Finanzlexikon Erneuerbare-Energien-Fonds
Planbare Cashflows zwischen Regulierung und Strompreisschwankungen.
Geschlossene Fonds im Bereich erneuerbare Energien investieren meist in konkrete Anlagen wie Windparks, Solarparks oder Biomasseprojekte. Anleger beteiligen sich unternehmerisch an diesen Projekten und partizipieren an den Erlösen aus Stromproduktion. Im Unterschied zu börsennotierten Energieunternehmen stehen hier einzelne Anlagen oder klar definierte Projektportfolios im Mittelpunkt.
Die Attraktivität liegt in vergleichsweise planbaren Einnahmen. Gleichzeitig spielen regulatorische Rahmenbedingungen und Energiepreise eine zentrale Rolle.
Typische Struktur und Rahmendaten
Geschlossene Erneuerbare-Energien-Fonds weisen ähnliche Grundstrukturen auf wie andere geschlossene Fonds, unterscheiden sich jedoch in ihrer Erlöslogik.
Praxisüblich sind:
- Mindestbeteiligungen zwischen 10.000 und 20.000 Euro
- Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren
- prognostizierte Ausschüttungen von 5 bis 7 Prozent pro Jahr
- Gesamtrenditen im ähnlichen Bereich, abhängig vom Verkaufserlös
Ein typisches Modell: Ein Fonds erwirbt mehrere Windenergieanlagen mit langfristigen Einspeiseverträgen. Die Erlöse ergeben sich aus garantierten Vergütungssätzen oder langfristigen Stromabnahmeverträgen. Nach Ablauf der Betriebsphase wird das Projekt verkauft oder weiterbetrieben.
Die tatsächliche Rendite hängt dabei von drei Faktoren ab: Stromertrag, Strompreis und Kostenentwicklung.
Einnahmestruktur und Planbarkeit
Geschlossene Erneuerbare-Energien-Fonds bieten planbare Cashflows mit langfristiger Perspektive. Ihre Zielrenditen liegen häufig über offenen Immobilienfonds, aber unter langfristigen Aktienrenditen."
Erneuerbare-Energien-Fonds profitieren von relativ gut kalkulierbaren Produktionsmengen. Wind- und Solarerträge lassen sich statistisch über Jahre hinweg prognostizieren. Diese Berechenbarkeit bildet die Grundlage für regelmäßige Ausschüttungen.
Allerdings bestehen dennoch Unsicherheiten:
- schwankende Wind- oder Sonnenerträge
- technische Ausfälle
- steigende Wartungs- und Betriebskosten
- Änderungen regulatorischer Förderbedingungen
In vielen Fällen sind Einnahmen teilweise staatlich abgesichert, insbesondere bei älteren Projekten mit festen Einspeisevergütungen. Neuere Projekte sind stärker marktorientiert und damit stärker vom Strompreis abhängig.
Vergleich mit offenen Fonds und ETFs
Offene Fonds oder ETFs im Energiesektor investieren meist in börsennotierte Unternehmen – etwa Betreiber von Windparks, Solaranlagen oder Versorger. Diese Anlagen unterliegen täglichen Kursschwankungen.
Langfristige Aktienrenditen im Energiesektor können im Bereich von 6 bis 8 Prozent pro Jahr liegen, schwanken jedoch stark. Geschlossene Erneuerbare-Energien-Fonds zielen dagegen auf stabilere Ausschüttungen von 5 bis 7 Prozent pro Jahr, verzichten aber auf Liquidität.
Der strukturelle Unterschied:
- Offene Fonds bieten tägliche Handelbarkeit.
- Geschlossene Fonds binden Kapital über 15 Jahre oder länger.
- Aktien reagieren stark auf Zinsen und Marktstimmung.
- Projektfonds hängen primär von operativen Erträgen ab.
Die Renditeprämie geschlossener Fonds ist somit eine Illiquiditäts- und Projektrisiko-Prämie.
Einfluss von Regulierung und Energiepolitik
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Erneuerbare Energien sind politisch gewollt.
Fördermechanismen, Ausschreibungsmodelle und Klimaziele beeinflussen die Wirtschaftlichkeit erheblich.
Änderungen in Subventionssystemen oder Netzentgelten können Kalkulationen verändern.
Gleichzeitig wirkt der strukturelle Trend zur Dekarbonisierung unterstützend.
Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt politisch priorisiert.
Diese langfristige Perspektive schafft Planungssicherheit, ersetzt jedoch keine Projektrisikoanalyse.
Kosten und Kapitalbindung
Wie bei anderen geschlossenen Fonds fallen auch hier initiale Kosten an. Agio und Strukturierungskosten reduzieren das tatsächlich investierte Kapital. Diese Effekte müssen durch laufende Erträge kompensiert werden.
Die Kapitalbindung ist besonders lang. Eine vorzeitige Veräußerung ist meist nur über einen eingeschränkten Zweitmarkt möglich. Abschläge von 10 bis 25 Prozent sind keine Seltenheit.
Die Anlage eignet sich daher nur für Kapital, das langfristig entbehrlich ist.
Risiko- und Ertragsprofil
Erneuerbare-Energien-Fonds kombinieren relativ stabile operative Erträge mit unternehmerischem Risiko. Die Volatilität ist nicht täglich sichtbar, da keine Börsenkurse existieren. Das Risiko verschwindet jedoch nicht, sondern wirkt über Projektergebnisse und den späteren Verkaufswert.
Langfristig können Renditen im Bereich von 5 bis 7 Prozent realistisch sein, sofern Erträge planmäßig verlaufen. In schwachen Strommarktphasen oder bei technischen Problemen kann die Rendite deutlich niedriger ausfallen.
Einordnung im Portfolio
Als Beimischung können Erneuerbare-Energien-Fonds eine Stabilisierung gegenüber stark schwankenden Aktienanlagen bieten. Gleichzeitig erhöhen sie die Illiquidität des Portfolios.
Eine sinnvolle Integration setzt voraus:
- ausreichende Liquiditätsreserven
- breite Diversifikation außerhalb des Fonds
- Verständnis für regulatorische und technische Risiken
Fazit
Geschlossene Erneuerbare-Energien-Fonds bieten planbare Cashflows mit langfristiger Perspektive. Ihre Zielrenditen liegen häufig über offenen Immobilienfonds, aber unter langfristigen Aktienrenditen. Die höhere Kapitalbindung und das Projektrisiko erklären diese Renditeerwartung. Für langfristig orientierte Anleger können sie eine Ergänzung darstellen, sofern Laufzeit, Liquidität und Risikotragfähigkeit zueinander passen.
Freiräume schaffen für ein gutes Leben.








