Mit Christine Lagarde wird zum zweiten Mal eine französische Besetzung an der Spitze der EZB erfolgen

Die designierte EZB-Chefin Was hat Christine Lagarde vor?

Mit der heute noch als IWF-Chefin amtierenden Christine Lagarde wird zum zweiten Mal eine französische Besetzung an der Spitze der EZB erfolgen. Jean-Claude Trichet stand zwischen 2003 und 2011 als erster Franzose der Euro-Notenbank vor. Die Amtszeit von Mario Draghi endet am 31. Oktober.

Anders als bei Ursula von der Leyen gilt die Personalie Lagarde als gesetzt, denn es wird nur die - bereits gesicherte - Zustimmung des Europäischen Rates benötigt. Das Parlament mit seinen unklaren Mehrheiten ist nicht gefragt. Daher verwundert es nicht, wenn man jetzt schon kräftig spekuliert, welchen Kurs Lagarde verfolgen wird.

Es kommt nicht nur auf Lagarde an

Christine Lagarde hat wie ihr Fed-Kollege Jerome Powell Jura studiert. Juristen betrachten die Welt bekanntlich etwas anders als Ökonomen. Dennoch wird man Lagarde ökonomischen Sachverstand nicht absprechen können. Den hat sie als französische Finanz- und Wirtschaftsministerin sowie als IWF-Chefin hinreichend bewiesen. Auf dem Höhepunkt von Finanz- und Eurokrise kam dem IWF eine wichtige Rolle bei Rettungsmaßnahmen zu. Allerdings gehörte Geldpolitik bisher nicht zu Lagardes Metier. Es ist ein Feld, in das sie sich erst noch einarbeiten muss.

Umso bedeutender ist eine zweite EZB-Personalie: die Besetzung des Chefvolkswirt-Postens, der Nummer 2 der Notenbank. Diese Funktion wird künftig der bisherige irische Notenbank-Chef Philip Lane übernehmen, im Gegensatz zu Lagarde ein ausgewiesener Geldexperte. Auf sein Wissen und seinen Erfahrungsschatz wird sich Lagarde vermutlich maßgeblich stützen. Es kommt daher auch darauf an, was Lane sagt und denkt.

Schwächt sich die Konjunktur im Euro-Raum weiter ab, könnte schon bald der Wiedereinstieg in die Geldvermehrung erfolgen."

Weiterhin locker

Im EZB-Rat galt Lane bis dato als "Taube" - als Verfechter einer lockeren Geldpolitik und damit auf Draghis Linie. Diese Position hat er erst kürzlich wieder öffentlich bekräftigt. Da Frankreich in der Finanz- und Wirtschaftspolitik in der Vergangenheit eher den Südländern in der Euro-Zone zuneigte, dürfte das nicht im Widerspruch zu Lagardes Vorstellungen stehen. Zumindest auf der Sachebene sollte das Tandem gut funktionieren.

Das spricht gegen ein baldiges Ende der Niedrigzinspolitik. Im Gegenteil: schwächt sich die Konjunktur im Euro-Raum weiter ab, könnte schon bald der Wiedereinstieg in die Geldvermehrung erfolgen. Die Börsen reagierten daher auch mit einem kleinen Freudensprung auf die Lagarde-Nachricht. "Locker" heißt allerdings nicht "zügellos" - das weiß, wer das Wirken Lagardes beim IWF kennt.

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