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Finanzlexikon Nicht liquide: Geschlossene Fonds

Ein geschlossener Fonds ist eine Kapitalanlage, bei der Investoren ihr Geld in ein bestimmtes Projekt oder einen spezifischen Vermögenswert investieren. Anders als offene Investmentfonds, bei denen Anleger jederzeit Anteile kaufen oder verkaufen können, wird das Kapital eines geschlossenen Fonds nur einmal während der Platzierungsphase eingesammelt. Danach wird der Fonds für neue Investoren „geschlossen“.

Das eingesammelte Kapital wird in ein oder mehrere Anlageobjekte investiert, die über eine vorher festgelegte Laufzeit gehalten werden. Während dieser Zeit ist das Kapital der Anleger in der Regel nicht verfügbar. Erst nach Ablauf der Fondslaufzeit wird der investierte Betrag – idealerweise zuzüglich erwirtschafteter Erträge – an die Investoren zurückgezahlt.


Struktur und Funktionsweise geschlossener Fonds

1. Platzierungsphase – Die Zeichnung des Fonds

  • Bevor ein geschlossener Fonds operativ tätig wird, wird zunächst Kapital von Anlegern eingesammelt.
  • Investoren können während dieser Phase Anteile erwerben. Sobald das angestrebte Fondsvolumen erreicht ist, wird der Fonds „geschlossen“ – ein späterer Einstieg ist nicht mehr möglich.
  • Die Mindestbeteiligungssumme ist oft höher als bei offenen Fonds, häufig im Bereich von mehreren tausend bis zehntausend Euro.

2. Investitionsphase – Das Fondsvermögen wird angelegt

  • Nachdem der Fonds geschlossen wurde, wird das eingesammelte Kapital in das geplante Anlageobjekt investiert.
  • Dies kann der Erwerb oder Bau einer Immobilie, der Kauf eines Windparks, einer Flugzeugflotte oder eines Containerschiffs sein.
  • In dieser Phase entstehen meist Kosten für Erwerb, Verwaltung und Instandhaltung der Anlageobjekte.

3. Bewirtschaftungsphase – Laufende Erträge und Verwaltung

  • Während der Laufzeit generiert das Anlageobjekt idealerweise regelmäßige Einnahmen, beispielsweise durch Mieteinnahmen, Charterraten oder Energieverkauf.
  • Diese Erträge werden entweder ausgeschüttet oder reinvestiert, um den Fondswert zu steigern.
  • Der Fonds wird von einer Fondsgesellschaft oder einem Fondsmanagement verwaltet, das Entscheidungen über die Bewirtschaftung trifft.

4. Exit-Phase – Verkauf des Fondsobjekts und Rückzahlung an Anleger

  • Nach Ablauf der vorgesehenen Laufzeit wird das Anlageobjekt verkauft.
  • Die erzielten Verkaufserlöse werden abzüglich Kosten und möglicher Gewinne an die Anleger ausgeschüttet.
  • Die Höhe der Rückzahlung hängt stark von der Marktentwicklung während der Fondslaufzeit ab.

Arten geschlossener Fonds

Geschlossene Fonds investieren in verschiedene Anlageklassen, die jeweils eigene Chancen und Risiken mit sich bringen.

1. Immobilienfonds

  • Investition in Gewerbe- oder Wohnimmobilien, häufig langfristig vermietet.
  • Erträge stammen aus Mietzahlungen und möglichen Wertsteigerungen beim Verkauf.
  • Vorteil: Sachwerte bieten oft Inflationsschutz und regelmäßige Erträge.
  • Risiko: Marktveränderungen oder Leerstände können die Rendite beeinträchtigen.

2. Infrastrukturfonds

  • Kapital fließt in Straßen, Brücken, Flughäfen oder andere Infrastrukturprojekte.
  • Häufig staatlich reguliert und mit langfristigen Verträgen gesichert.
  • Vorteil: Stabilität durch langfristige Einnahmequellen.
  • Risiko: Politische Einflüsse und hohe Investitionskosten.

