Unterschiedliche Liquiditätsprofile Liquidität im Portfolio
Planung, Illusionen und reale Grenzen unterschiedlicher Anlageklassen.
Liquidität gilt als eine der meistzitierten, zugleich aber missverstandenen Eigenschaften von Geldanlagen. In vielen Portfolios wird sie als selbstverständlich angenommen, solange ein Produkt handelbar erscheint oder regelmäßige Rückgabemöglichkeiten bietet. Tatsächlich ist Liquidität jedoch keine Produkteigenschaft, sondern das Ergebnis von Marktstrukturen, Nachfrageverhalten und Zeit. Eine realistische Liquiditätsplanung beginnt daher nicht beim Etikett, sondern bei der Funktionsweise der zugrunde liegenden Anlageklassen.
Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit zeigt sich, wie schnell vermeintliche Liquidität relativiert wird. Märkte funktionieren nicht kontinuierlich, sondern zyklisch. Portfolios, die Liquidität nur implizit unterstellen, geraten dann unter Druck.
Liquidität als Portfoliokonzept
box
Im Portfolio erfüllt Liquidität mehrere Funktionen.
Sie ermöglicht Rebalancing, deckt kurzfristige Mittelabflüsse und wirkt als Puffer in Stressphasen.
Gleichzeitig steht sie in einem Spannungsverhältnis zur Rendite.
Hochliquide Anlagen sind in der Regel leichter handelbar, bieten aber häufig geringere Ertragsperspektiven.
Weniger liquide Anlagen versprechen höhere Renditen, binden dafür Kapital.
Liquidität ist deshalb keine absolute Größe, sondern eine bewusste Allokationsentscheidung.
Sie betrifft nicht nur einzelne Positionen, sondern die Struktur des gesamten Portfolios.
Unterschiedliche Liquiditätsprofile der Anlageklassen
Anlageklassen unterscheiden sich fundamental in ihrer Liquidität. Börsengehandelte Aktien großer Unternehmen lassen sich in der Regel kurzfristig veräußern, allerdings nicht zu garantierten Preisen. Anleihen sind abhängig von Emittent, Laufzeit und Marktphase unterschiedlich handelbar. In Stressphasen kann selbst der Handel mit vermeintlich sicheren Papieren eingeschränkt sein.
Sachwertanlagen wie Immobilien, Infrastruktur oder Private Equity sind strukturell illiquide. Verkäufe erfordern Zeit, Preisfindung ist diskret, nicht kontinuierlich. Fondsvehikel können diese Eigenschaft nicht aufheben, sondern nur organisatorisch überdecken.
Typische Liquiditätsprofile lassen sich wie folgt einordnen:
- Hochliquide Anlagen: börsengehandelte Aktien großer Märkte, Geldmarktinstrumente
- Begrenzt liquide Anlagen: Unternehmensanleihen, kleinere Aktienmärkte, spezialisierte ETFs
- Illiquide Anlagen: Immobilien, Infrastruktur, Private Equity, direkte Beteiligungen
Diese Einordnung ist kontextabhängig und verändert sich mit dem Marktumfeld.
Die Illusion der Verfügbarkeit
Unterschiedliche Anlageklassen bringen unterschiedliche Liquiditätsprofile mit sich, die bewusst aufeinander abgestimmt werden müssen. Wer Liquidität realistisch plant, vermeidet Illusionen und schafft Handlungsspielraum."
Ein häufiger Fehler in der Portfolioplanung besteht darin, formale Rückgaberechte mit tatsächlicher Liquidität gleichzusetzen. Regelmäßige Rücknahmefenster, tägliche Preisstellung oder digitale Handelbarkeit erzeugen ein Gefühl permanenter Verfügbarkeit. In Stressphasen treten jedoch Kontingente, Aussetzungen oder hohe Preisabschläge auf.
Liquidität ist damit kein Versprechen, sondern eine Wahrscheinlichkeit. Sie existiert so lange, wie ausreichend Gegenparteien bereit sind, zu handeln. Bricht diese Bereitschaft weg, verschiebt sich Liquidität zeitlich oder preislich.
Liquiditätsbedarf und Anlagehorizont
Entscheidend für die sinnvolle Einbindung unterschiedlicher Anlageklassen ist der Abgleich von Liquiditätsbedarf und Anlagehorizont. Kapital, das kurzfristig benötigt werden könnte, sollte nicht in illiquide Strukturen gebunden sein. Langfristig verfügbares Kapital kann dagegen gezielt illiquide Renditequellen erschließen.
Eine saubere Planung berücksichtigt:
- absehbare Mittelabflüsse
- zeitliche Staffelung des Kapitalbedarfs
- Schwankungstoleranz in Stressphasen
- Flexibilität für Umschichtungen
Liquidität wird so zu einer strategischen Größe, nicht zu einer Nebenbedingung.
Liquidität in Stressphasen
Marktstress wirkt wie ein Stresstest für Liquiditätsannahmen. Korrelationen steigen, Handelsvolumina sinken, Spreads weiten sich. In solchen Phasen zeigt sich, welche Teile des Portfolios tatsächlich mobilisierbar sind und welche nur auf dem Papier liquide erscheinen.
Gerade deshalb ist Liquidität nicht isoliert zu betrachten. Sie steht in Wechselwirkung mit Volatilität, Korrelation und Risikoprämien. Portfolios, die diese Zusammenhänge berücksichtigen, reagieren robuster auf externe Schocks.
Struktur statt Produktdenken
Eine realistische Liquiditätsplanung vermeidet Produktfixierung. Entscheidend ist nicht, ob ein Investment als Fonds, ETF oder Direktanlage verpackt ist, sondern wie schnell und zu welchen Bedingungen es veräußert werden kann. Struktur ersetzt Marketing.
Liquidität lässt sich nicht vollständig eliminieren, sondern nur steuern. Diese Steuerung erfolgt über Mischung, Staffelung und bewusste Akzeptanz von Bindungsfristen.
Fazit
Liquidität im Portfolio ist kein Selbstläufer. Sie entsteht aus Marktmechanik, Zeit und Struktur – nicht aus Produktbezeichnungen. Unterschiedliche Anlageklassen bringen unterschiedliche Liquiditätsprofile mit sich, die bewusst aufeinander abgestimmt werden müssen. Wer Liquidität realistisch plant, vermeidet Illusionen und schafft Handlungsspielraum. In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit wird diese Fähigkeit zu einem zentralen Stabilitätsfaktor der Portfoliokonstruktion.
Erst der Mensch, dann das Geschäft










