Gerade in unübersichtlichen Marktbereichen können aktive ETFs ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Expertise herstellen

Erweiterte Strategien jenseits klassischer Indexnachbildung Aktive ETFs im Aufwind

Aktive ETFs haben sich lange im Schatten der passiven Indexprodukte bewegt. Der ETF-Mantel galt vor allem als Instrument für standardisierte, regelgebundene Anlagestrategien. Doch die Branche verändert sich: Immer mehr Anbieter setzen auf aktive Steuerung, kombinieren traditionelle Fondslogik mit den Vorteilen der ETF-Struktur und machen daraus eine eigenständige Produktkategorie.

Der jüngste regulatorische Wandel in Luxemburg und Irland – monatliche statt tägliche Offenlegung der Portfolios – hat diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Er ermöglicht es Fondsmanagern, ihre Strategien diskreter umzusetzen und operative Wettbewerbsvorteile zu schützen. Damit verschiebt sich der Markt: Vom nahezu reinen Indextracking hin zu einem breiteren Spektrum aktiv gesteuerter Ansätze.

Warum der ETF-Mantel für aktive Strategien attraktiv wird

Aktive ETFs richtet sich an Investoren, die strukturierte Transparenz wünschen, ohne auf die Möglichkeit aktiver Steuerung zu verzichten."

Aktive ETFs profitieren von einer Reihe struktureller Vorteile. Sie sind kostengünstiger als klassische aktive Fonds, bieten intraday Handelbarkeit und passen in bestehende Infrastrukturen von Brokern und Plattformen. Gleichzeitig halten sie die Möglichkeit offen, Marktsegmente aktiver zu selektieren oder taktische Entscheidungen zu treffen.

Für Anbieter eröffnet dies den Zugang zu Zielgruppen, die bisher auf reine Indexprodukte gesetzt haben. Für Anleger entsteht ein Format, das Flexibilität, Kosteneffizienz und professionelle Steuerung verbindet.

Zentrale Vorteile aktiver ETFs:

  • geringere Gebühren im Vergleich zu vielen aktiven Publikumsfonds
  • intraday Liquidität durch den ETF-Handel
  • regulatorische Transparenz trotz reduzierter Offenlegungsfrequenz
  • Möglichkeit, Nischenmärkte oder Bewertungsanomalien gezielt zu nutzen

Diese Merkmale machen aktive ETFs besonders interessant für Anleger, die Indexnähe wünschen, aber punktuell Mehrwert durch Selektion oder Timing erwarten.

Breitere Strategien und neue Spielräume

Die Anbieterlandschaft entwickelt sich schnell. Viele Manager nutzen den ETF-Mantel, um Strategien umzusetzen, die bislang nur in traditionellen Fonds möglich waren. Dazu zählen Qualitäts- und Faktoransätze, Smart-Beta-Varianten, thematische Strategien oder regionale Selektion in Märkten mit hoher Streuung.

Die geringere Offenlegungspflicht erleichtert es, differenzierte Positionierungen beizubehalten, ohne sofort Kopien durch den Markt befürchten zu müssen. Damit steigt die Bereitschaft, aktivere Mandate aufzulegen – insbesondere in den USA und zunehmend in Europa.

Typische Einsatzfelder aktiver ETFs:

  • US-Aktien abseits der großen Indizes
  • internationale Small- und Mid-Cap-Segmente
  • Nachhaltigkeitsstrategien mit qualitativer Titelauswahl
  • Multi-Faktor-Konzepte und dynamische Allokationsmodelle

Gerade in unübersichtlichen Marktbereichen können aktive ETFs ein Gleichgewicht zwischen Effizienz und Expertise herstellen.

Herausforderungen für Anleger und Anbieter

Mit dem Aufstieg aktiver ETFs verändert sich auch die Due-Diligence-Praxis. Anleger müssen stärker auf den Prozess, die Philosophie und die Erfahrung des Managements achten – Elemente, die bei rein passiven Strategien weniger im Fokus stehen.

Die Transparenz bleibt grundsätzlich vorhanden, aber sie verschiebt sich stärker auf Portfoliozusammensetzung, Risikoangaben und methodische Beschreibungen statt täglicher Einzelpositionen.

Für Anbieter bedeutet die Entwicklung einen intensiveren Wettbewerb. Die Differenzierung erfolgt nicht mehr allein über die Kostenstruktur, sondern über Qualität, Stiltreue und Risikoarchitektur.

Je stärker der Markt wächst, desto mehr rückt die Erwartung in den Vordergrund, dass aktive ETFs unter vergleichbaren Bedingungen auch Leistung liefern müssen.

Fazit

Aktive ETFs haben sich zu einer ernsthaften Erweiterung der ETF-Landschaft entwickelt. Mit neuen regulatorischen Freiräumen, wachsender Anlegernachfrage und verbessertem Kostenprofil entsteht eine Produktkategorie, die den Indexrahmen sinnvoll ergänzt. Sie richtet sich an Investoren, die strukturierte Transparenz wünschen, ohne auf die Möglichkeit aktiver Steuerung zu verzichten.

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