Das geheuchelte Verantwortungsbewusstsein einer Branche

Statement von Matthias Müller belegt Manager haben die Dimension nicht verstanden

Der Diesel-Gipfel brachte nicht den erwünschten Durchbruch, auch wenn die deutschen Autokonzerne Verantwortung übernehmen wollen. Ein simples Update der Software dürfte diesem Anspruch jedoch nicht gerecht werden.

Mit Matthias Müller brachte der Volkswagen-Chef die aktuelle Misere, wenn auch ungewollt, auf den Punkt: "Ich möchte meine Ingenieure zukunftsorientiert arbeiten lassen. Und nicht rückwärtsgewandt." Zu Deutsch: Sich um Motoren, "die zehn und 15 Jahre alt" sind, zu kümmern, kann kein lohnenswertes Unterfangen sein - das ist mehr als zynisch.

Autorenbox (bitte nicht verändern)

Das geheuchelte Verantwortungsbewusstsein einer Branche

Mehr als ein Software-Update ist nach den jüngsten Äußerungen der deutschen Autobosse nicht zu erwarten, um die teilweise nur wenigen Jahre alten Diesel-Fahrzeuge der Marken BMW, Daimler und VW wirkungsvoll nachzurüsten. Dabei geht es ja nicht einmal darum, den Fahrzeugen nachträglich einen Mehrwert zu verpassen, nein, es geht ausschließlich darum, dass sie endlich über die beim Kauf zugesagten Eigenschaften verfügen. Und das ist im Interesse der gesamten Gesellschaft: Saubere Luft geht schließlich alle an.

Allerdings scheinen die Konzernbosse noch nicht verstanden zu haben, was den eigentlichen Diesel-Skandal ausmacht. Ja, sie haben manipuliert - und das ganz unabhängig davon, wer wovon wie viel erfahren haben will. Fakt ist, dass die Diesel-Fahrzeuge die Normen nicht erfüllen und die Luft über die Maße verpesten. Den Konzernen ging es also in erster Linie darum, mit allerlei raffinierten Tricks den eigenen Absatz zu gewährleisten. Die Umweltbelange spielen dabei keine Rolle, so zumindest der Eindruck unter dem Strich.

Eine Frage der Ehre: Wie kann die Lösung aussehen?

Statt nun konstruktiv an einem Kompromiss zu arbeiten, der den vielen deutschen Diesel-Fahrern auch in Zukunft das Befahren der Großstädte erlaubt und uns allen nicht die Luft zum Atmen nimmt, versuchen die Autokonzerne, sich mit Minimallösungen aus der Affäre zu schummeln. Die optimale Lösung aus Konzernsicht wäre demnach eine Art Abwrackprämie, die den Kauf von Diesel-Fahrzeugen der neuesten Generation erleichtern würde. Damit ließen sich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen - allerdings auf dem Rücken der deutschen Autofahrer.

Saubere Luft geht schließlich alle an."

Während in den USA Sammelklagen längst von Erfolg gekrönt sind und saftige Entschädigungen locken, bietet BMW jetzt 2.000 Euro an - VW und die angeschlossenen Töchter halten sich bislang vornehm zurück. Es ist zwar ein Grundsatz unternehmerischen Denkens, weit nach vorne zu schauen und strategisch klug zu planen - allerdings sollte dabei keine derart belastete Vergangenheit hinterlassen werden. So lange aber ein Matthias Müller derartige Statements abgibt, ist nicht davon auszugehen, dass sich bei den deutschen Autobauern eine Art von Einsicht breitmacht.

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