Analyse Home Bias bei Profi-Investoren
Der Home Bias ist auch bei professionellen Investoren klar nachweisbar. Deutsche Fonds gewichten heimische und europäische Märkte systematisch höher und US-Aktien deutlich niedriger als globale Indizes.
Der sogenannte Home Bias gilt als bekanntes Phänomen privater Geldanlage. Kapital wird bevorzugt im eigenen Heimatmarkt investiert, obwohl globale Streuung Risiken reduzieren könnte. Weniger bekannt ist, dass dieses Muster auch bei professionellen Investoren auftritt. Eine Untersuchung von HQ Trust zeigt, dass selbst global ausgerichtete Fonds regional deutlich von weltweiten Marktgewichten abweichen.
Im Zentrum der Analyse stehen deutsche Sondervermögen mit internationalem Anlageanspruch. Deren Portfolios werden mit der Struktur des weltweiten Aktienmarkts verglichen, wie er im MSCI ACWI abgebildet ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Home Bias ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Merkmal professioneller Portfoliosteuerung.
Was die Daten konkret zeigen
Der Home Bias ist auch bei professionellen Investoren klar nachweisbar. Deutsche Fonds gewichten heimische und europäische Märkte systematisch höher und US-Aktien deutlich niedriger als globale Indizes."
Die Untersuchung macht regionale Präferenzen messbar sichtbar. Fonds mit Sitz in Deutschland gewichten heimische und europäische Märkte systematisch höher als es der globale Index nahelegt:
- Deutsche Aktien sind im Schnitt um 4,2 Prozentpunkte übergewichtet.
- Frankreich und die Schweiz weisen ebenfalls deutliche Übergewichtungen auf.
- US-Aktien sind mit –8,9 Prozentpunkten die größte Untergewichtung.
Nach Einschätzung von Tachtler zeigt sich damit eine klare regionale Schwerpunktsetzung, die nicht mit globaler Marktneutralität übereinstimmt.
Warum Home Bias auch bei Profis entsteht
Im Unterschied zu Privatanlegern ist der Home Bias bei institutionellen Investoren selten emotional getrieben. Er entsteht aus strukturellen Rahmenbedingungen, die Anlageentscheidungen beeinflussen. Mehrere Faktoren wirken zusammen:
- Informationsnähe: Unternehmen aus dem Heimatmarkt sind regulatorisch vertrauter und leichter einzuordnen.
- Risikowahrnehmung: Politische, rechtliche und wirtschaftliche Risiken im eigenen Markt erscheinen kalkulierbarer.
- Benchmark-Logik: Regionale Vergleichsmaßstäbe prägen die Beurteilung von Performance.
Hinzu kommt ein karriererelevanter Aspekt. Abweichungen vom regionalen Konsens können reputationsschädlich sein, selbst wenn sie langfristig sinnvoll erscheinen. Der Home Bias wirkt damit stabilisierend für den Manager, nicht zwingend für das Portfolio.
Die Rolle der USA im globalen Vergleich
Besonders auffällig ist die Untergewichtung US-amerikanischer Aktien. Sie fällt in eine Phase, in der US-Titel einen erheblichen Anteil an globalen Indizes ausmachen. Diese Zurückhaltung deutet weniger auf eine bewusste Gegenpositionierung hin, sondern auf Vorsicht gegenüber hoher Marktkonzentration und Bewertung.
Gleichzeitig zeigt sich hier die Grenze globaler Mandate. Auch wenn Fonds formal weltweit investieren dürfen, werden regionale Risiken und Chancen unterschiedlich bewertet. Globale Streuung bleibt ein Ziel, wird aber durch institutionelle Präferenzen relativiert.
Einordnung für die Portfoliostruktur
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Der Home Bias professioneller Investoren ist kein Fehler, sondern ein erklärbares Ergebnis institutioneller Anreizsysteme.
Er kann Stabilität schaffen, erhöht aber auch regionale Abhängigkeiten.
In Phasen struktureller Marktverschiebungen kann dies zum Nachteil werden.
Die Analyse macht deutlich, dass Diversifikation kein automatisches Ergebnis professionellen Managements ist.
Sie erfordert bewusste Entscheidungen gegen vertraute Muster.
Gerade in global integrierten Märkten bleibt regionale Nähe ein prägender Faktor.
Fazit
Der Home Bias ist auch bei professionellen Investoren klar nachweisbar. Deutsche Fonds gewichten heimische und europäische Märkte systematisch höher und US-Aktien deutlich niedriger als globale Indizes. Die Untersuchung von HQ Trust zeigt, dass Informationsnähe, Benchmark-Logik und institutionelle Anreize Anlageentscheidungen nachhaltig prägen. Globale Mandate führen nicht automatisch zu globaler Neutralität.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.











