Blackrock Goldenes Zeitalter für Anleihen
Hohe laufende Erträge rücken wieder in den Mittelpunkt, Europa wirkt dabei besonders attraktiv.
Nach Jahren, in denen Anleihen unter Nullzinsen, hoher Inflation oder schwacher realer Verzinsung litten, beschreibt BlackRock das Umfeld nun deutlich freundlicher. Im aktuellen Fixed-Income-Ausblick spricht der Vermögensverwalter von einem „goldenen Zeitalter“ für Anleihen. Der Kern der Aussage ist klar: Nicht Kursfantasie, sondern laufender Ertrag soll wieder der wichtigste Renditetreiber sein. BlackRock sieht dabei nicht nur die USA, sondern ausdrücklich auch Europa in einer besseren Ausgangslage.
Warum Anleihen wieder interessanter wirken
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Die Grundidee ist einfach. Wenn Anleiherenditen wieder spürbar über null liegen und der Inflationsdruck gleichzeitig nachlässt, wird der laufende Zinsertrag wieder wertvoller. BlackRock betont in seinem Ausblick, dass „Income“ heute der dominierende Treiber für Anleiherenditen sei.
Für Anleger bedeutet das: Man muss nicht mehr allein auf sinkende Zinsen oder starke Kursgewinne hoffen, um mit Rentenpapieren ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen.
Hinzu kommt, dass der Ausgangspunkt heute anders ist als in den Jahren der Null- und Negativzinsen. BlackRock verweist darauf, dass Investoren erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder Portfolios mit höherer Qualität, geringerer Volatilität und zugleich materiell höheren Renditen aufbauen könnten.
Genau darin liegt die eigentliche Botschaft des Hauses: Anleihen sind nicht nur wieder ein Sicherheitsbaustein, sondern auch wieder eine ernstzunehmende Ertragsquelle.
Europa steht besonders im Fokus
Besonders konstruktiv äußert sich BlackRock zu Europa. James Turner, Head of Global Fixed Income in EMEA, beschreibt Europa als einen Markt, dessen Attraktivität durch höhere reale Renditen, bessere Kreditfundamentaldaten und stetige Zuflüsse wiederhergestellt werde. Im offiziellen Outlook heißt es, Europas „yield reset“ schaffe neue Chancen.
In der ausführlicheren Outlook-Publikation wird das konkreter. Dort schreibt BlackRock, dass die nominalen Renditen in Europa auf etwa 3 Prozent gestiegen seien, während sich die Inflationserwartungen unterhalb des EZB-Ziels von 2 Prozent stabilisierten. Daraus resultierten reale Renditen von knapp unter 2 Prozent, laut BlackRock die höchsten Niveaus seit mehr als zehn Jahren. Für den Rentenmarkt ist das eine wichtige Veränderung, weil reale Erträge wieder sichtbar werden.
Diese Sicht auf Europa stützt BlackRock zusätzlich mit dem Hinweis auf verbesserte Kreditqualität und unterstützende technische Faktoren. Gemeint ist damit unter anderem, dass Kapitalzuflüsse, Marktstruktur und Angebots-Nachfrage-Verhältnisse den Markt derzeit nicht belasten, sondern eher stabilisieren. Europa erscheint aus dieser Perspektive nicht spektakulär wachstumsstark, aber ausreichend robust für ein tragfähiges Rentenumfeld.
Unternehmensanleihen bleiben interessant, aber nicht sorglos
BlackRock sieht ein Umfeld, in dem höhere Startverzinsungen, sinkender Inflationsdruck und stabilere Fundamentaldaten die Ertragskraft des Rentenmarkts verbessern. Europa steht dabei besonders im Fokus, weil nominale Renditen um 3 Prozent und reale Renditen knapp unter 2 Prozent wieder ein Niveau erreicht haben, das längere Zeit nicht verfügbar war."
Auch bei Unternehmensanleihen bleibt BlackRock konstruktiv. Gleichzeitig ist der Ton hier etwas nüchterner. Die Spreads, also die Zinsaufschläge gegenüber Staatsanleihen, sind in vielen Segmenten bereits eng. Das heißt: Ein Teil der guten Nachrichten ist im Markt schon verarbeitet. Der Vermögensverwalter betont deshalb stärker die Bedeutung von Selektivität. Nicht der gesamte Markt sei billig, aber innerhalb des Marktes gebe es weiterhin attraktive Ertragsquellen.
Gerade dieser Punkt ist wichtig. Das Bild eines „goldenen Zeitalters“ bedeutet bei BlackRock nicht, dass jede Anleihe automatisch attraktiv wäre. Im Gegenteil: Der Ausblick hebt mehrfach hervor, dass die Unterschiede zwischen Regionen, Laufzeiten, Sektoren und Emittenten zunehmen. Wer im Anleihemarkt Chancen nutzen will, muss also genauer hinschauen, wo Rendite, Fundamentaldaten und Liquidität zusammenpassen.
Die entscheidenden Punkte lassen sich so bündeln:
- Laufender Ertrag steht wieder stärker im Zentrum der Rendite.
- Europa erscheint wegen höherer Realrenditen besonders interessant.
- Unternehmensanleihen bleiben attraktiv, verlangen aber mehr Auswahl.
Fazit
BlackRock zeichnet ein für Anleihen deutlich freundlicheres Bild als noch vor wenigen Jahren. Der Vermögensverwalter sieht ein Umfeld, in dem höhere Startverzinsungen, sinkender Inflationsdruck und stabilere Fundamentaldaten die Ertragskraft des Rentenmarkts verbessern. Europa steht dabei besonders im Fokus, weil nominale Renditen um 3 Prozent und reale Renditen knapp unter 2 Prozent wieder ein Niveau erreicht haben, das längere Zeit nicht verfügbar war.
Die größere Aussage des Ausblicks liegt jedoch nicht im Schlagwort vom „goldenen Zeitalter“, sondern in der veränderten Funktion von Anleihen. Sie werden wieder stärker als Ertragsquelle ernst genommen. Gleichzeitig bleibt der Markt anspruchsvoll. Wer in Anleihen investiert, kann wieder mehr laufende Zinsen vereinnahmen, muss aber genauer zwischen guten, teuren und wirklich attraktiven Marktsegmenten unterscheiden. Genau darin liegt die neue Qualität dieses Umfelds.
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