Das Wissen der Massen anzapfen - verlässliche Prognosen erstellen

Was taugen Prognosen? Erfahrungsschatz vieler Menschen nutzen

Prognosen sind nach den letzten Wahlausgängen in Verruf geraten, zu weit lagen sie neben den tatsächlichen Ergebnissen. Allerdings gibt es Prognosebörsen, deren Vorhersagen auf Erfahrungen beruhen und nur geringe Abweichungen aufweisen.

Umfragen haben sich als wenig verlässlich erwiesen, um den Ausgang von Wahlen vorherzusagen. Einerseits ist der Aufwand groß, andererseits sind sie schon wieder überholt, sobald die Ergebnisse veröffentlicht werden. Im Gegensatz zu dieser klassischen Methode eröffnen Prognosebörsen die Möglichkeit, mit den eigenen Erwartungen rund um die Uhr zu handeln. Die Idee geht auf den Ökonomen und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek zurück, der bereits 1945 seinen Aufsatz "The Use of Knowledge in Society" veröffentlichte.

Autorenbox (bitte nicht verändern)

Das Wissen der Massen anzapfen - verlässliche Prognosen erstellen

Hayek ging demnach davon aus, dass die Teilnehmer im Aktienhandel ihre Entscheidungen auf der Grundlage bestimmter Informationen und persönlicher Wertungen treffen: Sie wollen den potenziellen Verlust durch den Verkauf eines überbewerteten Papiers vermeiden oder sich Gewinnchancen eröffnen, indem sie eine aus ihrer Sicht unterbewertete Aktie erwerben. Dieses Wissen an einer Börse für Prognosen einzusetzen, müsste also eine solide Erfahrungsbasis ergeben.

Erst 1988 wurde dieser Ansatz umgesetzt: Die Universität Iowa startete ihre Prognosebörse zur Wahlentscheidung um den nächsten US-Präsidenten zwischen George Bush sen. und Michael Dukakis. Es konnten zwar nur 192 Händler teilnehmen, doch die Ergebnisse wichen nur um wenige Zehntel ab - bei Wahlumfragen müssen generell rund zwei Prozentpunkte eingeplant werden. Heute darf sich jeder Interessierte an der Iowa Political Stock Market betätigen, eingesetzt wird zwischenzeitlich echtes Geld. Den Wahlausgang Ende 2016 hatten aber auch diese Händler nicht auf dem Schirm, Hillary Clinton hätte mit 53 Prozent gewinnen müssen.

Umfragen haben sich als wenig verlässlich erwiesen, um den Ausgang von Wahlen vorherzusagen."

Die gravierenden Unterschiede: Fragestellung und Handelszeiten

Um das Prinzip der Prognosebörsen zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die Fragestellung: Interessant ist nicht die Partei, für die sich der Teilnehmer entscheiden würde, sondern der Prozentsatz, den die jeweilige Partei nach seiner Meinung erreichen wird. Da die Prognosebörse rund um die Uhr "geöffnet" ist, fließen aktuelle Entwicklungen direkt in die Ergebnisse ein. Damit unterscheiden sich diese Prognosen schon dem Prinzip nach von den üblichen Befragungen, was ihre erstaunlichen Erfolgsquoten und die durchschnittlichen Abweichungen von nur 0,9 Prozentpunkten erklärt.

Naturgemäß sind Prognosen auch für die Wirtschaft interessant. So nutzen neben den Internet-Giganten auch die Deutsche Bank und Telekom diese Möglichkeit, die Erfolgsaussichten geplanter Projekte im Vorfeld prüfen zu lassen oder die Entwicklung wichtiger Indikatoren, der Arbeitslosenzahl oder Preise ermitteln zu lassen. Umstritten war jedoch eine Prognose von Terroranschlägen - hier hat die Prognosebörse ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

Kontakt zu mir

Hallo!
Schön, dass Sie mich kennenlernen möchten.