Schwellenländer galten lange als Hoffnungsträger globaler Wachstumsdynamik

Diversifikation Schwellenländer rücken wieder in den Fokus

Asset Allocation: Dollarzyklus, Liquidität und Risikoprämien als Schlüsselfaktoren.

Schwellenländer galten lange als Hoffnungsträger globaler Wachstumsdynamik. In den vergangenen Jahren blieb die Entwicklung jedoch hinter großen Industriemärkten zurück. Steigende US-Zinsen, ein starker Dollar und geopolitische Spannungen belasteten viele Emerging Markets. Nach dieser Phase der Underperformance sehen einige Vermögensverwalter nun wieder ein attraktiveres Umfeld.

Nach Einschätzung von Vermögensbetreuer Mirko Kohlbrecher ist der entscheidende Treiber weniger die kurzfristige Nachrichtenlage als der übergeordnete Dollarzyklus. Dieser wirkt als verbindendes Element zwischen Aktien- und Anleihemärkten.


Dollarstärke als Belastungsfaktor

Eine Phase ausgeprägter Dollarstärke wirkt häufig belastend auf Schwellenländer. Der Mechanismus ist strukturell: Viele Emerging Markets sind in US-Dollar verschuldet. Steigt der Dollar, erhöhen sich real die Finanzierungskosten. Gleichzeitig fließt Kapital verstärkt in den US-Markt, da dort höhere Renditen und größere Liquidität locken.

Typische Effekte einer starken Dollarphase sind:

  • steigende Refinanzierungskosten für Staaten und Unternehmen
  • Abwertung lokaler Währungen
  • Kapitalabflüsse aus lokalen Aktien- und Anleihemärkten
  • höhere Risikoaufschläge

Der Einfluss geht über einzelne Länder hinaus. Indizes wie der MSCI Emerging Markets reagieren häufig sensibel auf diese globalen Liquiditätsbedingungen.


Liquidität wichtiger als Einzelereignisse

Entscheidend ist weniger das einzelne makroökonomische Ereignis als die übergeordnete Liquiditätslage. Schwellenländer reagieren stark auf das Zusammenspiel von US-Zinsniveau, globaler Risikobereitschaft und Dollarentwicklung. Eine Stabilisierung oder Abschwächung des Dollars kann Risikoprämien entlasten, ohne dass es fundamentaler Wunder bedarf.

Historisch folgten auf Phasen ausgeprägter Dollarstärke häufig Erholungsphasen in Emerging Markets. Kapital kehrte zurück, Bewertungen normalisierten sich, Währungen stabilisierten sich. Dieser Zyklus ist kein Automatismus, aber ein wiederkehrendes Muster.

In einer diversifizierten Allokation können Schwellenländer daher eine eigenständige Rolle spielen. Ihre Ertragsquellen unterscheiden sich teilweise von denen der Industriemärkte.


Bewertungsniveau und strukturelles Wachstum

Nach mehreren Jahren relativer Schwäche liegen die Bewertungen vieler Schwellenländer unter denen großer Industriemärkte. Während Indizes wie der S&P 500 stark von profitablen Technologiekonzernen geprägt sind, weisen Emerging Markets eine breitere sektorale Struktur auf – mit höherem Anteil an Rohstoffen, Industrie und Binnenkonsum.

Chancen ergeben sich vor allem aus:

  • demografischem Wachstum in ausgewählten Regionen
  • fortschreitender Industrialisierung
  • wachsendem Binnenmarkt in Asien und Lateinamerika
  • relativer Bewertungsdifferenz zu Industriemärkten

Diese strukturellen Faktoren wirken jedoch nur dann positiv, wenn die globalen Finanzierungsbedingungen stabil bleiben.


Risiken bleiben integraler Bestandteil

In einer diversifizierten Asset Allocation bieten Emerging Markets eigenständige Ertragsquellen, höhere Wachstumsdynamik und Bewertungsdifferenzen zu Industriemärkten. Gleichzeitig bleiben Währungs- und Politrisiken zentrale Einflussgrößen."

Emerging Markets sind keine homogene Anlageklasse. Politische Risiken, institutionelle Schwächen und Währungsschwankungen bleiben wesentliche Einflussfaktoren. Die Volatilität liegt in der Regel über der von Industriemärkten. Zudem sind einzelne Länder stark von Rohstoffpreisen abhängig.

Diversifikation innerhalb der Schwellenländer ist daher ebenso relevant wie die Beimischung selbst. Breite Indexlösungen reduzieren länderspezifische Risiken, können jedoch kurzfristige Schwankungen nicht eliminieren.


Fazit

Nach Jahren der Underperformance gewinnen Schwellenländer wieder an relativer Attraktivität. Der entscheidende Treiber ist weniger eine einzelne Konjunkturmeldung als der Dollarzyklus und die globale Liquiditätslage. Eine Stabilisierung oder Abschwächung des US-Dollars kann die Risikoprämien entlasten und Kapitalströme umkehren.

In einer diversifizierten Asset Allocation bieten Emerging Markets eigenständige Ertragsquellen, höhere Wachstumsdynamik und Bewertungsdifferenzen zu Industriemärkten. Gleichzeitig bleiben Währungs- und Politrisiken zentrale Einflussgrößen. Schwellenländer sind damit keine taktische Wette auf eine Einzelentwicklung, sondern eine zyklische Komponente im globalen Portfolio.

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