3. Energiefonds (erneuerbare Energien)

  • Finanzierung von Windparks, Solaranlagen oder Biomassekraftwerken.
  • Einnahmen durch den Verkauf von Strom oder staatlich geförderte Einspeisevergütungen.
  • Vorteil: Nachhaltige Investition mit oft planbaren Erträgen.
  • Risiko: Abhängigkeit von Energiepreisen, Gesetzesänderungen und Wetterbedingungen.

4. Schiffsfonds

  • Investition in Containerschiffe oder Tanker, die vermietet oder verchartert werden.
  • Hohe Renditechancen in Wachstumsphasen der Weltwirtschaft.
  • Risiko: Starke Schwankungen im Schifffahrtsmarkt, hohe Betriebskosten.

5. Private-Equity-Fonds

  • Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen, oft mit dem Ziel, diese weiterzuentwickeln und gewinnbringend zu verkaufen.
  • Hohe Ertragschancen, aber auch hohe Risiken.
  • Langfristige Kapitalbindung und illiquide Investition.

Chancen und Vorteile geschlossener Fonds

Wer sich für geschlossene Fonds interessiert, sollte die Struktur und Funktionsweise genau verstehen, eine gründliche Analyse der Fondsbedingungen durchführen und sich der langfristigen Kapitalbindung bewusst sein. Nur dann kann diese Anlageform sinnvoll zur Portfolio-Diversifikation beitragen und langfristig attraktive Erträge liefern."

Geschlossene Fonds bieten Investoren spezifische Vorteile, die sie von anderen Anlageformen unterscheiden.

  • Direkte Sachwertinvestition: Anleger investieren direkt in greifbare Vermögenswerte wie Immobilien oder Infrastrukturprojekte.
  • Potenzial für hohe Renditen: Da geschlossene Fonds oft in Spezialmärkte investieren, können sie überdurchschnittliche Erträge generieren.
  • Diversifikation: Geschlossene Fonds bieten eine Möglichkeit, das Portfolio mit alternativen Anlageklassen zu erweitern.
  • Langfristige Stabilität: In vielen Fällen sind geschlossene Fonds langfristig ausgelegt und nicht von kurzfristigen Marktschwankungen betroffen.

Risiken und Nachteile geschlossener Fonds

Trotz der Chancen gibt es auch signifikante Risiken, die Anleger berücksichtigen müssen.

  • Mangelnde Liquidität: Anleger können ihre Beteiligung während der Laufzeit meist nicht verkaufen oder nur unter hohen Abschlägen.
  • Hohe Einstiegssummen: Die Mindestanlagesummen sind oft deutlich höher als bei offenen Fonds.
  • Marktabhängigkeit: Der Erfolg eines geschlossenen Fonds hängt stark von der Marktentwicklung des jeweiligen Anlageobjekts ab.
  • Fondsmanagement-Risiko: Die Qualität der Fondsverwaltung spielt eine zentrale Rolle – schlecht gemanagte Fonds können Verluste verursachen.
  • Totalverlustrisiko: Im Extremfall kann ein geschlossener Fonds scheitern, wodurch Anleger ihr gesamtes Kapital verlieren.

Auswahl eines geeigneten geschlossenen Fonds

Da geschlossene Fonds mit langfristigen Kapitalbindungen und spezifischen Risiken verbunden sind, sollten Anleger vor einer Investition mehrere Kriterien prüfen.

  • Fondsprospekt und Verkaufsunterlagen genau analysieren: Hier werden Risiken, Gebühren und Investitionsziele beschrieben.
  • Erfahrung des Fondsmanagements prüfen: Ein erfahrener Fondsanbieter kann das Risiko reduzieren.
  • Marktanalyse des Anlageobjekts durchführen: Nachfrage, Preisentwicklung und regulatorische Rahmenbedingungen sind entscheidend.
  • Laufzeit und Ausstiegsoptionen beachten: Anleger sollten sich bewusst sein, dass ihr Kapital für einen langen Zeitraum gebunden ist.

Fazit

Geschlossene Fonds sind eine interessante Anlageform für Investoren, die langfristig in Sachwerte investieren und von stabilen Erträgen profitieren möchten. Sie bieten attraktive Renditechancen, gehen jedoch mit spezifischen Risiken einher, insbesondere in Bezug auf Liquidität und Marktabhängigkeit.

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