Ökonomen sehen klaren Favoriten Wer folgt auf Lagarde?
Im Zentrum steht weniger die reine Fachkompetenz als vielmehr die Frage nach politischer Ausgewogenheit, institutioneller Erfahrung und europäischer Akzeptanz.
Die Nachfolge an der Spitze der Europäischen Zentralbank rückt langsam in den Fokus der Finanzmärkte. Auch wenn der formale Entscheidungsprozess noch nicht begonnen hat, beschäftigen sich Ökonomen und Marktbeobachter bereits intensiv mit möglichen Kandidaten. Eine aktuelle Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigt dabei ein klares Stimmungsbild – und zugleich die Spannungsfelder, die eine solche Personalentscheidung prägen.
Favorit aus den Niederlanden
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Als aussichtsreichster Kandidat gilt laut der Umfrage Klaas Knot.
Der frühere Präsident der niederländischen Zentralbank liegt im Ranking der befragten Ökonomen klar vorn, obwohl andere Kandidaten in einzelnen Fachdisziplinen teils höher eingeschätzt werden.
Für Knot sprechen mehrere Faktoren:
- langjährige Erfahrung als Notenbankchef eines Euro-Landes
- klare geldpolitische Positionierung in früheren EZB-Debatten
- breite Vernetzung innerhalb des europäischen Zentralbankensystems
Seine Amtszeit in den Niederlanden endete im vergangenen Jahr, was ihn zeitlich grundsätzlich verfügbar machen würde.
Weitere Kandidaten mit hoher Fachreputation
Auf den weiteren Plätzen folgen Persönlichkeiten mit starkem ökonomischem Profil, die jedoch aus Sicht vieler Ökonomen politisch weniger konsensfähig erscheinen.
Genannt werden insbesondere:
- Pablo Hernández de Cos, derzeit an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich tätig
- Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank
Beiden wird hohe fachliche Kompetenz zugeschrieben, insbesondere in Fragen der Geldpolitik, Finanzstabilität und Regulierung. Gleichzeitig zeigen frühere Personalentscheidungen, dass fachliche Exzellenz allein selten ausschlaggebend ist.
Entscheidung zwischen Fachlichkeit und politischem Gleichgewicht
Im Zentrum steht weniger die reine Fachkompetenz als vielmehr die Frage nach politischer Ausgewogenheit, institutioneller Erfahrung und europäischer Akzeptanz."
Die Umfrage macht deutlich, dass die Nachfolge von Europäische Zentralbank-Präsidentin Christine Lagarde weniger einer klassischen Bestenauslese folgt. Vielmehr spielen mehrere Ebenen zusammen.
Im Vordergrund stehen dabei:
- regionale Ausgewogenheit innerhalb der Eurozone
- politische Anschlussfähigkeit gegenüber Regierungen und Institutionen
- Erfahrung im Umgang mit Krisen und divergierenden Interessen
- Fähigkeit, geldpolitische Entscheidungen kommunikativ zu vermitteln
Gerade in einer Phase hoher Staatsverschuldung, anhaltender Inflationsdiskussionen und wachsender geopolitischer Spannungen gewinnt die Integrationsfigur an Bedeutung.
Bedeutung für Märkte und Geldpolitik
Für die Finanzmärkte ist weniger der Name entscheidend als die geldpolitische Grundhaltung. Beobachtet wird insbesondere, ob die künftige Führung eher Kontinuität oder stärkere Kursanpassungen signalisiert.
Die Umfrage legt nahe:
- Ein Kandidat wie Knot steht für Stabilität und institutionelle Verlässlichkeit
- Überraschungen gelten derzeit als unwahrscheinlich
- Die eigentliche Richtungsentscheidung dürfte im Konsensprozess der Eurostaaten fallen
Bis zur formalen Entscheidung bleibt die Diskussion offen, doch die Erwartungshaltung beginnt sich bereits zu verfestigen.
Fazit
Die Frage der EZB-Nachfolge ist weniger eine Suche nach dem fachlich besten Ökonomen als nach einer Persönlichkeit, die ökonomische Kompetenz mit politischer Balance verbindet. Die Umfrage unter Ökonomen zeigt mit Klaas Knot einen klaren Favoriten, macht aber zugleich deutlich, wie vielschichtig die Anforderungen an das Amt inzwischen geworden sind.
Für Märkte und Institutionen zählt vor allem Verlässlichkeit. Wer auch immer den Vorsitz übernimmt, wird sich an der Fähigkeit messen lassen müssen, Stabilität in einem zunehmend fragmentierten wirtschaftlichen Umfeld zu sichern.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.










