Seit März 2016 liegt der Zinssatz für Bankeinlagen bei der EZB im Rahmen der sogenannten Einlagefazilität bei -0,4 Prozent

Um Strafzinsen bei der EZB zu vermeiden Auch Banken horten Bargeld

Banken, die überschüssige Liquidität haben, parken dieses Geld üblicherweise "über Nacht" bei der Zentralbank, bis es rentierlicher angelegt werden kann. Doch in Zeiten von EZB-Strafzinsen überlegen sich das die Institute inzwischen gut.

Seit März 2016 liegt der Zinssatz für Bankeinlagen bei der EZB im Rahmen der sogenannten Einlagefazilität bei -0,4 Prozent, vorher waren es -0,1 Prozent. Für einen durchschnittlichen Einlagenbestand von einer Million Euro fallen dann im Jahr 4.000 Euro Strafzinsen an. Das mag nicht dramatisch klingen, doch bei den Einlagen der Banken geht es um Milliarden-Beträge. Und dann summieren sich die Strafzinsen schon.

Zehn Milliarden Euro Bargeld mehr in Banktresoren 

Die Möglichkeiten, die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben, sind begrenzt. Zwar machen einige Banken inzwischen davon Gebrauch, doch in der Regel geschieht das sehr vorsichtig und zögernd. Man scheut einen Imageschaden und fürchtet um seine Position im Wettbewerb, wenn Kunden in größerem Umfang Gelder abziehen. Andererseits schlagen sich die Strafzinsen immer unangenehmer in der Gewinn- und Verlustrechnung nieder, je länger der Zustand andauert. 

Manche Bank ist mittlerweile auf einen Ausweg verfallen, der an "Omas Sparstrumpf" erinnert. Sie horten Bargeld lieber bei sich im Tresor, anstatt es als Einlage bei der EZB zu parken. Das bringt zwar keine Erträge, aber Strafzinsen fallen eben auch nicht an. In den letzten beiden Jahren sollen die Bargeldbestände deutscher Banken um zehn Milliarden Euro zugenommen haben. Dieser bemerkenswerte Zuwachs dürfte zu einem Gutteil der Zinssituation zuzuschreiben sein, denn es gibt sonst wenig Argumente, warum die Banken mehr Bares horten sollten. Im Gegenteil, immer mehr Transaktionen werden unbar abgewickelt und über Bargeld-Beschränkungen wird regelmäßig diskutiert.

Nicht im Interesse der EZB 

Im Gegensatz zu Omas Sparstrumpf dürfte das Geld in den Banktresoren zumindest sicher sein. Doch ganz kostenlos ist die Bargeldhaltung natürlich nicht. Eine Milliarde in 200-Euro-Scheinen sind fünf Tonnen Papier, die transportiert, gelagert, ge- und versichert werden müssen. Auch das kostet Geld. Insofern handelt es sich um eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Für viele Kreditinstitute geht die Rechnung mit der Lagerung auf.

Der EZB dürfte die Bargeldhortung wenig gefallen."

Der EZB dürfte die Bargeldhortung wenig gefallen, werden damit doch ihre geldpolitischen Maßnahmen konterkariert. Die Negativzinsen waren eigentlich eingeführt worden, um die Kreditvergabe der Banken zu stimulieren. Überschüssiges Geld einfach "einzubunkern" ist das Gegenteil davon.

Diese Reaktion zeigt auch, dass den Instituten sichtlich die Phantasie fehlt, die von der EZB produzierte Geldschwemme noch rentierlich zu investieren. An der Abschaffung von Bargeld dürfte den Banken im wohlverstandenen Eigeninteresse derzeit wenig gelegen sein.

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