Wirtschaftsdenkerin: Hannah Arendt (1906–1975) Vita activa
Tätigkeit, die Beziehungen stiftet.
Gesellschaftliche Ordnung entsteht nicht nur durch Institutionen oder Systeme, sondern durch das Handeln der Menschen, die in diesen Strukturen leben. Hannah Arendt beschreibt dieses Handeln als „Vita activa“ – ein Begriff, der nicht nur Arbeit oder Herstellung meint, sondern die Fähigkeit, durch gemeinsames Tun eine Welt zu formen. Arendt lenkt den Blick darauf, dass Wirtschaft und Politik nicht getrennte Sphären sind. Beide beruhen auf menschlichen Tätigkeiten, die Bedeutung erzeugen und Zusammenhalt schaffen. Weitere Aphorismen und Konzepte sind hier.
Arendt als Beobachterin öffentlicher Wirklichkeit
Arendt arbeitete an der Schnittstelle von Philosophie, Politik und Gesellschaftsanalyse. Für sie war die zentrale Frage nicht, wie Systeme funktionieren, sondern wie Menschen gemeinsam eine Welt gestalten, die Bestand besitzt.
Gemeinsame Welt entsteht durch Handeln, nicht durch Verwaltung."
In der „Vita activa“ unterscheidet sie drei Formen menschlicher Tätigkeit: Arbeiten, Herstellen und Handeln. Arbeiten sichert das Überleben, Herstellen schafft Gegenstände – doch erst das Handeln ermöglicht Öffentlichkeit. Es ist die Form des Tätigseins, in der Menschen miteinander in Beziehung treten, Unterschiede sichtbar werden und Bedeutungen entstehen.
Arendts Perspektive wirkt besonders modern, weil sie den Fokus auf Teilnahme legt. Ohne aktives Mitwirken verlieren öffentliche Räume ihre Gestalt. Wirtschaftliche Prozesse werden dann zu rein technischen Abläufen; politische Strukturen verhärten, anstatt sich zu erneuern.
Struktur eines tätigen Zusammenlebens
Arendts Ansatz zeigt, dass stabile Ordnung aus Interaktion entsteht, nicht aus bloßer Verwaltung. Die Vita activa beruht auf drei ineinandergreifenden Elementen:
- Arbeit: sichert Grundlagen des Lebens, löst sich jedoch im Verbrauch auf.
- Herstellung: schafft dauerhafte Dinge, die die Welt strukturieren.
- Handeln: stiftet Beziehungen, eröffnet Zukunft und ermöglicht Pluralität.
Diese Struktur macht deutlich, dass Wertschöpfung mehr ist als Produktion. Sie umfasst die Fähigkeit, gemeinsame Räume zu schaffen, in denen Menschen miteinander agieren können.
Relevanz für wirtschaftliche und organisatorische Praxis
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Arendts Gedanken erhalten in modernen Wirtschaftssystemen erneute Bedeutung. Organisationen, Unternehmen und Verwaltungen basieren nicht nur auf Prozessen, sondern auf der Frage, wie Menschen sich einbringen können. Entscheidungen werden tragfähig, wenn Beteiligung und Verantwortungsübernahme sichtbar werden.
In einer zunehmend digitalisierten Welt verstärkt sich Arendts Einsicht: Arbeitsabläufe können automatisiert werden, doch Handeln im Arendtschen Sinn bleibt unersetzlich. Kreativität, Kooperation, Initiative und Mut zur öffentlichen Position sind Voraussetzungen für strukturelle Erneuerung. Märkte funktionieren nicht allein durch Preise, sondern durch die Menschen, die sie gestalten.
Auch politisch gewinnt Arendt an Aktualität. Die Zukunft gemeinsamer Räume – ob analog oder digital – hängt davon ab, ob Menschen aktiv teilnehmen. Passivität führt nicht zu Stabilität, sondern zu Leere. Arendt erinnert daran, dass Demokratie wie Wirtschaft eine tätige Praxis ist, keine reine Organisationsform.
Fazit
Die „Vita activa“ macht sichtbar, dass menschliches Handeln die Grundlage jeder öffentlichen Ordnung bildet. Arendt zeigt, dass Stabilität nicht durch Rückzug entsteht, sondern durch Beteiligung.
Merksätze
- Gemeinsame Welt entsteht durch Handeln, nicht durch Verwaltung.
- Dauerhafte Ordnung benötigt Beteiligung und Verantwortung.
- Wirtschaftliche und politische Räume leben von aktiver Mitgestaltung.
fair, ehrlich, authentisch - die Grundlage für das Wohl aller Beteiligten










