Der ARK Innovation ETF von Cathie Wood war während der Pandemie eines der sichtbarsten Symbole der Börseneuphorie

Rekord-Verlustserie Anlegerflucht aus Cathie Woods Flaggschiff

Spekulative Wachstumsstrategien im Stimmungsumschwung.

Der ARK Innovation ETF von Cathie Wood war während der Pandemie eines der sichtbarsten Symbole der Börseneuphorie. Der Fonds investiert gezielt in Unternehmen, die als „disruptive Innovation“ gelten – darunter Elektrofahrzeuge, Genomik, Finanztechnologie und digitale Plattformmodelle. In der Niedrigzinsphase schien dieses Konzept den Nerv der Zeit zu treffen.

Mit dem Zinsanstieg und der geldpolitischen Straffung ab 2022 setzte jedoch ein deutlicher Stimmungsumschwung ein. Wachstumswerte mit hohen Zukunftserwartungen gerieten unter Druck, Bewertungsniveaus wurden neu kalibriert. Der Fonds kämpft seither mit Verlusten, Mittelabflüssen und deutlicher Underperformance gegenüber breiteren Vergleichsindizes.


Bewertungslogik und Zinswende

In den Jahren 2020 und 2021 profitierten wachstumsorientierte Strategien von mehreren Faktoren: expansive Geldpolitik, historisch niedrige Zinsen und hohe Liquidität. Unternehmen mit starkem Umsatzwachstum, aber teilweise noch negativen Gewinnen, wurden hoch bewertet. Zukunftspotenzial stand über kurzfristiger Profitabilität.

Mit steigenden Zinsen änderte sich die Bewertungsgrundlage. Der Gegenwartswert zukünftiger Gewinne sinkt, wenn der Diskontierungszins steigt. Diskontierung bezeichnet die Abzinsung künftiger Erträge auf ihren heutigen Wert. Wachstumsunternehmen, deren Ertragskraft weit in der Zukunft liegt, reagieren besonders sensibel auf diesen Effekt.

Über einzelne Zeiträume hinweg fallen Renditen unterschiedlich aus. Kurzfristige Erholungen können das Bild temporär verbessern. Betrachtet man jedoch den breiteren Nach-Pandemie-Zyklus, ist die Lücke zu großen Vergleichsindizes deutlich.

Der S&P 500, der kapitalgewichtet ist und stark von großen profitablen Technologiekonzernen geprägt wird, entwickelte sich stabiler. Diese Unternehmen verfügten über robuste Cashflows und profitierten ebenfalls von strukturellen Trends, jedoch mit solider Ertragsbasis.


Kapitalabflüsse und Größenordnung

Der Stimmungsumschwung spiegelt sich nicht nur in der Performance, sondern auch im Fondsvolumen wider. Im Februar 2021, dem Höhepunkt der Corona-Börseneuphorie, erreichte das verwaltete Vermögen des ARK Innovation ETF rund 28 Milliarden US-Dollar. Inzwischen liegt es bei etwa sechs Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 80 Prozent gegenüber dem Rekordstand.

Seit Jahresbeginn verzeichnet der Fonds ein Minus von rund neun Prozent. Zusätzlich flossen netto etwa 120 Millionen US-Dollar ab, wie von der Nachrichtenagentur Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Mittelabflüsse wirken in thematisch fokussierten Strategien häufig verstärkend. Müssen Positionen zur Bedienung von Rückgaben veräußert werden, erhöht sich der Druck auf einzelne Titel zusätzlich.


Zyklische Verschiebung oder strukturelles Problem

Die Verlustserie des ARK Innovation ETF verdeutlicht, wie stark spekulative Wachstumsstrategien vom Zinsumfeld und der Marktstimmung abhängen. In Niedrigzinsphasen profitieren sie überproportional, in Phasen geldpolitischer Straffung geraten sie unter erheblichen Druck."

Die Underperformance ist Ausdruck einer zyklischen Bewertungsverschiebung. In Niedrigzinsphasen steigen Bewertungsmultiplikatoren wachstumsstarker Unternehmen überproportional. In Phasen geldpolitischer Straffung werden diese Bewertungen korrigiert.

Typische Begleiterscheinungen solcher Phasen sind:

  • sinkende Bewertungsmultiplikatoren
  • erhöhte Volatilität
  • Kapitalabflüsse aus spezialisierten Themenfonds
  • stärkere Nachfrage nach profitablen Großunternehmen

Anhänger von Woods Vision disruptiver Innovation mussten erleben, dass spekulative Wachstumswerte mit steigenden Zinsen und einer selektiveren Haltung des Marktes unter Druck geraten.


Strukturfragen thematischer Strategien

Der ARK Innovation ETF ist ein aktiv gemanagter Themen-ETF mit hoher Überzeugungsdichte. Solche Strategien bieten in Euphoriephasen überdurchschnittliches Potenzial, tragen jedoch erhebliche Konzentrationsrisiken. Weichen Kernpositionen stark vom Markttrend ab, wirkt sich dies unmittelbar auf die Gesamtperformance aus.

Breite Indizes streuen das Risiko stärker über Sektoren und Geschäftsmodelle. Kapitalgewichtete Strukturen erhöhen zwar die Abhängigkeit von Schwergewichten, bieten jedoch eine größere Diversifikation als fokussierte Innovationsstrategien.


Fazit

Die Verlustserie des ARK Innovation ETF verdeutlicht, wie stark spekulative Wachstumsstrategien vom Zinsumfeld und der Marktstimmung abhängen. In Niedrigzinsphasen profitieren sie überproportional, in Phasen geldpolitischer Straffung geraten sie unter erheblichen Druck. Der Rückgang des Fondsvolumens von rund 28 auf etwa sechs Milliarden US-Dollar unterstreicht die Dimension des Stimmungswechsels.

Die Entwicklung ist weniger ein Urteil über technologische Innovation als über Bewertungsniveaus und Kapitalstruktur. Thematische Konzentration erhöht die Ausschläge in beide Richtungen. Wer solche Strategien nutzt, sollte sich der zyklischen Bewertungsmechanik und der damit verbundenen Volatilität bewusst sein.

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