Die Gefahren eines erneuten Crashs sind keineswegs gebannt

Nobelpreisträger bewerten die Situation Stehen wir vor der nächsten Finanzkrise?

Ende Juni erregte die amerikanische Notenbank-Chefin Janet Yellen Aufsehen mit der Ansicht, sie rechne zu ihren Lebzeiten nicht mehr mit einer neuen Finanzkrise. Alles auf den Finanzmärkten im Griff? Davon sind namhafte Nobelpreisträger nicht überzeugt. Im Gegenteil: Sie warnen vor übertriebenem Optimismus.

Jedes Jahr seit 1951 kommen Nobelpreisträger und junge Wissenschaftler im Rahmen der Lindau Nobel Laureate Meetings am Bodensee zusammen, um den Austausch über drängende Menschheitsprobleme und Wissenschaftsfragen zu pflegen. Dazu gehören natürlich auch Finanz- und Wirtschaftsthemen. Im Vorfeld des diesjährigen Meetings hat die Zeitung WELT eine Umfrage unter 18 Preisträgern bezüglich des Risikos einer neuen Finanzkrise durchgeführt.

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Die Gefahren sind längst nicht gebannt

Demnach sind die Gefahren eines erneuten Crashs keineswegs gebannt. Sie werden derzeit nur von anderen Themen überlagert: zum Beispiel von der Terrorbedrohung, dem erratischen Kurs von US-Präsident Donald Trump oder dem sich zuspitzenden Konflikt um Nordkorea. Das heißt aber nicht, dass Risiken auf den Finanzmärkten nicht weiter bestehen. So warnt Wirtschafts-Nobelpreisträger Bengt Holmström mit Blick auf die Vergangenheit: Noch jedes Mal, wenn man eine neue Finanzkrise für unwahrscheinlich gehalten habe, sei das Risiko dafür größer geworden. 

Einer Ansicht, der viele seiner Kollegen zustimmen: Die derzeit gute Konjunktur und die gute Stimmung an den Börsen überdeckten manche Probleme. So gebe es nach wie vor Lücken in der Regulierung und der Aufsicht. Der Deregulierungskurs unter dem neuen US-Präsidenten sei ein Weg in die falsche Richtung. Noch skeptischer sind andere. Sie bezweifeln, dass es jemals möglich sein wird, Finanzkrisen auszuschließen. In Zeiten einer digitalen globalen Vernetzung, in der sich Finanzrisiken in Höchstgeschwindigkeit rund um den Globus bewegen, sei das eine Illusion. 

Noch jedes Mal, wenn man eine neue Finanzkrise für unwahrscheinlich gehalten habe, sei das Risiko dafür größer geworden."

Wenig Zuversicht beim Euro 

Kritisch schaut man auch auf den Euro. Der erlebt derzeit eine erstaunliche Renaissance, von Euro-Krise redet kaum noch jemand - zu Unrecht, wie viele Preisträger meinen. Solange das Problem einer uneinheitlichen Fiskalpolitik in der Euro-Zone nicht gelöst sei und strukturelle Schwächen in einigen Mitgliedsstaaten fortbestünden, fehle es der Gemeinschaftswährung an ausreichender Stabilität. Der US-Ökonom Edward C. Prescott, Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2004, ist sogar noch pessimistischer. Er gibt dem Euro keine Zukunft und plädiert für eine abgespeckte Währungsunion mit einer wiedererstandenen D-Mark als Ankerwährung. Nur ein Kollege - Vernon Smith - sieht die Euro-Zukunft rosiger.

EZB-Chef Mario Draghi - der "Herr des Euro" - wird Gelegenheit haben, in Lindau seine Sicht darzulegen. Er hält dieses Jahr die Eröffnungsrede. Seine Worte dürften kurz vor der EZB-Sitzung im September, bei der es um die weitere Zinspolitik geht, mit besonderer Spannung erwartet werden.

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