UBS beschreibt die Lösung als modular, mit einer großen Zahl von Bausteinen, die sich kombinieren lassen

UBS „My Way“ Kundengelder von über 30 Milliarden USD

Individualisierung wird zur Standardleistung im Wealth Management.

Die UBS meldet für ihre Vermögensverwaltungsplattform „UBS My Way“ verwaltete Kundengelder von über 30 Milliarden US-Dollar. In Medienberichten wird als Zeitpunkt „Ende 2025“ genannt. Bemerkenswert ist weniger die Zahl als der Weg dorthin. Was ursprünglich für sehr große Vermögen konzipiert war, wird zunehmend in Segmente ausgedehnt, die zwar vermögend sind, aber nicht zum engsten Kreis der Superreichen zählen. Damit wird Individualisierung vom Sonderfall zur skalierbaren Produktlogik.

Architektur eines modularen Mandats

Das Modell kann große Volumina aufnehmen, weil Standardisierung im Hintergrund und Personalisierung an der Oberfläche zusammenarbeiten."

„My Way“ ist keine reine Selbstverwaltung. Es ist auch kein klassisches Standardmandat. Die Konstruktion verbindet beides: Kundinnen und Kunden können Schwerpunkte setzen und Einschränkungen definieren, während die Bank Umsetzung, Überwachung und Rebalancing übernimmt. Dieser hybride Ansatz ist heute ein zentrales Muster in der Vermögensverwaltung.

UBS beschreibt die Lösung als modular, mit einer großen Zahl von Bausteinen, die sich kombinieren lassen. Auf der deutschen Produktseite ist von rund 80 Modulen die Rede.
Gleichzeitig wird sichtbar, dass Individualisierung an Mindestgrößen gebunden bleibt. Für den deutschen Markt nennt UBS als Richtwert mindestens 500.000 Euro.

Wichtig ist die innere Logik: Individualisierung entsteht nicht durch hundert Einzellösungen, sondern durch eine begrenzte Zahl standardisierter Module.

  • Bausteine statt Einzelwerte: Themen, Regionen, Stile und Risikobausteine werden kombiniert.
  • Regeln statt Bauchgefühl: Gewichtungen, Restriktionen und Zielkorridore werden im Mandat festgelegt.
  • Industrialisierte Betreuung: Überwachung und Rebalancing bleiben Teil der Dienstleistung.

Vom Maßanzug zur Plattform

Der strategische Kern liegt in der Skalierung. In der klassischen Privatbank war Individualisierung oft „Handarbeit“. Das passt zu sehr großen Vermögen, aber es ist teuer, schwer replizierbar und stark von einzelnen Beratern abhängig.

Eine Plattform dreht diese Logik um: Die Individualisierung wird „produktisiert“. Das senkt Grenzkosten und erhöht die Konsistenz.

Die zeitliche Entwicklung passt zu diesem Bild. UBS beschreibt einen Start als Pilot 2019 und eine Ausweitung 2020, zunächst in der Schweiz. 

Spätere Rollouts in weiteren Ländern sind dokumentiert, ebenso die Vermarktung als hybride Digital- und Beratungslösung.

Auch in den eigenen Berichten taucht „My Way“ zunehmend als Plattform-Baustein auf. 

Im Annual Report 2024 nennt UBS „My Way“ als Teil der Mandatsplattform und verweist darauf, dass die Lösung auch auf der Credit-Suisse-Plattform verfügbar ist.

Warum solche Angebote gerade jetzt wachsen

Der Nachfrageimpuls ist gut erklärbar. Viele wohlhabende Haushalte möchten Einfluss auf Schwerpunkte nehmen, ohne sich um tägliche Umsetzung zu kümmern. Gleichzeitig sind Präferenzen vielfältiger geworden: Nachhaltigkeit, Ausschlüsse, Themen, Heimatmärkte, Währungsaspekte oder Risikogrenzen. Je stärker Präferenzen auseinanderlaufen, desto weniger zufriedenstellend wirken starre Standardmandate.

Für Banken entsteht daraus ein Nutzenversprechen, das sich gut kommunizieren lässt: „Mitgestalten“ ohne operative Last. Dass die Plattform in kurzer Zeit relevante Volumina erreicht hat, passt zu diesem Markttrend.

Grenzen und Qualitätsfragen

Individualisierung erhöht auch Komplexität. Je mehr Freiheitsgrade zugelassen werden, desto höher wird das Risiko, dass ein Portfolio in sich widersprüchlich wird. Ein Klassiker sind Kombinationen, die unbemerkt Klumpenrisiken erzeugen oder die Risikostruktur sprunghaft verändern. In solchen Modellen entscheidet die Qualität der Leitplanken: Moduldefinition, Diversifikationsregeln, Risikokontrolle und transparente Rückmeldung an Kundinnen und Kunden.

Hinzu kommt Erwartungsmanagement. Individualisierte Portfolios führen zu stärkerer Ergebnisstreuung. Das ist systemisch, nicht moralisch. Eine Plattform muss deshalb erklären können, warum zwei Mandate mit ähnlichem Risiko unterschiedlich laufen dürfen.

Fazit

„UBS My Way“ steht für einen klaren Umbau der Vermögensverwaltung: weg von Einzellösungen, hin zu Plattformen mit kontrollierter Individualisierung. Das Modell kann große Volumina aufnehmen, weil Standardisierung im Hintergrund und Personalisierung an der Oberfläche zusammenarbeiten. Als Wachstumslogik ist das überzeugend, solange Leitplanken und Transparenz mitwachsen. 

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