Bei dem deutschen Autobauer VW herrscht Krisenstimmung wegen des Abgasskandals

Serie Zur Person: Der neue VW-Chef schon angeschlagen? Aufklärer Matthias Müller

Wie Sie sicher wissen, wird der VW-Konzern mittlerweile von Matthias Müller gelenkt. Der reist immer mal wieder zu Gesprächen über die Abgasaffäre in die Vereinigten Staaten. Er will dabei sein angeschlagenes Image aufbessern - also aufklären statt vertuschen?

Matthias Müller soll den Abgasskandal von Volkswagen aufklären und macht dabei einen überforderten Eindruck. Sie können natürlich den Medien unterstellen, dass sie den Konzernchef absichtlich so darstellen. Welche Version richtig ist, werden die kommenden Wochen zeigen. Müller war zuletzt in die USA gereist, um dort die Wogen zu glätten und mit der Umweltbehörde EPA zu verhandeln. Sein Ziel war die Lösung der Abgasaffäre, wobei er der Öffentlichkeit demonstrieren wollte, dass er Herr über die Krise ist. Alles in allem kein leichtes Unterfangen.

Anfang im Chaos

Matthias Müller hätte zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt die Konzernspitze übernehmen können. Als er im September anfing, herrschte bei VW Krisenstimmung wegen des Abgasskandals. Volkswagen war vor allem in den USA mit einer enormen Welle der Entrüstung konfrontiert. Müller konnte nicht auf Beistand von außerhalb bauen, Fehlersuche und eventuelle Kurskorrektur blieben aus Zeitmangel auf der Strecke.

Ungeduld bei amerikanischen Ermittlern 

Die Behörden in den Vereinigten Staaten forderten bereits seit Mai 2014 vergeblich eine Erklärung für die außerordentlich hohen Abgaswerte bei Dieselmodellen ein. Da die VW-Ingenieure lange abwiegelten und noch beschönigten, als die Wahrheit längst offenkundig war, muss der neue Chef nun die Kohlen selbst aus dem Feuer holen. Auf der Autoshow in Detroit hat er sich nun zunächst für das Verhalten seiner Firma entschuldigt. Missglückt war dann allerdings ein Radiointerview, bei dem Müller sagte, sein Konzern habe nicht gelogen.

Und einfacher wird es nicht, denn das US-Justizministerium hat vor einigen Tagen den Angriff auf VW mit einer Zivilklage begonnen. Bei ungünstigem Ausgang droht Volkswagen eine zweistellige Milliardenstrafe. Die Klage wäre vielleicht verhandelbar gewesen, wenn die Konzernleitung beizeiten Kooperationsbereitschaft signalisiert hätte.

Verhandlungen statt Reue

Die amerikanischen Behörden sind von der mangelnden Bereitschaft zur Aufklärung bei VW wenig begeistert. Weder der genaue Umfang noch die Umstände des Abgasskandals sind bisher hinreichend aufgedeckt worden. Die Ermittler werden stattdessen bei der Wahrheitsfindung mit irreführenden Informationen und enormen Versäumnissen konfrontiert. Statt offenzulegen und ehrlich zu bedauern übt sich der Konzern bislang in Schadensbegrenzung und verhandelt mit der Umweltbehörde. Müllers Gespräch mit der Chefin der höchsten US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy, diese Woche war dann auch wenig erfolgreich. Offenbar konnten sich beide Seiten nicht einigen.

Ähnlich blamabel in der Bundesrepublik

In den USA geizte der Konzern unter Matthias Müller mit aufklärenden Informationen. In Deutschland führte der neue Aufklärungswille zu wesentlich mehr Problemfahrzeugen als wirklich vorhanden. Auch dabei fiel kein gutes Licht auf den Konzernchef, der zudem mit der Aufklärung hinter dem EU-Zeitplan liegt und bereits Verlängerung erbeten hat.

Müller braucht unbedingt einigermaßen erfolgreiche Verhandlungen in den Vereinigten Staaten. Nur aus dieser gestärkten Position heraus kann er eine ebenso komplexe Aufgabe in Deutschland bewältigen: den Umbau des VW-Konzerns. In der kommenden Woche wird er sich nun zunächst den Fragen des Aufsichtsratspräsidiums von VW stellen müssen.

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