Konsum statt KI Goldman Sachs entdeckt Value neu
Der Fokus auf konsumnahe Value-Titel rückt reale Nachfrage und stabile Erträge in den Vordergrund.
Nach der starken KI-Rally an den US-Börsen richtet sich der Blick vieler Strategen auf alternative Ertragstreiber. Technologische Zukunftsversprechen bleiben präsent, verlieren aber ihre Alleinstellung. Bei Goldman Sachs rückt nun ein klassisches Thema wieder stärker in den Fokus: der private Konsum – insbesondere im Value-Segment.
Ein Strategenteam um Ben Snider setzt gezielt auf Unternehmen, die von steigenden Ausgaben der US-Mittelschicht profitieren. Der Ansatz markiert eine Verschiebung der Perspektive. Statt weiterer Bewertungsfantasie im Technologiesektor geht es um reale Nachfrage, Preissetzungsmacht und stabile Cashflows.
Abkehr von der einseitigen KI-Logik
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Die Kursentwicklung vieler KI-naher Unternehmen hat Bewertungen auf ein Niveau geführt, das hohe Erwartungen bereits einpreist.
Für Strategen wird damit die Frage relevanter, wo zusätzliche Ertragspotenziale entstehen können, ohne auf neue Narrative angewiesen zu sein.
Goldman Sachs verfolgt einen bewusst nüchternen Ansatz.
Konsum wird nicht als kurzfristiger Impuls verstanden, sondern als struktureller Stabilitätsfaktor.
Steigende Einkommensteile der Mittelschicht fließen zunehmend in Ausgaben, die über das Notwendige hinausgehen.
Fokus auf reale Nachfrage
Im Zentrum stehen Unternehmen, deren Geschäftsmodelle eng an das tatsächliche Ausgabeverhalten geknüpft sind. Dabei geht es nicht um Luxus, sondern um Konsum mit Alltagsnähe und Wiederholungspotenzial.
Bevorzugt werden unter anderem:
- Gesundheitsdienstleister mit stabiler Nachfrage
- Materialhersteller mit breiter industrieller Basis
- Produzenten von Gütern des täglichen Bedarfs
- Anbieter konsumorientierter Zusatzprodukte
Diese Sektoren profitieren von Volumen, nicht von Vision. Erträge entstehen aus Nutzung, nicht aus Erwartung.
„Nice to have“ statt Grundversorgung
Der Fokus auf konsumnahe Value-Titel rückt reale Nachfrage und stabile Erträge in den Vordergrund. Gesundheitsdienstleister, Basiskonsum und ausgewählte „Nice-to-have“-Anbieter gelten als Profiteure steigender Ausgaben der Mittelschicht."
Besonders interessant sind für das Goldman-Team Unternehmen, deren Produkte nicht zwingend notwendig sind, aber regelmäßig nachgefragt werden. Diese „Nice-to-have“-Kategorie liegt zwischen Grundversorgung und Luxus.
Solche Ausgaben reagieren weniger sensibel auf kurzfristige Konjunkturschwankungen. Sie lassen sich aufschieben, werden aber selten dauerhaft gestrichen. Für Unternehmen entsteht daraus eine Mischung aus Preissetzungsspielraum und Nachfragebeständigkeit.
Value als Gegenpol zur Wachstumsfantasie
Der Ansatz ordnet sich klar dem Value-Segment zu. Niedrigere Bewertungen, nachvollziehbare Geschäftsmodelle und laufende Erträge stehen im Vordergrund. Wachstum entsteht hier nicht aus disruptiven Technologien, sondern aus Konsumtrends und Skaleneffekten.
Value wird damit nicht als defensiver Rückzugsraum verstanden, sondern als aktiver Baustein in einem Umfeld nachlassender Bewertungsdynamik. Der Fokus verschiebt sich von Potenzial zu Umsetzung.
Bedeutung für den US-Aktienmarkt
Die Neuausrichtung zeigt, dass die Marktphase nach der KI-Euphorie differenzierter wird. Investoren suchen nach tragfähigen Erträgen jenseits einzelner Technologiethemen. Konsumorientierte Value-Titel bieten hier eine Alternative, die weniger anfällig für Stimmungswechsel ist.
Für den breiten Markt bedeutet das eine stärkere Spreizung. Nicht alle Sektoren profitieren gleichermaßen. Fundamentale Unterschiede gewinnen an Bedeutung.
Fazit
Goldman Sachs setzt nach der KI-Rally auf einen Perspektivwechsel. Der Fokus auf konsumnahe Value-Titel rückt reale Nachfrage und stabile Erträge in den Vordergrund. Gesundheitsdienstleister, Basiskonsum und ausgewählte „Nice-to-have“-Anbieter gelten als Profiteure steigender Ausgaben der Mittelschicht. Der Ansatz steht für eine Rückbesinnung auf Fundamentaldaten in einem zunehmend selektiven Marktumfeld.
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