Köpfe und Konzepte der Finanzwelt

Wirtschaftsdenkerin: Kate Raworth (1970) Doughnut Economics – Soziale und ökologische Leitplanken

Ein wirtschaftstheoretischer Ansatz, der Wohlstand zwischen sozialen Mindeststandards und ökologischen Belastungsgrenzen verortet.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verdichteten sich zwei Einsichten. Einerseits erzeugt wirtschaftliches Wachstum sozialen Wohlstand, andererseits überschreitet es ökologische Grenzen. Kate Raworth reagierte darauf mit einem neuen Ordnungsbild für die Wirtschaft. Ihr Modell stellt nicht Wachstum, sondern einen sicheren und gerechten Handlungsraum in den Mittelpunkt. Der sogenannte Doughnut beschreibt diesen Raum anschaulich.

Der Ansatz verbindet soziale und ökologische Ziele in einer gemeinsamen Struktur. Wirtschaftliches Handeln soll weder unter soziale Mindeststandards fallen noch ökologische Belastungsgrenzen überschreiten. Zwischen diesen beiden Rändern liegt der Bereich, in dem sich eine Gesellschaft stabil entwickeln kann.

Wohlstand innerhalb von Grenzen

Raworths Denken löst sich bewusst von eindimensionalen Zielgrößen. Wirtschaftlicher Erfolg wird nicht mehr allein an Wachstum gemessen. Entscheidend ist, ob grundlegende soziale Bedürfnisse erfüllt sind, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen zu überlasten.

Wirtschaftlicher Wohlstand liegt zwischen sozialen Mindeststandards und ökologischen Grenzen."

Charakteristisch ist die systemische Perspektive. Soziale Fragen und Umweltfragen werden nicht getrennt behandelt. Armut, Ungleichheit und ökologische Zerstörung gelten als miteinander verknüpft. Wirtschaftliche Ordnung muss beide Dimensionen gleichzeitig berücksichtigen.

Der Doughnut dient dabei nicht als Prognosemodell, sondern als Orientierungsrahmen. Er zeigt, wo wirtschaftliche Aktivität problematisch wird und wo sie stabilisierend wirken kann.

Grundstruktur des Ansatzes

Doughnut Economics folgt einer klaren Leitplanken-Logik:

  • Ein soziales Fundament definiert Mindeststandards des Lebens.
  • Eine ökologische Decke markiert Belastungsgrenzen der Natur.
  • Wirtschaftlicher Wohlstand liegt zwischen beiden Grenzen.
  • Wachstum ist kein Selbstzweck.

Der Ansatz ersetzt keine wirtschaftlichen Mechanismen. Er ordnet sie neu, indem er Ziele und Grenzen explizit macht.

Einordnung in die heutige Wirtschaft

Die Doughnut-Perspektive gewinnt in aktuellen Debatten an Bedeutung. Nachhaltigkeitsziele, Klimapolitik und soziale Teilhabe werden zunehmend gemeinsam betrachtet. Städte, Unternehmen und Institutionen nutzen den Ansatz als Orientierungsrahmen für strategische Entscheidungen.

In der heutigen Wirtschaft zeigt sich, dass Zielkonflikte nicht verschwinden, sondern sichtbarer werden. Der Doughnut hilft, diese Konflikte zu strukturieren, ohne einfache Lösungen zu versprechen. Er verschiebt den Fokus von Maximierung zu Balance.

Auch jenseits politischer Programme wirkt der Ansatz. Er verändert die Sprache wirtschaftlicher Diskussionen. Fragen nach "genug", nach Stabilität und nach systemischer Verantwortung rücken in den Vordergrund.

Fazit

Doughnut Economics versteht Wohlstand als Balance zwischen sozialen Bedürfnissen und ökologischen Grenzen. Ihr Beitrag liegt in der klaren Visualisierung wirtschaftlicher Leitplanken. Als Denkansatz hilft sie, wirtschaftliche Ziele neu zu ordnen, ohne auf einfache Wachstumslogik zurückzugreifen.

Merksätze:

  1. Wirtschaftlicher Wohlstand liegt zwischen sozialen Mindeststandards und ökologischen Grenzen.
  2. Wachstum ist Mittel, nicht Ziel wirtschaftlicher Ordnung.
  3. Soziale und ökologische Fragen sind systemisch miteinander verbunden.

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