Welcher Strom? Ohne Energie keine KI
Die Engstelle der KI liegt nicht nur im Chip, sondern im Stromsystem.
Der Ausbau von KI-Infrastruktur ist vor allem ein Ausbau von Rechenleistung – und damit von Strombedarf. Datenzentren, Netzanbindungen, Kühlung und Speicher werden zu echten Standortfaktoren. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich der weltweite Stromverbrauch von Datenzentren bis 2030 in etwa verdoppelt und in der zweiten Hälfte der Dekade deutlich schneller wächst als der übrige Stromverbrauch. Damit rückt eine neue Realität ins Zentrum: Der Erfolg von KI hängt zunehmend daran, wie schnell Energie erzeugt, transportiert und flexibel bereitgestellt werden kann.
Strom wird zur strategischen Engstelle
Wenn Rechenleistung wächst, wächst das Stromsystem mit – oder es bremst."
Der Strombedarf steigt nicht nur wegen KI. Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie verstärkt den Trend. Die IEA spricht bereits von einem „Age of Electricity“ und betont, dass dafür deutlich mehr Investitionen in Netze und Flexibilität nötig sind.
KI wirkt dabei wie ein Beschleuniger: Rechenzentren erzeugen zusätzliche Last, oft lokal konzentriert, und sie benötigen Versorgungssicherheit – nicht nur im Jahresmittel, sondern auch in Spitzenzeiten.
Warum Erneuerbare, Netze und Speicher in den Fokus rücken
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Die Frage lautet nicht mehr nur „Wie viel Strom?“, sondern „Welcher Strom, wann und wo?“. Erneuerbare Energien liefern skalierbare Erzeugung, aber sie brauchen Netze, Speicher und Steuerung, damit aus Angebot und Nachfrage ein stabiles System wird.
In der IEA-Basissicht decken Erneuerbare einen großen Teil des zusätzlichen Strombedarfs der Datenzentren in den kommenden Jahren, unterstützt durch Netzausbau und Flexibilitätslösungen.
Damit entsteht eine Art zweite Lieferkette neben der KI-Lieferkette aus Chips, Cloud und Software: die Infrastruktur für saubere Erzeugung, Transport, Speicherung und Effizienz.
Alexander Weiss (Erste Asset Management) beschreibt diese Rolle als „Schaufeln für den Goldrausch“: Unternehmen aus dem Erneuerbaren-Sektor ermöglichen den Ausbau der KI-Infrastruktur, unabhängig davon, welche Modelle oder Plattformen am Ende dominieren.
Wie sich das Thema in der Geldanlage aufgreifen lässt
Wer diesen Trend im Portfolio abbilden möchte, muss nicht auf einzelne KI-Gewinner setzen. Der Fokus kann auf den „Enablern“ liegen – also auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle von dem zusätzlichen Strom- und Infrastrukturbedarf strukturell profitieren. Praktisch lassen sich mehrere Zugänge unterscheiden:
- Erneuerbare Erzeugung: Entwickler, Betreiber und Ausrüster von Wind-, Solar- und Hybridprojekten.
- Netze und Elektrifizierung: Kabel, Transformatoren, Schaltanlagen, Netzsoftware, Dienstleistungen für Netzmodernisierung.
- Speicher und Flexibilität: Batterien, Komponenten, Systemintegratoren, Lastmanagement, Microgrids.
- Effizienz im Datenzentrum: Kühlung, Wärmemanagement, energieeffiziente Stromversorgung, Gebäude- und Anlagensteuerung.
- Versorger mit Ausbauprofil: Unternehmen, die massiv in Netze und erneuerbare Kapazitäten investieren.
In der Umsetzung gibt es unterschiedliche „Verpackungen“: breit gestreute Aktienfonds/ETFs auf Energiewende- oder Infrastrukturthemen, spezialisiertere Lösungen für Netze oder Speicher sowie – je nach Ziel – auch Anleihenformate wie Green Bonds (wenn der Schwerpunkt stärker auf planbaren Kupons liegt). Der entscheidende Punkt ist weniger der Produktname als die tatsächliche Zusammensetzung: Wie viel steckt in Netzen? Wie viel in reiner Erzeugung? Wie viel in Hardware-Engpässen wie Transformatoren?
Einordnung der Risiken
Die „Schaufel“-These ist überzeugend, aber nicht risikofrei. Energie- und Infrastrukturwerte sind abhängig von Regulierung, Genehmigungsprozessen, Rohstoffpreisen und Zinsniveau. Zudem können Themenkörbe zeitweise teuer werden, wenn Kapitalströme denselben Engpass spielen. Der Vorteil liegt in der strukturellen Nachfrage, der Nachteil in der Zyklik der Umsetzung.
Fazit
KI wird zur Wachstumsstory, aber Energie wird zur Umsetzungsbedingung. Genau deshalb rücken Erneuerbare, Netze, Speicher und Effizienzlösungen als zweite, oft unterschätzte Infrastruktur in den Mittelpunkt. Die Logik dahinter ist nüchtern: Wenn Rechenleistung wächst, wächst das Stromsystem mit – oder es bremst. Die „Schaufelhersteller“ sind damit nicht der lauteste Teil des KI-Booms, aber einer der notwendigsten.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












