Widerstand bei Aktionären regt sich

Nach den Klein- nun auch die Großaktionäre Aufsichtsräte sollen weniger bekommen

Auch Großaktionäre machen mobil und sprechen sich nun gegen verselbständigte Aufsichtsratsvergütungen aus. Damit stellen sie sich solidarisch an die Seite der Kleinaktionäre, die bislang erfolglos die Boni-Politik reklamiert hatten.

Die Selbstbedienungsmentalität der Management- und Aufsichtsratselite in den großen DAX-Unternehmen gerät regelmäßig in die Schlagzeilen, allerdings prallte die Kritik bislang scheinbar vollkommen wirkungslos an den Protagonisten ab. Es beschwerten sich Gewerkschaften und Vertreter der Politik, die bei einigen der betroffenen Unternehmen selbst im Aufsichtsrat sitzen - naturgemäß ohne Effekt. Nun droht aber Ärger von einer Front, die wirklich etwas bewirken könnte: von den Großinvestoren.

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Die Vergütung der Chefkontrolleure - offenbar unabhängig von Leistung

Sie sind das höchste Kontrollgremium in einem Unternehmen und haben die originäre Aufgabe, der Geschäftsführung kritisch auf die Finger zu schauen. Dafür werden die Aufsichtsräte vergütet: Auch wenn sie in vielen Fällen nur rund 20 Sitzungen pro Jahr zu absolvieren haben, liegen diese Zahlungen im Durchschnitt bei 360.000 Euro jährlich. Aus diesem ohnehin nicht zu knappen Salär hebt sich ein Konzern deutlich ab - nämlich die Deutsche Bank, die ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden sogar 800.000 Euro pro Jahr bezahlt. 

Nun mag eine solche Vergütung in einem florierenden Unternehmen als Lohn für eine erfolgreiche Tätigkeit noch ansatzweise nachvollziehbar sein. Diese jedoch angesichts der vielfältigen Klagen, der in den Keller gerutschten Aktienkurse und geschrumpften Gewinne mit den weggefallenen Boni zu begründen, darf mit Fug und Recht als dreist bezeichnet werden. Wäre es nicht eigentlich die Aufgabe des Aufsichtsrates, sich korrigierend einzuschalten, neue Strategien anzuregen und vor allem für Transparenz gegenüber den Aktionären zu sorgen? Das Gegenteil ist geschehen, eine Verärgerung der Investoren daher berechtigt.

Die Selbstbedienungsmentalität der Elite in den großen DAX-Unternehmen gerät regelmäßig in die Schlagzeilen."

Widerstand bei Aktionären regt sich - Aufsichtsräte im Fokus

Es ist vor allem die Tatsache, dass die Vergütungen der Aufsichtsräte teilweise vollkommen unabhängig von der aktuellen Situation im Unternehmen gezahlt werden. Wie sonst ließen sich die Boni von 1,5 Millionen Euro in der Volkswagen AG erklären? Angesichts der Tatsache, dass im selben Aufsichtsrat nämlich auch Gewerkschaften und Vertreter des Landes sitzen, wobei Letzteres immerhin Großaktionär ist. 

Dass sich hier eine Zeitenwende abzeichnet und die Großinvestoren sich mit Kleinaktionären zusammentun, zeigten die Hauptversammlungen der Allianz und der Münchner Rückversicherung: Die Vergütungssysteme werden wegen fehlender Transparenz auf den Prüfstand gestellt, was einige der Beteiligten in Erklärungsnot bringen dürfte. Diese Vorgehensweise ist keineswegs neu. Schon im Vorjahr sah sich die Führungsriege der Deutschen Bank mit einer kritischen Hauptversammlung konfrontiert, die für einige Umstände Rechenschaft forderte. Es bleibt zu hoffen, dass diese Einzelerscheinungen sich zum Trend auswachsen.

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