Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet

Marktwirtschaft pur Air Berlin meldet Insolvenz an

Ganz überraschend kam die Nachricht nicht, trotzdem hatte man sie zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Es ist vermutlich der Anfang vom Ende der Marke Air Berlin.

Das Insolvenzverfahren war unvermeidlich geworden, nachdem Eigentümer Etihad gegebene Finanzierungszusagen unerwartet zurückgezogen hatte. Die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hat mit ihrem Sorgenkind offenbar die Geduld verloren und weitere Finanzspritzen gestoppt. Über eigene finanzielle Reserven verfügt Air Berlin schon lange nicht mehr.

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2012 war das beste Jahr 

Vor fast vierzig Jahren - im Jahre 1978 - begann die Geschichte von Air Berlin mit zwei Boeing-Flugzeugen. Nach der Wiedervereinigung ging das Unternehmen auf einen atemberaubenden Expansionskurs. Mehrere Airlines, darunter der Traditions-Ferienflieger LTU, wurden übernommen. 2006 folgte der Börsengang. Durch den stetigen Ausbau entwickelte sich Air Berlin zur zweitgrößten deutschen Airline nach Lufthansa. Ende 2011 stockte Etihad seinen bis dahin bescheidenen 2,99-Prozent-Anteil auf fast 30 Prozent auf. 

Bei den Passagieren erfreut sich Air Berlin bis heute großer Beliebtheit. Bis zu 30 Millionen Fluggäste pro Jahr haben die Flugangebote genutzt. Dennoch war und ist das Geschäft durch rote Zahlen geprägt. Der Abstieg begann spätestens 2013, nachdem noch 2012 ein Mini-Reingewinn von fast sieben Millionen Euro erwirtschaftet worden war. Damals erreichte Air Berlin mit 4,3 Milliarden Euro seinen höchsten Umsatz.

Seither ging es nur noch bergab. Der Umsatz schrumpfte von Jahr zu Jahr und aus der "schwarzen Null" wurde ein immer größeres Minus. 2016 erreichten die Verluste mit 782 Millionen Euro einen neuen Rekord. Das Eigenkapital der Gesellschaft ist längst aufgebraucht, der Schuldenberg auf 1,2 Milliarden Euro angewachsen. Bisher verhinderte Großaktionär Etihad das Aus, doch jetzt ist damit Schluss.

Fehler verzeiht der knallharte Wettbewerb nicht 

Air Berlin ist an seinem Expansionskurs gescheitert, der nicht nachhaltig war. Die Insolvenz ist eine Folge von Fehlern der Vergangenheit durch ein Management, das durch häufige Wechsel und mangelhafte Konzepte geprägt war. Auch der knallharte Wettbewerb im Lufttransport-Geschäft setzte Air Berlin zu.

Air Berlin ist an seinem Expansionskurs gescheitert, der nicht nachhaltig war."

Er verzeiht grundlegende Fehler nicht. Insofern ist die Insolvenz auch Zeichen eines Wirkens der Marktkräfte. Zuletzt verprellte Air Berlin Passagiere mit häufigen Verspätungen, Flugausfällen und schlechter Abfertigung. 

Jetzt sorgen immerhin ein Überbrückungskredit von 150 Millionen und eine Bürgschaft der Bundesregierung dafür, dass der Flugbetrieb nicht sofort eingestellt werden muss, sondern zumindest noch bis in den November weitergeführt werden kann. Bis dahin herrscht vielleicht mehr Klarheit darüber, was mit dem Restvermögen und den rund 7.200 Beschäftigten geschieht. Am Aus für Air Berlin führt aber wohl kein Weg vorbei.

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