Der Markt für aktive ETFs in Europa hat sich binnen zwei Jahren verdreifacht

ETF-Format garantiert keine Outperformance Aktive ETFs wachsen – aber recht langsam

Aktive ETFs wachsen deutlich, bleiben jedoch im Verhältnis zum Gesamtmarkt klein.

Der Markt für aktive ETFs in Europa hat sich binnen zwei Jahren verdreifacht. Das klingt nach Durchbruch. Im Kontext eines Gesamtmarktes von rund 2,7 Billionen Euro bleibt der Anteil jedoch gering. Aktive ETFs sind sichtbar gewachsen, aber sie dominieren den Markt nicht. Die Entwicklung wirft eine strukturelle Frage auf: Ist das Wachstum Vorbote eines Paradigmenwechsels – oder bleibt aktives Management im ETF-Mantel ein Randphänomen?


Wachstum in Relation zum Gesamtmarkt

Die Verdopplung oder Verdreifachung kleiner Marktsegmente wirkt beeindruckend.

Entscheidend ist jedoch die Basis.

Selbst nach starkem Wachstum liegt der Marktanteil aktiver ETFs in Europa weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Der klassische ETF-Markt wird weiterhin von passiven Indexstrategien dominiert.

Diese zeichnen sich durch niedrige Kosten, hohe Transparenz und einfache Nachvollziehbarkeit aus.

Aktive ETFs versuchen, diese Eigenschaften mit selektiver Titelauswahl zu kombinieren.

Die Kombination ist konzeptionell attraktiv. Die Marktdurchdringung bleibt jedoch moderat.


Systematische Strategien als Brücke

Ein wesentlicher Treiber des Wachstums ist die Verschiebung von diskretionären zu systematischen Strategien. Systematische Ansätze basieren auf regelbasierten Modellen, quantitativen Kriterien oder Faktorstrategien.

Diese Modelle passen strukturell gut zum ETF-Format:

  • hohe Skalierbarkeit
  • standardisierte Prozesse
  • transparente Methodik
  • vergleichsweise niedrige Kosten

Systematische Strategien ermöglichen aktives Management ohne klassische Einzelfallentscheidungen. Sie sind weniger personalabhängig und besser replizierbar. Gleichzeitig bleibt offen, ob sie einen nachhaltigen Mehrwert gegenüber günstigen Faktor-ETFs bieten.


Kosten und Erwartungshaltung

Ob aktives Management im ETF-Mantel zum neuen Standard wird, entscheidet sich weniger am Wachstumstempo als an der langfristigen Renditequalität."

Ein zentrales Argument für aktive ETFs ist die niedrigere Kostenstruktur im Vergleich zu klassischen Publikumsfonds. Während traditionelle aktive Fonds häufig Gebühren von 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr verlangen, liegen aktive ETFs oft deutlich darunter.

Dennoch sind sie teurer als rein passive Produkte. Investoren erwarten daher eine Outperformance nach Kosten. Genau hier liegt die Herausforderung.

Langfristige Studien zeigen, dass viele aktive Strategien es schwer haben, ihre Vergleichsindizes dauerhaft zu schlagen. Das ETF-Format allein ändert daran nichts.


Marktkonsolidierung wahrscheinlich

Im Jahr 2025 wurden 139 neue aktive ETFs in Europa aufgelegt. Diese Zahl signalisiert Dynamik, deutet aber auch auf zunehmenden Wettbewerb hin.

Nicht alle Produkte werden dauerhaft bestehen. Anbieter ohne kritische Masse oder klare Positionierung dürften Schwierigkeiten haben, Volumen aufzubauen. Etablierte Häuser wie J.P. Morgan, Fidelity oder PIMCO verfügen über Markenstärke, Vertrieb und Research-Infrastruktur.

Kleinere Anbieter müssen sich entweder über spezialisierte Strategien oder über Kosten differenzieren.


Strukturwandel oder Zwischenphase

Aktive ETFs stehen zwischen zwei Welten. Sie kombinieren das Vehikel der passiven Indexreplikation mit aktiver Titelselektion. Das erzeugt eine hybride Position.

Mögliche Entwicklungspfade sind:

  • schrittweise Marktanteilsgewinne durch Kostenvorteile
  • stärkere Dominanz systematischer Strategien
  • Konsolidierung mit Fokus auf wenige große Anbieter
  • Verbleib als Nischenprodukt

Der weitere Verlauf hängt davon ab, ob aktive ETFs konsistent Mehrwert liefern können.


Fazit

Aktive ETFs wachsen deutlich, bleiben jedoch im Verhältnis zum Gesamtmarkt klein. Das ETF-Format allein garantiert keine Outperformance. Systematische Strategien bieten strukturelle Vorteile, müssen aber ihren Mehrwert im Wettbewerb mit günstigen passiven Produkten beweisen. Die kommenden Jahre dürften von Konsolidierung geprägt sein. Ob aktives Management im ETF-Mantel zum neuen Standard wird, entscheidet sich weniger am Wachstumstempo als an der langfristigen Renditequalität.

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