Aktienbasierte Mitarbeitervergütungen sollen Beschäftigten als Anreiz dienen, sich für ihr Unternehmen einzusetzen

Bert Flossbach "Einer der größten Diebstähle der Finanzgeschichte"

Aktienbasierte Mitarbeitervergütungen sollen Beschäftigten als Anreiz dienen, sich für ihr Unternehmen einzusetzen. Ein eigentlich sinnvoller Ansatz, der aber auch missbräuchlich genutzt werden kann. Darauf macht der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch mit Blick auf die US-Technologiefirmen aufmerksam und spricht von einem der größten Diebstähle der Finanzgeschichte.

Kritisiert wird nicht nur die Höhe der Vergütungen, sondern auch der Umgang mit den Zahlungen in der öffentlichen Darstellung. Die Kosten der Vergütungsprogramme würden zwar in der Regel offengelegt, jedoch bei wichtigen Erfolgskennziffern wieder herausgerechnet. In Publikationen bezeichne man sie auch schon mal als "Wohltat für Aktionäre" - eine zumindest in dieser Absolutheit irreführende Bezeichnung.

Autorenbox (bitte nicht verändern)

Milliardensummen für aktienbasierte Mitarbeitervergütungen

Als Beispiel dafür nennt Flossbach von Storch den Zahlungsdienstleister PayPal. Dieser habe mitgeteilt, in den ersten drei Quartalen 2022 rund 3,2 Mrd. US-Dollar durch Aktienrückkäufe an Aktionäre zurückgegeben zu haben. Davon seien (inkl. Steuererstattungen) aber 1,35 Mrd. US-Dollar - also mehr als ein Drittel - an Mitarbeiter geflossen. Die logische Schlussfolgerung des Vermögensverwalters: Aktionäre sollten darüber informiert werden, welcher Anteil von Aktienrückkäufen in Mitarbeiterrückvergütungen fließt.

Die Summen der Mitarbeitervergütungen sind durchaus gewaltig. In den letzten vier Quartalen 2022 habe der Aufwand dafür bei den zehn größten US-Technologiefirmen 75 Mrd. Dollar betragen, so der Kölner Vermögensverwalter. Seit 2017 seien sogar 276 Mrd. Dollar geflossen. Gut ein Fünftel des freien Cash Flows sei so verwendet worden. Bei den übrigen 90 Nicht-Technologie-Titeln im S&P 100 seien es nur sieben Prozent gewesen. Ein besonders markantes Beispiel ist laut Flossbach von Storch der US-Softwareanbieter Snowflake. Dort wurden von 1,9 Mrd. Dollar Umsatz rund 757 Mio. US-Dollar oder 41 Prozent für aktienbasierte Mitarbeitervergütungen verwendet.

Solange die Aktienkurse der US-Technologiefirmen immer neue Rekorde brachen, wurden von den Börsenakteuren die "Ausschüttungen" an Mitarbeiter weitgehend klaglos in Kauf genommen."

Mehr Aufmerksamkeit nach Ende des US-Tech-Kurshypes

Solange die Aktienkurse der US-Technologiefirmen immer neue Rekorde brachen, wurden von den Börsenakteuren die "Ausschüttungen" an Mitarbeiter weitgehend klaglos in Kauf genommen. Dies hat sich geändert, seit die Kurserwartungen nicht mehr in den Himmel schießen. Die Mitarbeitervergütungen beschneiden das Potential für Dividenden nachhaltig.

Flossbach von Storch kritisiert in diesem Zusammenhang, dass gerade ESG-Protagonisten das Thema bisher vernachlässigen würden. Sie schauten vor allem auf die Vorstandsgehälter und hätten die Mitarbeitervergütungen noch nicht richtig in den Blick genommen. Hier bestehe entsprechender Nachholbedarf.

Kontakt zu mir

Hallo!
Schön, dass Sie mich kennenlernen möchten.