigen Indizes zum Einsatz kommt. Viele Marktbeobachter und Analysten halten sie für veraltet und kritisieren die fehlende Aussagekraft in Bezug auf die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Unternehmen.

Hauptkritikpunkte sind:

  • Verzerrung durch Aktiensplits: Ein Unternehmen, das einen Aktiensplit durchführt (etwa im Verhältnis 2:1), halbiert seinen Kurs, was seine Gewichtung im Index deutlich reduziert – obwohl sich am Unternehmenswert nichts ändert.
  • Unrealistische Abbildung wirtschaftlicher Verhältnisse: Ein kleines Unternehmen mit einem hohen Kurs kann den Index stärker beeinflussen als ein globaler Konzern mit niedrigerem Kurs.
  • Kursniveau als willkürlicher Maßstab: Der reine Aktienkurs sagt wenig über den tatsächlichen Unternehmenswert oder die Marktposition aus.

Dennoch wird die Methode weiterhin verwendet, insbesondere aus historischen Gründen. Für viele Marktteilnehmer ist der Dow Jones ein wichtiges Symbol und Stimmungsbarometer, obwohl seine Aussagekraft im Vergleich zu moderneren Indizes wie dem S&P 500 begrenzt ist.

Preisgewichtung im Vergleich zur Marktkapitalisierung

Die alternative und heute weit verbreitete Methode der Indexgewichtung ist die Marktkapitalisierung. Dabei zählt nicht der Kurs allein, sondern der Kurs multipliziert mit der Anzahl der ausstehenden Aktien. Das ergibt den Börsenwert eines Unternehmens – ein Maß, das besser widerspiegelt, wie groß und einflussreich ein Unternehmen tatsächlich ist.

In einem marktkapitalisierungsgewichteten Index ist die Gewichtung daher wesentlich näher an der wirtschaftlichen Realität. Große Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Amazon dominieren solche Indizes, was der tatsächlichen Marktstruktur deutlich näherkommt.

Preisgewichtete Indizes hingegen liefern ein verzerrtes Bild, insbesondere wenn Aktienkurse stark auseinanderliegen oder Unternehmen Aktiensplits durchführen. Dennoch kann die Preisgewichtung in bestimmten Kontexten sinnvoll sein – etwa wenn der Fokus auf der reinen Kursentwicklung liegt und weniger auf der wirtschaftlichen Repräsentanz.

Fazit: Ein einfaches, aber unvollkommenes Modell

Preisgewichtete Indizes sind ein Relikt aus einer Zeit, in der Datenverarbeitung und Finanzmathematik noch in den Kinderschuhen steckten. Ihre einfache Berechnung war damals ein Vorteil – heute jedoch führt sie zu Verzerrungen, die modernen Anforderungen an Marktanalysen nicht mehr gerecht werden.

Trotzdem haben preisgewichtete Indizes wie der Dow Jones ihre Bedeutung nicht verloren. Sie sind fest verankert in der Finanzwelt, gelten als Symbol für die Entwicklung großer Volkswirtschaften und genießen breite mediale Aufmerksamkeit.

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